Das Logo der Sparkasse hängt an einer Außenfassade. © picture alliance Foto: Fleig / Eibner-Pressefotos

Fusion der Sparkassen Förde und Mittelholstein geplatzt

Stand: 18.12.2020 15:41 Uhr

Wider Erwarten werden sich die Förde Sparkasse und die Sparkasse Mittelholstein nicht zu einer Aktiengesellschaft zusammenschließen. Die Vorstandsvorsitzenden beider Kassen beklagen Einflussnahme auf die Verhandlungen.

Beide Kreditinstitute haben am Freitag bekanntgegeben, dass die im September gestarteten Gespräche zur Fusion eingestellt wurden. Nach Angaben eines Sprechers der Förde Sparkasse in Kiel werden die Pläne zum Zusammenschluss nicht mehr weiterverfolgt. Eigentlich wollten die Häuser die Fusionspläne konkretisieren. Doch während viele Wirtschaftsvertreter und Politiker den Zusammenschluss als sinnvoll betrachteten, kam nach Angaben eines Sprechers Kritik aus dem eigenen Umfeld: Der Sparkassen- und Giroverband in Berlin und der deutsche Landkreistag kritisierten zum Beispiel, dass aus der Förde Sparkasse eine Aktiengesellschaft werden sollte. Aktuell ist sie eine Anstalt des Öffentlichen Rechts.

Das Sparkassen-Logo im Pflaster vor der Sparkasse Hohenwestedt © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

AUDIO: Sparkassen-Fusionsgespräche geplatzt (1 Min)

Einflussnahme soll Fusionsgespräche behindert haben

Die Vorstandsvorsitzenden beider Sparkassen, Götz Bormann (Förde Sparkasse) und Sören Abendroth (Sparkasse Mittelholstein), sprechen von vehementer Einflussnahme, die die Fusion aus ihrer Sicht unmöglich gemacht habe. "In der emotionalisierten Atmosphäre standen dementsprechend inhaltliche Argumente nicht im Fokus", sagte Bormann. Die Institute hatten zum Auftakt der Fusionsgespräche angegeben, sie seien wirtschaftlich kerngesund, wollten sich aber rechtzeitig auf schärfere Wettbewerbsbedingungen einstellen. Bei der Förde Sparkasse arbeiten derzeit rund 1.200 Beschäftige, bei der Sparkasse Mittelholstein 400.

Gemischte Reaktionen aus der Politik

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zeigte sich enttäuscht über die Einstellung der Gespräche. Seiner Ansicht nach ist auch für Sparkassen eine kapitalmarktfähige Größe wichtig. "Das wäre mit der Fusion dieser beiden Sparkassen möglich gewesen", sagte der Minister. "Hier haben sich leider eher Verbandsinteressen und Interessen durchgesetzt, die wenig mit den Marktsituationen zu tun haben." Auch CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Koch bedauert den Schritt und sieht eine vertane Chance. Der Grünen-Finanzpolitiker Lasse Petersdotter hingegen bewertet den Entschluss als richtig. "Ich bin grundsätzlich sehr skeptisch, ob als Aktiengesellschaft organisierte Sparkassen ihrem ursprünglichen Auftrag ausreichend gerecht werden können", sagte Petersdotter, und die für ein solches Projekt nötige breite Unterstützung habe es auch nie gegeben.

Ver.di begrüßt Entscheidung

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband befürwortet die Entscheidung. "Der Verwaltungsrat der Förde Sparkasse hat die sachlichen Möglichkeiten und die zwingenden rechtlichen Vorgaben aus unserer Sicht angemessen bewertet und entschieden, die nicht umsetzbaren Fusionspläne nicht weiter zu verfolgen", erklärte Sprecher Stefan Marotzke. Auch die Gewerkschaft ver.di begrüße den Entschluss, die Gespräche nicht fortzuführen, sagte Sprecher Frank Schischefsky. Die Arbeitnehmervertretung hatte die Fusionspläne der Sparkassen mit Sorge beobachtet und befürchtet, dass Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

Weitere Informationen
Das Sparkassen-Logo im Pflaster vor der Sparkasse Hohenwestedt © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Förde Sparkasse und Sparkasse Mittelholstein kündigen Fusion an

Eine Fusion der Sparkasse Mittelholstein und der Förde Sparkasse rückt näher. Die Aufsichtsgremien der beiden Häuser haben mitgeteilt, dass sie den Gesprächen zugestimmt haben. Ein Jobabbau sei nicht geplant. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.12.2020 | 14:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, setzt sich im Plenarsaal des Landtags einen Mund-Nasen-Schutz auf. © picture alliance/dpa | Axel Heimken Foto: Axel Heimken

So wird die Landesregierung in der Corona-Krise beraten

Zehn Wissenschaftler werden von Ministerpräsident Günther und Co. immer wieder um ihre Meinung gebeten. Ein Überblick. mehr

Videos