Holtenauer Hochbrücke: Noch keine Freigabe für den Autoverkehr

Stand: 02.12.2022 15:42 Uhr

Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) war am Freitag bei der Holtenauer Hochbrücke in Kiel. Er schaute sich die Schäden im Hohlkasten der älteren Brücke an.

Wie stabil ist die Brücke nach dem Zusammenprall mit dem Frachter noch? Was bedeutet die Kollision für die Statik? Dies werde nun genau berechnet, sagte Madsen. "Wir hoffen, diese Werte Mitte nächster Woche zu haben." Vorher könne auch kein grünes Licht für Autofahrer gegeben werden. "Es sind Schweißnähte gerissen. Das alles ist kein gutes Zeichen." Madsen beschrieb im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein, wie er am Donnerstag an der Brücke stand, als ein Schiff passierte. "Da hat die ganze Brücke vibriert. Ich möchte nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn hier oben ganze Lkw lang fahren."

Stimmte die Höhenangabe in den Ladungspapieren nicht?

Wie es überhaupt zu der Kollision des Frachters mit den beiden Brücken kommen konnte, ist weiterhin nicht bekannt. Nach Angaben der Polizei Kiel gibt es bereits erste Erkenntnisse. Die seien aber noch nicht spruchreif. Ein Sprecher bestätigte, dass neben den Mitarbeitern an der Schleuse Holtenau und der Besatzung des Frachters auch der Hersteller des Krans zur Unfallursache befragt wird. Möglicherweise stimmten Höhenangaben in den Ladungspapieren nicht - das soll aber in Ruhe geklärt werden, so der Polizeisprecher.

Madsen: Enormer wirtschaftlicher Schaden

Einen Tag nach der Kollision wurde spekuliert, dass die Schadenshöhe an der Brücke im sechsstelligen Bereich liegen könnte. Verkehrsminister Madsen hält diese Angaben für deutlich zu niedrig. "Es gilt jetzt festzustellen: Wie viele Querträger sind beschädigt? Man kann ja erkennen, dass der Boden der Brücke hochgedrückt wurde." Nicht nur die Brücke habe einen Schaden, auch der Kran sei kaputt. Dazu komme der wirtschaftliche Schaden, weil zum Beispiel Lkw nicht mehr über die Brücke kommen. "Ich glaube, dies am Ende mal auszurechnen - volkswirtschaftlich - wird eine enorme Summe."

Begleitet wurde Madsen am Vormittag unter anderem vom Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, Torsten Conradt. Der Verkehrsminister hofft, dass die Brücken trotz allem möglichst schnell wieder passierbar sind. Denkbar wäre demnach, dass Autos zunächst in Schrittgeschwindigkeit über die neuere Brücke fahren, weil die offenbar nicht so stark beschädigt wurde wie die ältere. Später könnte das Bauwerk dann auch für schwerere Fahrzeuge freigegeben werden. Konkrete Pläne gibt es dafür aber noch nicht.

Älteres Bauwerk der Holtenauer Hochbrücke braucht offenbar Generalüberholung

Fest steht hingegen offenbar, dass die ältere Brücke eine Generalüberholung braucht. Die könnte laut Minister Madsen bis zum Sommer 2023 dauern. Die Stadt Kiel hat inzwischen den ÖPNV in der Region um eine Fördefähre ergänzt. Sie fährt im 30-Minuten-Takt zwischen Kiel-Holtenau und dem Anleger Reventloubrücke. In Planung ist laut Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) auch eine zusätzliche Buslinie, die in Höhe Levensau über den Nord-Ostsee-Kanal fährt.

Am frühen Mittwochmorgen war ein Schiff mit einem Kran an Bord mit den beiden Teilen der Holtenauer Hochbrücke kollidiert. Prüfer des Landesbetriebs für Verkehr stellten an den Querträgern der Brücken Verformungen und viele Risse an Schweißnähten fest. Die 518 Meter langen und 42 Meter hohen Brücken wurden für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Fußgänger und Fahrradfahrer dürfen sie seit Donnerstagmittag wieder überqueren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.12.2022 | 12:00 Uhr

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