Düngeverordnung: Bürokratie bremst Landwirte aus

Stand: 29.03.2021 10:21 Uhr

Seit Dezember gilt die neue Düngeverordnung. Um die umzusetzen, wollen viele Landwirte zusätzliche Gülle-Behälter bauen. Doch ein Beispiel aus Trittau zeigt: Schon die Genehmigung kann dauern. 

von Lisa Synowski

Es hat ordentlich geregnet in den vergangenen Tagen. Deswegen wirft Landwirt Friedrich Klose erst mal einen prüfenden Blick auf den Boden. Er steht mitten in einem seiner Gerstenfelder in Grönwohld (Kreis Stormarn). Nur, wenn der Boden trocken und frostfrei ist, darf er Gülle ausbringen. Heute sind die Bedingungen in Ordnung, entscheidet er - und lässt den bereits am Feldrand geparkten Güllewagen starten. "Wir dürfen da momentan wirklich keine Zeit verlieren, denn das Zeitfenster, in dem wir Gülle ausbringen dürfen, hat sich durch die neuen Bestimmungen deutlich verkleinert", so Friedrich Klose.

Grund ist die neue Landes-Düngeverordnung, die Ende 2020 in Kraft getreten ist und das Grundwasser vor Nitrat-Verunreinigungen durch Überdüngung schützen soll. Friedrich Klose muss einen Großteil seiner Gülle jetzt im Frühjahr auf die Felder bringen, ein Nachdüngen im Herbst ist zum Beispiel nicht mehr erlaubt. Stattdessen muss die Gülle dann bis zum nächsten Frühjahr zwischengelagert werden.

Neuer Gülle-Behälter würde Zeit sparen

Friedrich Klose will sich an die neuen Bestimmungen halten und deswegen einen neuen Gülle-Behälter bauen. Direkt bei seinen Feldern in Grönwohld, um seine Lagerkapazitäten zu erhöhen und Zeit zu sparen. Denn bisher lagert er seine Gülle direkt bei seinem Milchvieh-Betrieb in Trittau, mehr als vier Kilometer entfernt. Bis zu 20 Mal am Tag muss der Güllewagen hier neue Gülle tanken. "Ein zusätzlicher Behälter würde unser Tempo beim Gülle ausbringen deutlich erhöhen, weil wir dann keinen Anfahrtsweg mehr hätten. Und mit Gülle befüllen könnten wir den Behälter hier auf dem Feld ja auch schon im Herbst oder Winter, wenn nicht so viel tun ist", erklärt der Landwirt.  

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Keine Baugenehmigung in Sicht

32 Meter breit und 6 Meter hoch soll der Gülle-Behälter werden. Der Bau wäre innerhalb einer Woche erledigt. Trotzdem hat Friedrich Klose schon 2019 mit den Planungen für den neuen Gülle-Behälter begonnen. Denn um überhaupt einen Antrag beim Bauamt stellen zu können, musste er so einiges an Papierkram zusammensuchen. "Dass ich eine Bodenanalyse und eine Planungsskizze abgeben muss, leuchtet mir ja ein. Aber ich musste zum Beispiel auch alle Baugenehmigungen, die in den letzten 30 Jahren auf den Betrieb gestellt worden sind, raussuchen - mit Aktenzeichen", so Klose.

Etwa 60 Seiten hat er im vergangenen Oktober schließlich beim Bauamt abgegeben, zusammen mit seinem Bauantrag. Wie weit der in der Prüfung inzwischen schon fortgeschritten ist, weiß Friedrich Klose nicht. Nachfragen seien nur schriftlich möglich und bisher ohne Erfolg, so der Landwirt.

Kreisbauamt Stormarn: Bescheid bis Mitte Mai

Auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein erklärte das Kreisbauamt Stormarn, dass sich die Baugenehmigung nicht ungewöhnlich lange hinziehe. Erst hätten nach der ersten Einreichung noch Unterlagen gefehlt, die den Beginn der Bearbeitung verzögert hätten. Außerdem lägen die Felder von Landwirt Klose in einem Landschaftsschutzgebiet, weswegen das Bauamt nach der aktuellen Gesetzgebung auch Wasser- und Naturschutzbehörden mit einbeziehen müsse. Dafür hat es nach Gesetzgebung laut Amt vier Monate Zeit. Daran wolle man sich halten. Bis Mitte Mai soll Landwirt Klose einen Bescheid bekommen, teilte das Bauamt mit.

Die Zeit drängt

Für Friedich Klose drängt die Zeit. Denn es gibt nur wenige Baufirmen, die solche Gülle-Behälter bauen. Und es gibt viele Landwirte, die sie wegen der neuen Düngeverordnung brauchen, da sie mehr Lagerkapazitäten für Gülle schaffen müssen. Friedrich Klose hat sich deswegen schon im vergangenen Jahr auf einen Wartelistenplatz setzen lassen. Im Juni könnte der Bau stattfinden, aber nur, wenn er bis dahin eine Baugenehmigung vorweisen kann. "Es wird ja von uns gefordert, dass wir uns an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Da ärgert es mich dann natürlich schon, dass ich genau das machen will, und dann ewig auf Genehmigungen warten muss", so Klose. Er lässt seinen Blick noch einmal über das Gerstenfeld schweifen. Die Hoffnung, dass hier schon im kommenden Jahr ein neuer Güllebehälter steht, hat er noch nicht aufgegeben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.03.2021 | 19:30 Uhr

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