Stand: 14.08.2020 06:45 Uhr

Zweite Messung stützt Hitzerekord in Lingen

Die Sonne geht hinter einer Wetterwarte auf. © dpa/picture-alliance Foto: Christophe Gateau
Die Messstation in Lingen ist wegen ihrer Lage umstritten - und wird bald ersetzt. Aber hat sie wirklich falsch gemessen? (Archivbild)

Wird Lingen den bundesweiten Hitzerekord aus dem Jahr 2019 verlieren? Zuletzt mehrten sich die Signale: Erst im Juni hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) angekündigt, keine Messdaten mehr von der Lingener Station zu veröffentlichen sowie den vielfach kritisierten deutschen Temperatur-Rekord aus dem Vorjahr zu überprüfen. Nun gibt es plötzlich Unterstützung für die wegen ihrer Lage umstrittene Station: Eine zweite Messstelle bestätigt den Rekordwert. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, handelt es sich dabei um die Wetterstation an der Lingener Marienschule. Diese habe am 25. Juli 2019, dem Tag des vermeintlichen Rekordes, zur gleichen Zeit ebenfalls exakt 42,6 Grad gemessen.

VIDEO: Lingen: Neue Belege für Hitze-Rekord in 2019 (2 Min)

Eine Frage des Standortes

Wichtig für die Bestätigung ist der Standort der Station an der Oberschule. Die Messstation des DWD in Lingen wird nämlich wegen ihrer Lage angezweifelt: Dichte Hecken und eine hohe Baumreihe würden dafür sorgen, dass sich die Hitze staue. An der Marienschule soll dies laut Darstellung der Schule nicht der Fall sein - dort steht die Messstation auf dem Dach. Die Hitze staue sich hier nicht, sagte Michael Ahues, IT-Administrator der Schule. "Wir haben eine freie Fläche da oben. Und sonst haben wir nichts auf diesem Zwischendach." Die Station sei fachgerecht angebracht und geeicht - wenn auch nicht so wie beim DWD, so Ahues. Doch auch hier gibt es bereits Widerspruch: Der Standort sei völlig unbrauchbar, weil unmittelbar über einem heißen dunklen Dach gemessen werde statt in zwei Meter Höhe über einer Wiese, teilte Meteorologe Jörg Kachelmann via Twitter mit.

DWD setzt auf eigene Prüfung

Seine Daten hat Ahues direkt nach der aufkommenden Kritik an der Rekordmessung weitergegeben. Doch beim DWD führte dies nicht zum Umdenken. Die Daten der Lingener Schule hätten keinen Einfluss auf die Überprüfung des offiziellen Messwertes, sagte ein Sprecher. Stattdessen setzt der Wetterdienst weiter auf eine eigene Überprüfung der Lingener Messstation. Mit Sensoren werden aktuell Tausende Vergleichsmessungen durchgeführt. Ob Lingen den Hitzerekord behält, wird frühestens Ende des Jahres klar sein.

Wie viele Stationen braucht ein Rekord?

Michael Ahues kann die Haltung des DWD nicht nachvollziehen. Wenn der Rekord aberkannt würde, wäre das für ihn nicht ganz gerecht - schließlich haben zwei Stationen den Wert gemessen. "Wie viele Wetterstationen müssten denn in einer Stadt sein, um diesen Wert zu messen, damit es der höchste wäre?", so Ahues.

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Max und sein Vater Martin spielen zusammen im Schwimmbad, wo im Hintergrund die Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu erkennen ist. © dpa Foto: Martin Remmers

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Hallo Niedersachsen | 13.08.2020 | 19:30 Uhr

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