Stand: 13.01.2018 11:18 Uhr

Wie aus knorrigem Holz eine schicke Treppe wird

von Thilo Buchholz

Der alte Handwagen quietscht unter der Last: Auf ihm liegen sechs schwere, raue Bohlenbretter. Zusammen wiegen sie mehr als 100 Kilogramm. Tischler Benjamin Frank aus Reinfeld schiebt die drei Meter langen Eichenbohlen vor eine große Säge. Sie sollen zu einer geschwungenen Treppe weiterverarbeitet werden. Aus den Bohlen will er zunächst Handläufe und sogenannte Wangen für Treppen machen. Das sind die an der Seite verlaufenden, tragenden Teile. Zunächst schneidet er sie dafür zu Latten. "Diese Bretter eignen sich dafür, weil im Holz wenige Verästelungen sind", erzählt Frank. Sind viele Äste im Material, würde der Tischler daraus kurze Stücke wie Stufen anfertigen.

Stufe für Stufe zu einer Treppe

Die Bohlen kommen ursprünglich vom Lagerplatz in Daldorf (Kreis Segeberg). Dort gibt es einmal im Jahr eine Art Auktion, bei der die besten Laubholzstämme versteigert werden. Eine Maschine mit vier Spezialmessern, durch die die Latten geschoben werden, hobelt weitere Millimeter ab. Die runden Messerwalzen drehen sich schnell, 8.000 Mal in der Minute. Holzspäne fliegen nicht umher. Sie werden über ein Rohrsystem in ein Silo abgesaugt. Treppen bestehen aus verschiedenen Elementen, Geländerstäben etwa oder sogenannten Krümmlingen. Das sind gebogene Stücke, die gerade Treppenabschnitte miteinander verbinden. Sie müssen in verschiedenen Arbeitsschritten gesägt, gefräst und geleimt werden. Hier in Reinfeld machen das moderne Maschinen, tonnenschwer und mehrere Meter lang. Ein einziger Strichcode, wie auf einer Verpackung im Supermarkt, reicht und die riesige CNC-Maschine ist programmiert. Der Fräser fährt dann automatisch an das Holzstück. So entsteht später der Krümmling oder der Handlauf.

Vom Garagenbetrieb zum großen Treppenbauer

Für eine Treppe, die später in einem Einfamilienhaus montiert wird, brauchen die Tischler hier in Reinfeld nur ein bis zwei Tage. Sie liefern die Treppen an Zimmereien, Architekten, Baufirmen oder Privatkunden in ganz Deutschland. Bis zu 40.000 Euro bezahlen Kunden je nach Modell. "Fast 3.000 Treppen bauen wir pro Jahr", erzählt Geschäftsführer Reiner Voß.

1996 waren es noch 200 Stück - wenige Jahre nach Gründung der Firma "Treppenbau Voß". Mit vier Mitarbeitern fing Reiner Voß in einer Garage an. Heute arbeiten für ihn etwa 80 Leute in mehreren Hallen. Neue Werkstoffe, moderne Maschinen, effiziente Arbeitsabläufe: Der Handwerksbetrieb wurde dafür vor einigen Jahren als eines der 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands geehrt. Auch für seine Treppenmodelle erhielt Reiner Voß Auszeichnungen.

Vom Holzbrett zur fertigen Treppe

Umweltbewusst und nachhaltig

Viele Firmen würden Treppen immer noch lackieren, erzählt Reiner Voß. Öle aber enthielten keine ungesunden Lösungsmittel. Und sind somit vor allem auch für Kinder unbedenklich, so der Chef. Und die Holztreppen würden bereits nach zwölf Stunden begehbar sein. Auch die Energieversorgung spielt in seinem Betrieb eine bedeutende Rolle. In der heutigen Zeit sei es wichtig, Ressourcen zu schonen, sagt Voß. Strom und Wärme produziert das Unternehmen selbst. Das, was sie an Strom verbrauchen, kommt von den Solaranlagen auf den Dächern. Und die abgesaugten Holzspäne bleiben nicht im Silo. Sie werden verbrannt. Eine Heizanlage verwandelt die Energie dann in Wärme. Mit der produzierten Energie könne sich das Unternehmen komplett selbst versorgen und andere noch mit.

Benjamin Frank hat die Eichenbretter inzwischen zu verschiedenen Treppenelementen verarbeitet. Sobald die Treppe fertig ist, liefern seine Kollegen sie nach Kiel. Dort bekommt sie ein Privatkunde in sein Haus montiert.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.01.2018 | 19:30 Uhr

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