Stand: 28.09.2018 05:00 Uhr

Arbeit mit Zukunft: "Häuser braucht man immer"

Fünf Autoren begleiten fünf Auszubildende in fünf Branchen - über Wochen, Monate und Jahre: In einer langfristig angelegten Serie berichtet NDR Schleswig-Holstein über junge Menschen, die ins Berufsleben starten. Wie läuft der Übergang von der Schule in den Berufsalltag? Wessen Träume erfüllen sich? Liegt jemand bei der Berufswahl völlig falsch? Zum Auftakt der Serie stellen wir die Protagonisten vor. Alle stehen ganz am Anfang ihrer Ausbildung.

von Lisa Pandelaki

Ein kleiner Klecks Mörtel landet auf der schmalen Seite des Steins, ein großer Klecks auf dem darunterliegenden Mauerstück. Noch etwas zaghaft setzt Kevin Meier einen Stein auf den nächsten. Immer wieder misst er mit der Wasserwaage nach und klopft den Stein mit dem Stiel seiner Berliner Kelle - eine spezielle Maurerkelle - in die richtige Position. Der 16-Jährige hat Anfang September mit seiner Ausbildung zum Maurer bei Bau G. Friedrichsen in Kiel begonnen. Die ersten zwei Wochen war er auf einer Baustelle für eine Wohnanlage eingesetzt. Jetzt lernt er im Ausbildungszentrum in Kiel-Wellsee die handwerklichen Fähigkeiten, die er auf dem Bau braucht.

Maurer-Ausbildung: Hier ist Geschick gefragt

Der Traum vom eigenen Haus

In der großen Halle stehen neben Kevin 20 andere Auszubildende im ersten Jahr. Alle tragen robuste Arbeitshosen und Schuhe mit Stahlkappen. Vor ihrem Arbeitsplatz liegt ein Stein mit ihrem Namen - alles bedeckt von einem grauen Schleier aus Steinstaub. Geredet wird nicht. Das Schaben von Steinen aufeinander, leises Klopfen und die Schritte der Auszubildenden bilden eine dezente Geräuschkulisse. Jeder baut für sich mit vier Steinen im Quadrat kleine Schornsteine. Nicht alle wollen Maurer werden: Hier lernen Fliesenleger, Straßenbauer, Zimmerer, Betonbauer und Maurer zusammen die Grundlagen des Baus. "Mein Schwager hat mir die Ausbildung vorgeschlagen", erzählt Kevin. "Er sagte mir: 'Dann kann man durch die Straßen laufen und sagen: Das Haus habe ich gebaut und das da auch'" Kevins Traum: Irgendwann mal sein eigenes Haus bauen. Wie das konkret aussehen soll, weiß er aber noch nicht.

Geschicklichkeit ist gefragt

Kevins Schornstein wächst nur langsam. Immer wieder muss er Mörtel wegnehmen oder ergänzen. Manchmal muss er den Stein, den er gerade gelegt hat, auch ganz wegnehmen und neu anfangen. Auf Präzision kommt es an. "Ich bin nicht der Geschickteste", entschuldigt er sich, "aber das werde ich noch lernen", fügt er gleich hinzu. Auch sein Ausbildungsgehalt wird in den insgesamt drei Lehrjahren steigen - momentan sind es 700 Euro brutto im Monat. Neben Geschicklichkeit ist für den Beruf vor allem Kopfrechnen gefragt und natürlich körperliche Ausdauer. Den ersten Muskelkater hat Kevin schon hinter sich. Mit Fußball versucht er sich in seiner Freizeit fit zu halten, um den körperlich anstrengenden Job zu meistern.

Lob von Freunden und Familie

Von Familie und Freunden bekommt der gebürtige Kieler viel Zustimmung zu seiner Ausbildungswahl. "Die finden es toll, dass ich das mache, weil das heutzutage ja nicht mehr viele machen wollen." Viele seiner Mitschüler würden nach der Mittleren Reife weiter zur Schule gehen und eher auf Schreibtischjobs setzen. "Aber Häuser braucht man immer", begründet Kevin seine Wahl. Er findet seinen zukünftigen Beruf wichtig, gerade weil so wenige ihn ausüben wollen. Zukunftsangst müsse er in dieser Branche deshalb auch nicht haben. Seine Chancen, vom Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden, stehen nicht schlecht. Früher wollte er Polizist werden, doch das war wegen seiner Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht möglich. Ein Praktikum auf der Baustelle Anfang des Jahres verfestigte dann den zweiten Berufswunsch: Maurer.

Schornstein "wird schon noch"

Mit kritischem Blick läuft Ausbilder Christoph Sprung immer wieder die Reihen der Auszubildenden ab. "Mauern zu bauen ist gar nicht so einfach, wie man immer denkt", sagt er mit einem Blick auf Kevins Bauwerk. "Er muss noch etwas mehr Mörtel nehmen." Der Azubi, obwohl nicht direkt angesprochen, nimmt sich die Worte gleich zu Herzen und versucht, mehr Mörtel zu nehmen. Sein Nachbar ist mit seinem Schornstein inzwischen fertig. Doch Kevin lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er ist sich sicher: "Das wird schon noch." Kelle für Kelle, Stein für Stein und immer alles mit der Wasserwaage überprüfen. So kommt er dem Traum vom eigenen Haus Stück für Stück näher.

Serie "Meine Ausbildung in SH"

Azubi-Serie: Die ersten Tiefs sind überstanden

Das erste halbe Jahr seiner Ausbildung zum Maurer hat Kevin Meier geschafft. Er ist immer noch zufrieden mit seiner Berufswahl, hat viel gelernt und ist an seinen Aufgaben gewachsen. mehr

Die Protagonisten

In einer langfristig angelegten Serie begleiten wir fünf Auszubildende, die völlig unterschiedliche Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft haben. Hier ziehen sie eine erste Bilanz. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 2 | 28.09.2018 | 10:40 Uhr

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