Stand: 02.03.2019 05:00 Uhr

Brunsmarks Bürgermeister und die Angst vorm Brexit

In knapp vier Wochen, am 29. März, verlässt Großbritannien die EU - so lautet bisher der Plan der britischen Regierung - wenn die Briten nicht erneut über den Brexit abstimmen. Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union hätte auch Auswirkungen auf Briten, die in Schleswig-Holstein leben. Die wären dann Einwohner aus einem Nicht-EU-Land, also einem "Drittland", wie es im Behördendeutsch heißt. Auch ein Schotte in Brunsmark bei Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg) ist dann davon betroffen.

Ab 29. März könnte sich für Iain McNab einiges ändern

Iain Macnab ist in dem rund 160-Einwohner-Ort seit 16 Jahren Gemeindevertreter und seit fast einem Jahr Bürgermeister. Und weil er Brite ist, dürfte er im Falle eines Falles das Amt nicht mehr ausüben. Macnab wurde 1949 in Dundee geboren, wuchs in den schottischen Highlands auf. Seit Mitte der 70er-Jahre lebt Macnab in Deutschland. Er hat nie daran gedacht, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Deshalb würde, falls Großbritannien wirklich Ende März die EU verlässt, sich einiges für ihn ändern. "Ausgewiesen werde ich nicht, aber ich muss auf jeden Fall erst einmal eine Aufenthaltserlaubnis beantragen und - laut jetzigem Stand - bin ich ab 29. März nicht mehr Bürgermeister."

Kreis will Aufenthaltsrecht jetzt sicherstellen

Er hat, wie auch 151 andere Briten im Kreis Herzogtum Lauenburg, ein Schreiben bekommen. Er möge in den kommenden Wochen vorsorglich eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Der Kreis will, dass im Falle eines sogenannten harten Brexits die Briten keinem Behördenmarathon ausgesetzt sind. Tobias Frohnert, der sich in der Kreisverwaltung um Ausländerangelegenheiten kümmert, erzählt, dass einige Briten schon seit Anfang der 1970er-Jahre in der Gegend lebten. Viele hätten noch nie Kontakt mit der Ausländerbehörde gehabt, "weil es einfach nicht nötig war aufgrund des Freizügigkeitsrechts. Und für die wollen wir das jetzt so angenehm und so einfach wie möglich gestalten, um da keine großen behördlichen Geschichten draus zu machen", betont er.

Macnab setzt auf zweites Referendum

Macnab ist jetzt fast 70 Jahre alt, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Familie hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Dass er als einziger in der Familie bald vielleicht kein EU-Bürger mehr sein könnte, hätte er nie für möglich gehalten. Angesichts der aktuellen Entwicklungen hofft er aber, dass für ihn doch alles nicht so kompliziert wird, wie es jetzt aussieht. Ein zweites Referendum, bei dem die Briten erneut über den Verbleib Großbritanniens in der EU entscheiden, hält er für möglich. Macnab wird vorsorglich sein Aufenthaltsrecht beantragen. Letztendlich wünscht er sich, dass Großbritannien in der EU und er Bürgermeister bleibt. In seinem Büro hängt das passende Poster: "Keep calm and carry on" - "Bleib ruhig und mach weiter".

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.03.2019 | 19:30 Uhr

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