Stand: 05.02.2019 08:04 Uhr

Mit High-Tech zum Führerschein geschummelt

von Julian Marxen

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Anweisungen im Prüfungsraum beim TÜV Nord in Kiel: Besonders die Täuschungsversuche mit Hilfe von Handys haben zugenommen.

Verkabelt mit Knopflochkamera, Sender unter dem Pullover und einem winzigen Kopfhörer im Ohr: Was sich nach einer Spionageausrüstung à la James Bond anhört, ist häufig auch bei Fahrschülern zu finden, die in der theoretischen Prüfung sitzen. "Die Täuschungsmethoden werden immer ausgefeilter", berichtet Peter Schmidtke, zuständig für Führerscheinprüfungen beim TÜV Nord. So haben Schmidtke und seine Kollegen oft auch mit sogenannten Stellvertretern zu tun. "Dabei kommt nicht der Fahrschüler zum Test, sondern jemand, der die Theorie gut beherrscht, so ähnlich aussieht und den Ausweis des Anwärters vorlegt", erklärt Schmidtke. Diejenigen, die solche Dienste anböten, würden dafür gut und gerne mehrere Tausend Euro kassieren.

Die meisten Täuschungsversuche im Kreis Pinneberg

Eine Umfrage von NDR Schleswig-Holstein unter Kreisverwaltungen und Prüfern im Land zeigt: Im vergangenen Jahr wurden rund 250 Täuschungsversuche aufgedeckt. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. Während die Kreise Nordfriesland, Ostholstein, Plön und Steinburg zusammen gut zwei Dutzend Fälle pro Jahr zählten, verging in Kiel laut TÜV kaum eine Woche ohne Schummelei. Spitzenreiter in Schleswig-Holstein war der einwohnerstärkste Kreis Pinneberg. Hier komme es jede Woche zu durchschnittlich drei versuchten Täuschungen, die entdeckt wurden, berichtete ein Sprecher.

Fahrlehrer: Unwissenheit kann zu tödlichen Unfällen führen

"Dass immer mehr getrickst wird, ist eine absolute Katastrophe", ärgert sich der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Schleswig-Holstein, Frank Walkenhorst. Es könne nicht angehen, dass Leute im Straßenverkehr unterwegs seien, die davon keine Ahnung hätten, so der Fahrlehrer. Er fordert deshalb: Täuschen bei der Führerscheinprüfung müsse endlich als Betrug geahndet werden. Es sei nämlich nicht mit dem Spicken bei einem Vokalbeltest in der Schule vergleichbar, meint Walkenhorst. Die Führerschein-Mogelei könne im schlimmsten Fall zu tödlichen Unfällen führen - aufgrund von Unwissenheit.

Justizministerium: Juristisch kein Handlungsbedarf

Schummelnde Fahrschüler können maximal sechs Monate bis zur nächsten Prüfung gesperrt werden. Strafbar im juristischen Sinn ist das Tricksen aber in der Regel nicht. Und das sollte sich nach Ansicht des Bundesjustizministeriums auch nicht ändern. Stattdessen, so ein Sprecher, sollte man eher über strengere Kontrollen und Sperren nachdenken. Dem Kieler Verkehrsministerium reicht das nicht. Minister Bernd Buchholz (FDP) bedauert nach eigenen Worten, "dass sich das Bundesjustizministerium in diesem Punkt nicht bewegt", obwohl das Schummeln in der Führerscheinprüfung ein großes Risiko für den Straßenverkehr darstelle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.02.2019 | 09:00 Uhr

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