Ein menschlicher Totenschädel.

Kieler Wissenschaftler erforschen Geschichte der Pandemien

Stand: 03.10.2020 18:00 Uhr

Schon vor Jahrtausenden gab es hoch ansteckende Seuchen und Pandemien. Kieler Wissenschaftler haben die Geschichte erforscht und eine Studie veröffentlicht.

Der Titel der Studie: "Entfernte Zeiten so nah: Pandemien und Krisen." Dafür haben sich Archäologen, Virologen, Philosophen und Molekularbiologen gemeinsam auf Spurensuche begeben. Für die Studie wurde aus 85 Skeletten von Leprakranken aus dem 12. und 13. Jahrhundert DNA gewonnen. Professor Ben Krause-Kyora vom Institut für Klinische Molekularbiologie erklärt: "Wir können so zum ersten Mal den Erreger, der damals geherrscht hat, verstehen und analysieren. Also auch die Auswirkungen auf das menschliche Genom - also wie sich unser menschlicher Körper, unsere Erbinformationen an diese Pandemien über die Zeit angepasst haben."

Keramiken geben Hinweise auf Pandemien

Die Pandemieforschung ist ein Puzzle. Im Institut für Ur- und Frühgeschichte wurden 7.000 Jahre alte Sedimente analysiert, um zu erfahren, wann Menschen Nahrung anbauten oder ob wieder Wald wuchs. Aufgegebene Ackerflächen könnten ein Zeichen für Pandemien sein. Nach Angaben von Professor Johannes Müller liefern auch Keramiken Hinweise: "Wir stellen über diese Artefakte fest, dass um 3100 v. Chr. in vielen Bereichen Nord- und Mitteleuropas auf einmal so eine Art Shutdown war. Es wurden kaum noch Artefakte produziert. Und wir wissen, dass es zu dieser Zeit auf den Inseln ganz anders war. Deswegen schließen wir daraus, das hier Epidemien eine Rolle gespielt haben."

Mit dem Handel kam die Pest

Die Wurzeln mancher Krankheiten führen zu den ersten sesshaften Bauern im Nahen Osten. Diese holten sich vor 8.000 Jahren Tiere ins Haus. In der DNA von damaligen Rinderzüchtern entdeckten Forscher Tuberkulose-Erreger. Dadurch, dass die Siedlungen wuchsen, erhöhte sich das Ansteckungsrisiko. Mit dem Handel verbreitete sich auch die Pest. Professor Lutz Käppel vom Institut für Klassische Altertumskunde sagt, dass eines schon damals galt: "Jeder einzelne  muss sich bewusst sein, dass er sowohl Täter als auch Opfer in einem solchen Zusammenhang ist und hier an der Verbreitung der Seuche mitwirkt."

Ob im Mittelalter, im antiken Griechenland oder schon in der Steinzeit: Immer wieder waren Menschen Seuchen ausgesetzt. Nun zeigt Corona, dass Pandemien noch längst nicht Geschichte sind.

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 03.10.2020 | 19:30 Uhr

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