Stand: 09.11.2017 09:12 Uhr

Mit scharfem Stahl gegen die Traubenkirsche

von Frank Goldenstein

Sie sind im Einsatz für die Natur. 25 Freiwillige wühlen sich durch das Dickicht auf Amrum. Nur langsam kommen sie in den dicht gewachsenen Strauchschichten voran. Der Wald im Südosten der Insel aber braucht ihre Hilfe. Die spätblühende Traubenkirsche und Brombeeren haben sich überall breitgemacht, nehmen den anderen Bäumen am Boden das Licht. Dafür opfern die Naturfreunde ihre Freizeit, denn sie wissen: Ohne ihre freiwillige Arbeit könnten die jungen Bäume nur schlecht wachsen.

Einige Büsche.

Bergwald-Projekt: Hilfe für Amrumer Förster

Schleswig-Holstein Magazin -

200 Hektar Wald gibt es auf Amrum. Das Problem: Der Nadelwald hält den Stürmen nur bedingt stand. Deshalb soll er umgestaltet werden - mit Hilfe von freiwilligen Helfern.

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Ein sturmgebeutelter Wald

Amrum ist die waldreichste Insel der Nordsee. 200 Hektar gibt es insgesamt. Mit einem Haken: Nach dem zweiten Weltkrieg wurden hier vor allem Nadelbäume gepflanzt. Und die sind anfällig bei Sturm. Vor vier Jahren wehte das Sturmtief Christian 20 Prozent des gesamten Bestandes auf der Insel um. Auch das Waldstück, das die Helfer diese Woche durchforsten, war von dem Sturm betroffen. Nachdem das Holz der umgestürzten Schwarzkiefern abtransportiert war, wurden hier neue Bäume angepflanzt. Hauptsächlich Laubbäume. Die verlieren im Herbst ihre Blätter, wurzeln tiefer und sind darum insgesamt windresistenter.

Artenreicher Mischwald braucht Platz

Die jungen Eichen, Rotbuchen, Ahorne und Winterlinden werden aber bedroht. Brombeere und Traubenkirsche haben sich massiv ausgebreitet. Sie nehmen dem neuen Wald Platz und Licht. "In diesem Waldstück wurde seit fünf oder sechs Jahren nichts gemacht. Wir waren bislang damit beschäftigt, andere Flächen komplett neu aufzuforsten. Dieses Jahr können wir uns das erste Mal um Pflegemaßnahmen wie diese kümmern", sagt der zuständige Bezirksförster Walter Rathkens. Er ist für die Wälder auf Amrum Föhr und Sylt zuständig und damit der nördlichste Förster Deutschlands.

Freiwillige kämpfen gegen Gestrüpp

Für die Pflege der Wälder ist er auf die ehrenamtlichen Helfer angewiesen. Seit 2001 kommen sie im Frühjahr und Herbst für zwei Wochen auf die Insel. Organisiert wird das Ganze vom Verein "Bergwaldprojekt". Der kümmert sich in ganz Deutschland um den Erhalt von Wäldern, Wildbächen und Hochmooren. Freiwillige können sich für einen Wocheneinsatz an 45 verschiedenen Orten melden. Der nördlichste ist Amrum und der ist beliebt. Das kommende Frühjahrsprojekt war innerhalb von 24 Stunden ausgebucht. In dieser Woche koordiniert Projektleiter Hendrik von Riewel eine bunt gemischte Gruppe.

Eine bunte Truppe

Pensionierte Polizisten, Köche oder Erzieherinnen, Studenten und eine Journalistin sind dabei. Einige arbeiten zum ersten Mal mit, andere sind bereits zum vierten oder fünften Mal auf Amrum. Sie alle verbindet die Liebe zur Natur. Sie wollen etwas für die Nachhaltigkeit des Waldes tun. Förster von Riewel leitet zehn Wochen im Jahr solche Projekte. "Was einem Kraft gibt ist, dass alles in der großen Gruppe so gut funktioniert. Das sind ja alles Freiwillige. Für mich ist es immer sehr motivierend, wenn ich sehe, was wir zusammen für einen Arbeitsfortschritt schaffen." Auf Amrum heute, in dem sie die Traubenkirsche zurückschneiden. Den ganzen Tag wird südlich des Ortes Steenodde gesägt, geschnitten und geschlagen. Meter für Meter werden die Jungbäume von ihrer Konkurrenz befreit. Um die Traubenkirsche bodennah absägen zu können, muss an vielen Stellen zunächst die wuchernde Brombeere zurückgeschnitten werden.

Aufräumen auf Amrum für einen gesunden Mischwald

Die Traubenkirsche ein ungebetener Gast

Die spätblühende Traubenkirsche breitet sich schnell aus. Die Pflanze kommt eigentlich aus Nordamerika, dort wachsen sie als richtige Bäume, aus denen Möbelholz gesägt wird. Hier auf Amrum bleibt die Traubenkirsche eher strauchartig, vermehrt sich dafür umso schneller. Auch die angrenzenden Heideflächen sind vielerorts bereits betroffen. "Sie wächst sehr üppig, konkurriert mit den anderen Pflanzen ums Licht. Dort wo wir sie absägen, kommt es zu einem sogenannten Stockausschlag. Die Traubenkirsche treibt in mehreren Ästen neu aus. Bis die aber nachgewachsen sind, haben die jungen Laubbäume eine Höhe erreicht, in der sie keine Konkurrenz mehr sind", hofft Projektleiter von Riewel. Er ist zum dritten Mal auf Amrum dabei.

Mit vollem Einsatz im Urlaub

Unterkunft, Werkzeuge und Verpflegung stellt der Verein. Sogar ein eigener Koch ist mit angereist. Am Mittag wird am Waldrand gemeinsam gegessen. Es gibt Tomatensuppe mit Nudeln. Die Freiwilligen haben Zeit sich auszusruhen und sich kennenzulernen. Das gehört schließlich bei aller Arbeit auch dazu. Als Nachtisch steht ausreichend Kuchen bereit. Den gibt es kostenlos von der Inselbäckerei, als kleine Motivation. Die Insulaner wissen zu schätzen, was die Freiwilligen tun. Zehn Hektar ist das Waldstück groß. Bis Freitag wollen die Freiwilligen hier so viele Traubenkirschen wie möglich beschneiden und den jungen Laubbäumen so mehr Platz zum Wachsen geben. Für den Abtransport bleibt keine Zeit, das Gestrüpp müssen sie liegenlassen.

Auch die nächste Gruppe hat genug zu tun

In der kommenden Woche holt der Verein "Bergwaldprojekt" dann die nächsten 25 Helfer nach Amrum. Für sie steht in einem anderen Waldstück die gleiche Arbeit an. Der Großteil der aktuellen Gruppe reist am Sonnabend wieder ab. Einige Teilnehmer hängen noch ein paar Tage Urlaub hintendran. So wie Elke Kasielke aus Bad Nenndorf: "Diese Insel kannte ich noch nicht, hier wollte ich immer mal hin. Und das ist auch lohnenswert, hier zu sein. Nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Vergnügen im Anschluss dann." Nach fünf anstrengenden Tagen im Dickicht ist das gut nachvollziehbar.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.11.2017 | 19:30 Uhr

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