Stand: 02.01.2019 05:00 Uhr

Kontrollen bei Pflegeheimen haben weiter Lücken

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Der Kieler Sozialdezernent Stöcken hat die Kontrollen in seinem Bereich deutlich gesteigert.

Wenn etwas schief läuft in der Pflege, dann sind es neben den Krankenkassen die Heimaufsichten, die ein Auge darauf haben sollen. Einmal im Jahr sollen sie kontrollieren, ob genügend Personal in den Einrichtungen ist und ob die Abläufe sauber dokumentiert sind. Und ob Fehler gemacht wurden. Gerwin Stöcken, Sozialdezernent der Stadt Kiel sagt, pflegebedürftige Menschen sollten die Chance haben, selbstbestimmt zu wohnen. "Und deswegen ist es wichtig, dass der Staat hinguckt, ob das auch wirklich so funktioniert."

Dass es allerdings schwer ist, die Regelkontrollen einmal pro Jahr zu gewährleisten, davon kann Stöcken ein Lied singen: Im Jahr 2017 war Kiel nach Recherchen von Panorama 3 Schlusslicht bei der Prüfquote in Schleswig-Holstein. Nur die Hälfte der Pflegeheime wurde kontrolliert. Ein Jahr später sieht die Lage besser aus: Kiel hat alle Regelprüfungen geschafft. Mit mehr Personal und schlankeren Abläufen.

Beschwerden sorgen für Aufwand

Dennoch: Wenn es Probleme mit Einrichtungen gibt, dann kostet das Zeit, weiß Gerwin Stöcken. "Wenn es eine Einrichtung ohnehin schon schwer hat, mit ihrem Fachkräftepotential klarzukommen und noch nachkontrolliert werden muss - und ich dann sehe, dass dort Menschen in Gefahr sind, dann muss ich mit den Einrichtungen stärker arbeiten", sagt er. Sprich: Je schlechter ein Pflegeheim aufgestellt ist, desto stärker beschäftigt es die Heimaufsichten der Kreise und Städte.

Das zeigen auch die Zahlen im Kreis Segeberg: Dort kontrollierte die Heimaufsicht im abgelaufenen Jahr nur 40 von 78 Pflegeheimen. Dem gegenüber stehen mehr als 170 anlassbezogene, also außerplanmäßige Prüfungen und Nachkontrollen.

In den hellblau markierten Kreisen und kreisfreien Städten wurden alle Heime kontrolliert. Die dunkelblau gekennzeichneten Flächen zeigen Kreise und kreisfreie Städte, in denen nicht alle Heime kontrolliert wurden.

Landesweit sind es acht Kreise, die es 2018 nicht geschafft haben, alle Pflegeheime zu kontrollieren. Nordfriesland und Stormarn sind nah dran an den 100 Prozent, der Rest liegt zwischen 70 und 80 Prozent.

Grund zur Beanstandung haben die Kontrolleure vor allem wegen des Fachkräftemangels: Der sorgt dafür, dass Heime ihre Fachkraftquote nicht erfüllen können. Mehrere Kreise berichten, dass Plätze in Heimen deshalb nicht besetzt werden können und Einrichtungen freiwillige Aufnahmestopps verhängen.

Sozialverband fordert mehr Kontrollen

Der Sozialverband kritisiert, dass acht Kreise im Land die Prüfquote nicht einhalten. Vorstandsmitglied Alfred Bornhalm befürchtet, "dass Heimbetreiber sich mehr oder weniger nicht angesprochen fühlen, alle Dinge, die erforderlich sind, auch einzuhalten." Eigentlich müsste es aus seiner Sicht noch mehr Kontrollen geben, mindestens doppelt so viele. Was bedeuten würde, dass mehr Geld ins System muss. Bornhalm verweist auf den Bericht des UN-Sozialrats, in dem die Bundesregierung erneut ermahnt wird, Pflegeheime "häufiger sowie gründlich zu kontrollieren."

Der Kieler Sozialdezernent Gerwin Stöcken regt an, die Pflegeheimbetreiber auch finanziell stärker in die Pflicht zu nehmen: "Eigentlich müsste jede Einrichtung die Kontrollen selbst bezahlen, damit sie wissen, dass es Geld kostet, wenn sie Fehler machen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.01.2019 | 08:00 Uhr

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