Stand: 15.02.2020 10:46 Uhr

Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals vorerst gestoppt

Der umstrittene Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals liegt in wesentlichen Teilen auf Eis. Das teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Eigentlich sollte der Kanal tiefer und breiter werden - so stand es im vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplans 2016. Für den Ausbau waren 840 Millionen Euro reserviert. Doch aus dem großen Projekt wird nun vorerst nichts.

Zu wenig Schiffe, zu wenig Ladung

Zu wenig Schiffe passierten in jüngster Zeit die gut 60 Kilometer lange Wasserstraße, die die Elbe mit der Ostsee verbindet. Auch die transportierte Ladung ist den neuesten Zahlen zufolge so gering wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr waren es 1.086 Schiffe - seit 1965 waren es nur einmal, im Jahr 2016, weniger. Die gesamte Ladung war mit 505.300 Tonnen die geringste seit 1965. Damals wurden an der Schleuse mehr als 20.000 Güterschiffe mit einer Gesamtladung von 2,7 Millionen Tonnen gezählt.

Projekt hatte bei Planung schon Zweifler

Skeptiker sehen sich bestätigt. Der Lauenburger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Konstantin von Notz, zweifelt - wie viele andere - den wirtschaftlichen Nutzen des Kanals schon seit Jahren an. Der Politiker hatte schon im Herbst 2017 gefordert, das Vorhaben auf den Prüfstand zu stellen. Die Prognosen für mehr Güterverkehr nach einem Ausbau seien Luftschlösser, sagte er damals. Der Kanalausbau sei ein reines Prestigeprojekt, das prognostizierte Kosten-Nutzen-Verhältnis rechtfertige den Ausbau nicht.

Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) betonte, dass es andere Verkehrsprojekte gebe, die wirtschaftlich betrachtet Vorrang haben. "Es ist sicher richtig, die wichtigen Maßnahmen zuerst anzugreifen und dafür das Geld bereit zu stellen", sagte der Politiker. Als Beispiel nannte er den Nord-Ostsee-Kanal. Allerdings habe auch der Elbe-Lübeck-Kanal Chancen, Güter und Verkehr von Straße und Schiene abzuziehen.

Kanal soll trotzdem aufrecht erhalten werden

Das Bundesministerium erklärte, dass am Elbe-Lübeck-Kanal dennoch Vorhaben geplant seien. Der Fokus liege auf Aufrechterhaltung und Verbesserung der Nutzung. Dabei handle es sich um den Ersatz der Schleuse Witzeeze, der dortigen Straßenbrücke und weiterer Kanalbrücken. "Diese Investitionsmaßnahmen weisen den größten Nutzen auf und werden unabhängig vom weiteren Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals geplant und umgesetzt", sagte ein Sprecher.

Kosten trotzdem enorm

Der Blick über den Elbe-Lübeck-Kanal mit einem Kirchturm und einer der vielen Brücken von Berkenthin. © NDR
Der Elbe-Lübeck-Kanal soll jetzt doch nicht tiefer und breiter werden. Trotzdem wird er nicht gänzlich aufgegeben.

Die Kosten für die geplanten Vorhaben sind auch ohne die Verbreitung und Vertiefung beträchtlich: Für die Schleuse und die Straßenbrücke Witzeeze gab das Ministerium Investitionsausgaben von etwa 112 Millionen Euro an. Gebaut werden solle von 2027 bis 2035. Für den Streckenabschnitt Elbe bis Schleuse Lauenburg seien rund 15 Millionen Euro veranschlagt. Die Bauzeit: 2027 bis 2030. Etwa 60 Millionen Euro wurden für den Ersatz der Kanalbrücken eingeplant. Bereits fertig sind Brücken in Dalldorf, Krummesse, Horsterdamm und Büssau. Später sollen die Donnerschleuse sowie die Schleusen Behlendorf, Berkenthin, Krummesse und Büssau durch Neubauten ersetzt werden.

Anpassung des Projekts wird überprüft

Hierfür sollen nach Angaben des Bundes 15 weitere Stellen bereitgestellt werden, so dass künftig insgesamt 35 Fachkräfte an den Planungen für den Ausbau des Kanals arbeiten. Laut Verkehrsministerium soll im Rahmen der anstehenden Bedarfsplanüberprüfung zum Bundesverkehrswegeplan überprüft werden, ob das Ausbauprojekt rund um den Elbe-Lübeck-Kanal angepasst werden muss.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.02.2020 | 10:00 Uhr

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