Stand: 04.08.2019 08:00 Uhr

Kieler Förde: Unterwegs mit der Wasserschutzpolizei

 von Cassandra Arden

Jeden Tag ist die Förde ihr Revier. Für Revierleiter Ingo Berger und seine Truppe von der Wasserschutzpolizei Kiel ist das Boot der Streifenwagen und das Wasser die Straße. Er und sein Kollege Hamel fahren heute zusammen raus. Sie streifen sich die Rettungswesten über und machen sich von ihrem Büro auf den Weg zu der "Neu Mühlen" - dem heutigen Dienstfahrzeug. Die Fender werden eingeholt, die Landstromverbindung gekappt und dann kann es auch schon losgehen. Es steht im Moment kein spezieller Einsatz an. Berger erklärt: "Unsere Aufgabe ist unter anderem auch, einfach präsent zu sein." Das sei auch das Schöne. Anders als die Kollegen an Land werden die Wasserschutzpolizisten nicht von einer Leitstelle von Einsatz zu Einsatz geschickt. "Wir können uns den Tag schon viel selbst einteilen, das ist schön", findet Berger.

Terrorabwehr gehört auch zum Job

Natürlich haben die Wasserschutzpolizisten auch feste Aufgaben - dazu zählen die Kreuzfahrer. Jedes Kreuzfahrtschiff, das zum ersten Mal einläuft, wird kontrolliert. "Seit 9/11 gilt eigentlich das, was für Flughäfen gilt, auch für Kreuzfahrtterminals. Wir müssen also kontrollieren, ob die Passagiere kontrolliert werden", erklärt Revierleiter Berger. Außerdem werden natürlich die Papiere der Kreuzfahrtschiffe gecheckt. Alle Schiffe die öfter einlaufen, werden nur noch vier Mal im Jahr von den Kollegen kontrolliert. "Wir begleiten jedes Schiff rein und wieder raus aus dem Hafen. Das hat alles mit Terrorabwehr zu tun", fügt Berger hinzu.

Sportboote, Berufsschifffahrt und Kreuzfahrer - auf der Förde trifft sich alles

Inzwischen hat die "Neumühlen" die Zufahrt zum Nord-Ostsee-Kanal erreicht. Bootsführer Hamel zeigt auf eine digitale Karte vor sich und erklärt: "Hier in diesem Stück, also in der Zufahrt zum Kanal, da haben kleinere Schiffe nur was zu suchen, wenn sie in den Sportboothafen am Tiessenkai wollen oder in den Kanal." Aber einige wollen abkürzen und fahren durch die Zufahrt. "So was haben wir auch im Blick, nach einer Weile sieht man, was die vorhaben. Der Segler da vorne, der ändert jetzt seinen Kurs, um eben nicht da rein zu fahren, wo er nichts zu suchen hat." Berger ist seit über 35 Jahren bei der Wasserschutzpolizei. Da ist der Blick natürlich geschult, aber das lernt man schnell. Hamel ist "erst" seit 2014 dabei und hatte schon schnell den Überblick über das wuselige Treiben auf der Förde.

Damit alles funktioniert, muss sich jeder an Regeln halten

Auch im Fahrwasser gibt es ein Rechtsfahrgebot, erklärt Berger. "Aber wir erleben zunehmend, dass das einigen Seglern oder Sportbootfahrern völlig egal ist. Bei der Kieler Woche zum Beispiel, bei der Windjammerparade, da musste die Berufsschifffahrt ausweichen, weil ein Tross von Hobbyseglern zu weit auf der falschen Seite segelte." Berger schüttelt den Kopf und nennt das halb schmunzelt, halb ärgerlich eine "zunehmende Individualisierung der Rechtsauslegung". "Einige pochen einfach auf ein Recht, was sie nicht haben. Das wird mehr." Seit Monaten sind Taucher in der Förde unterwegs, die nach Weltkriegsbomben und Munition in der Förde suchen. Da, wo gerade gesucht und geborgen wird, ist Sperrgebiet. Markiert durch gelbe Tonnen. Im Moment ist das Sperrgebiet in der Nähe des Fähranlegers Falkenstein. Hamel ändert den Kurs und sagt an Berger gewandt: "Guck der Segler da, der segelt direkt rein ins Sperrgebiet."

In Sperrgebieten hat niemand was zu suchen

Die beiden machen das "Blaue Funkellicht" an, so heißt das Blaulicht auf dem Polizeiboot. Geduldig, aber bestimmt erklärt Berger den Seglern, sobald sie in Hörweite sind, dass sie ihren Kurs ändern, aus dem Sperrgebiet herausfahren und dann zu ihm herüberfahren sollen. Ein Verwarngeld von 35 Euro schafft die Sache aus der Welt. Aber Berger ärgert sich über solche Unachtsamkeiten. "Meistens sind die Leute einfach schlecht vorbereitet oder aber auch blind. Hier stehen sechs gelbe Tonnen, jeder der auf dem Wasser unterwegs ist, müsste wissen, dass das bedeutet: Sperrgebiet."

50 Prozent Büro und 50 Prozent auf dem Wasser

Rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringen die Polizisten auf dem Wasser. Berger lehnt sich zurück auf seinem Stuhl, blinzelt in die Sonne und meint: "Ich beneide die Kollegen an Land nicht. Ich finde das toll auf dem Wasser." Er legt die Stirn in Falten und fügt hinzu: "Wobei, es gibt natürlich auch schlechte Tage. Wenn wir im Winter raus müssen zu einem Seenotfall oder auf der Suche sind nach flüchtigen Trunkenheitsfahrern. Aber das Leben ist schön bei der WSP."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.08.2019 | 08:00 Uhr

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