Stand: 05.07.2019 13:00 Uhr

Marschbahn: Neue Probleme, aber kein Komplettausfall

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Offenbar gibt es generelle Probleme mit Lokomotiven der Bombardier-Baureihe 245.

Auf der Marschbahn-Strecke zwischen Hamburg und Sylt gibt es neue Probleme mit den dort eingesetzten Lokomotiven der Baureihe 245. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein wurde sogar erwogen, diese Loks deutschlandweit aus dem Verkehr zu ziehen. Das werde aber nicht passieren, teilten die Deutsche Bahn und das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium noch am Donnerstagabend mit. Tatsächlich fuhren die Loks am Freitagmorgen. Dennoch kam es zu Verspätungen oder Ausfällen von Zügen. Wegen eines Lastwagenunfalls bei Langenhorn am Montag steht auf dem rund 20 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Bredstedt und Niebüll nur ein Gleis zur Verfügung. Seit Freitag gilt ein Ersatzfahrplan. Die Strecke ist im südlichen Teil wichtig für Pendler nach Hamburg und verbindet auf dem nördlichen Abschnitt das Festland mit Sylt.

Bahn: "Sicherer Betrieb nicht gefährdet"

Nach Angaben der Bahn gibt es ein Problem mit Isolierungen in der Lok. "Bei Routinewartungen an der Bombardier-Baureihe 245 haben sich für die DB Fragen zum Verschleiß verbauter Isolierungen im Maschinenraum der Lok ergeben", sagte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. "Die DB hat vorsorglich geprüft, ob hieraus Konsequenzen für die Wartungsvorgaben zu ziehen sind. Dies ist aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht der Fall. Der sichere Betrieb der Dieselloks war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet."

Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein geht es um die Frage, ob die Isolierungen im Maschinenraum bei Wärme gesundheitsgefährdende Stoffe freisetzen. Hersteller Bombardier musste nachweisen, dass keine gefährlichen Stoffe verbaut sind. Entsprechende schriftliche Nachweise bekam das Unternehmen nach Angaben einer Sprecherin erst am Donnerstagabend von seinen Zulieferern. Die Bahn hätte ansonsten deutschlandweit alle Loks des Typs 245 erst einmal stillgelegt. Bahnsprecher Meyer-Lovis sagte, die Loks müssten nur im Rahmen ihrer regulären Wartungsintervalle in die Werkstatt. Es gebe aber keine Sonderwartung. Spekulationen um krebserregendes Asbest in den Isolierungen weist er zurück: "Die Isolierungen bestehen ausschließlich aus zugelassenen Materialien."

Gewerkschaft und Politik kritisieren Kommunikation

Ein Sprecher der Lokführer-Gewerlkschaft GDL sagte, er sei sehr erleichtert, dass es offenbar keine Gesundheitsgefährdung für die Lokführer gebe. Staatssekretär Thilo Rohlfs äußerte sich ähnlich. "Ich bin erleichtert, dass die Lokomotiven nicht stillgelegt werden", erklärte Rohlfs auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. "Die Hochsaison hat begonnen, sowohl Touristen als auch Pendler sind auf die Aufrechterhaltung des Verkehrsangebotes auf der Marschbahn zwingend angewiesen. Immerhin wäre mit Sylt die größte deutsche Nordseeinsel betroffen."

Der Staatssekretär und der GDL-Sprecher kritisierten aber die Informationspolitik der Deutschen Bahn. "Dieser Vorfall macht aber deutlich, wie wichtig es ist für die Zukunft bereits einen Notfallplan in der Tasche zu haben. Daran sollte umgehend gearbeitet werden", so Rohlfs. "Darüber hinaus kann man nicht oft genug betonen, dass eine offensive, transparente und umfassende Kommunikation der Deutschen Bahn für Kunden und Kundinnen unabdingbar ist." Die GDL wolle sich Anfang der kommenden Woche mit Vertretern der DB Regio in Kiel treffen, um Kommunikations-Probleme wie diesmal künftig zu vermeiden.

Notfahrplan nach Lastwagen-Unfall

Die Fahrzeiten der Nahverkehrszüge von Westerland in Richtung Hamburg verlängern sich aufgrund der beschädigten Eisenbahnbrücke in Nordfriesland laut Bahn bis Husum um etwa 30 Minuten. "In Husum bleiben die Züge bis zur Abfahrtzeit des jeweiligen Folgezuges stehen, um dann im regulären Fahrplan bis Hamburg-Altona weiterzufahren", teilte die Bahn am Donnerstagabend mit. Wer die komplette Strecke fährt, muss deshalb eine Stunde mehr einplanen. "Durch diese Maßnahme ist es möglich, den Reisenden einen verlässlichen Fahrplan anzubieten. In der Startphase kann es jedoch noch zu Einschränkungen kommen", so die Bahn.

In der Gegenrichtung zwischen Hamburg und Sylt sollen die Züge überwiegend wie im normalen Fahrplan verkehren. Im Fernverkehr fahren ausschließlich der IC 2311 um 9.26 Uhr ab Westerland und der IC 2310 um 13.17 Uhr ab Hamburg. Andere InterCity-Züge fahren nicht bis Westerland. Sie sollen in Hamburg oder Husum beginnen beziehungsweise enden. Laut Bahn dauert die Reparatur der Brücke nach jetzigem Stand mindestens vier Wochen.

Loks gerade generalüberholt

Die 15 Lokomotiven der Baureihe 245 hatten schon in den vergangenen Jahren für Probleme auf der Marschbahn-Strecke gesorgt: Mal machte der Transformator Ärger, mal die Software und mal die Kühlung. Das führte zu vielen Verspätungen und Ausfällen auf der 240 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland auf Sylt. Seit Oktober 2017 mussten die Loks zur Generalüberholung nach und nach in die Werkstatt. Bei der sogenannten Rollkur wurden unter anderem die vier Motoren der Loks durch überarbeitete Aggregate aus einer anderen Lok ersetzt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.07.2019 | 12:00 Uhr

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