Stand: 13.11.2018 06:00 Uhr

"Gorch Fock"-Sanierung verzögert sich weiter

von Christoph Prössl und Christian Wolf

Für die Marine ist der 17. Dezember dieses Jahres ein wichtiges Datum. An diesem Tag im Jahr 1958 wurde die "Gorch Fock" in Dienst gestellt. Die Hoffnungen, dass das Segelschulschiff zum 60-jährigen Dienst-Jubiläum wieder auf See ist, erfüllt sich nicht.

Seit Jahren liegt die "Gorch Fock" in der Werft - und das bleibt auch noch so. Nach Recherchen von NDR Schleswig-Holstein und dem ARD-Hauptstadtstudio verzögert sich die Instandsetzung erneut. Das Schiff kann frühestens im April 2020 an die Marine übergeben werden. Das bestätigten inzwischen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Eigentlich sollten bereits im kommenden Jahr angehende Offiziersanwärter wieder auf der "Gorch Fock" ausgebildet werden. Im vergangenen Monat hatte es für die Stammbesatzung deswegen auf dem Segelschulschiff "Deutschland" mehrere Tage eine Decksausbildung gegeben, um sich für die "Gorch Fock" wieder fit zu machen. Nun bildet die Marine die Kadetten - wie dieses Jahr - vermutlich wieder auf der rumänischen "Mircea" aus.

"Gorch Fock": Traditionsschiff in der Werft

Motor und Masten machen Probleme

Das Problem für die erneute Verzögerung sind nach NDR Informationen die Masten. Weil die alten marode waren, mussten neue Masten gebaut werden. Seit der Anlieferung liegen sie verpackt noch auf dem Gelände der niedersächsischen Elsflether Werft bei Bremerhaven. Verschiedene Termine, die Masten zu setzen, wurden immer wieder verschoben. Warum, dazu machten die Werft und das Bundesverteidigungsministerium keine Angaben. Außerdem gibt es Probleme mit dem Schiffsmotor. Der sollte ursprünglich erst in zwei Jahren generalüberholt werden. Diese Arbeiten wurden nun vorgezogen. Nach dem Ausbau des Motors hatte die Werft auch den Maschinenraum saniert. Dabei wurden wichtige Leitungen und Halterungen für den Motor entfernt. Weil diese - offenbar versehentlich - bislang nicht wieder angebracht worden sind, kann die Maschine bis auf Weiteres nicht eingebaut werden.

Kosten sollen nicht steigen

Obwohl sich die Auslieferung der "Gorch Fock" an die Marine um mehr als ein Jahr verzögert, sollen sich die Kosten von zuletzt 135 Millionen Euro nicht erhöhen. Mit der Elsflether Werft ist ein Festpreis für die Sanierung des Schiffes vereinbart worden. Anfang 2016 sollte der Dreimaster für wenige Monate in die Werft, um für zehn Millionen Euro wieder instandgesetzt zu werden. Experten entdeckten jedoch immer mehr Schäden. Nach einem Baustopp verkündete Verteidigungsministerin von der Leyen (CDU) Anfang 2017, dass das Segelschulschiff für 75 Millionen Euro von Grund auf saniert werden soll. Das aber auch diese Summe nicht reichen würde, war nach mehr als einem Jahr klar. Inzwischen ist die Kostenexplosion auch ein Fall für den Bundesrechnungshof. Im Sommer hatten Mitarbeiter mehrere Tage lang Unterlagen und das Schiff untersucht.


13.11.2018 13:00 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, dass die Stammbesatzung mit dem Segelschulschiff "Deutschland" mehrere Tage unterwegs war, um sich für die "Gorch Fock" wieder fit zu machen. Ein Nutzer hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die "Deutschland" ein stationäres Schulschiff ist. Er hat recht. Die Stammbesatzung hatte dort mehrere Tage eine Decksausbildung gemacht. Wir haben die Passage entsprechend geändert.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.11.2018 | 06:00 Uhr

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