Eine Reihe von Autos steht an einer Kreuzung und wartet darauf, abbiegen zu können. © NDR Foto: Göran Ladewig

Unternehmer will Verkehrschaos beseitigen, darf es aber nicht

Stand: 16.05.2024 17:20 Uhr

An einer Kreuzung in Bad Iburg stauen sich alltäglich zur Stoßzeit die Autos. Ein Investor wollte die Lage mit zusätzlichen Abbiegespuren entspannen. Doch die Behörde hat das so nicht genehmigt.

von Göran Ladewig

Diese Kreuzung ist ein neuralgischer Punkt in Bad Iburg (Landkreis Osnabrück): Eine Nebenstraße mündet aus Richtung Innenstadt auf die B51. Wer aus der Innenstadt kommend auf die Bundesstraße einbiegen möchte, wartet im Feierabendverkehr oft minutenlang, bis der Weg frei ist. Zu lang ist der Rückstau. Und die Anwohner sind genervt. Ulrike Niemeyer berichtet, dass sich die Autos vor ihrer Tür "bis mitten in den Ort" stauen würden. Zu dieser Zeit komme sie mit ihrem Wagen nicht aus der Einfahrt heraus.

Karte: Hier liegt die Kreuzung in Bad Iburg

Auch das eigene Einkaufszentrum würde profitieren

Das Problem ist der Lokalpolitik bewusst. Sie diskutiert seit mindestens 20 Jahren darüber, wie sich der Verkehr entzerren lässt. Sie konnte sich aber nicht auf eine Lösung einigen, erzählt Bürgermeister Daniel Große-Albers (parteilos). Zudem fehle der chronisch klammen Stadt das Geld. Umso größer war die Überraschung, als sich Mitte April die Unternehmer-Familie Feldhaus aus dem nahegelegenen Bad Laer beim Bürgermeister meldete. Sie wolle der Stadt zwei Abbiegerspuren finanzieren und ihr somit Ausgaben von mehreren Hunderttausend Euro ersparen. Das Ziel der Familie: den Verkehr entzerren, damit die Innenstadt - aber auch das eigene Einkaufszentrum - besser erreichbar sind.

Unternehmer Bernhard Feldhaus und Bürgermeister Daniel Große-Albers stehen auf einer Abbiegerspur © NDR Foto: Göran Ladewig
Zumindest eine Abbiegespur konnten Bernhard und Nicola Feldhaus (links) der Stadt übergeben.
Private "Schenkung" einer Abbiegerspur einmalig in Niedersachsen

Nach Auskunft der kommunalen Spitzenverbände hat es so ein "Geschenk" in Niedersachsen noch nie gegeben. Der Stadtrat stimmte zu, und innerhalb von drei Wochen war eine der beiden Spuren fertiggestellt. In der Privatwirtschaft seien die Entscheidungswege sehr viel kürzer als in der Politik, begründet das Unternehmer Bernhard Feldhaus. Er habe die Bauarbeiten nicht öffentlich ausschreiben müssen. So wurde am Donnerstag eine der Spuren fertiggestellt. Für den Stadtverkehr wäre jedoch die andere noch wichtiger. Sie darf aber nicht gebaut werden.

Straßenbaubehörde hat Sicherheitsbedenken

Die Bauarbeiten hatten schon begonnen, als die niedersächsische Straßenbaubehörde Stadt und Unternehmer informierte, dass die wichtigere Spur nicht gebaut werden darf. Die Leiterin des Osnabrücker Geschäftsbereichs, Uta Weiner-Kohl, begründet das mit hohen Unfallzahlen an dieser Kreuzung. Würden mit einer weiteren Abbiegespur künftig zwei Autos nebeneinander stehen, würden sie sich die Sicht auf querende Radfahrer gegenseitig behindern. Außerdem könnten Radfahrer die Situation dann schlechter überblicken, so die Behördenchefin.

Die Leiterin der Straßenbaubehörd im Geschäftsbereich Osnabrück, Uta Weiner-Kohl, hockt hinter einem Radfahrer-Symbol. © NDR Foto: Göran Ladewig
Die Osnabrücker Behördenleiterin Uta Weiner-Kohl achtet auf die Sicherheit von Radfahrenden.
Alternativlösung abgelehnt

Uta Weiner-Kohl hält die Abbiegespur nur dann für genehmigungsfähig, wenn auf der Kreuzung auch Ampeln installiert werden würden. Doch das will die Unternehmer-Familie nicht bezahlen. Noch mehr Ampeln mitten in Bad Iburg würden den Verkehr noch weiter ausbremsen, so Unternehmer Feldhaus. Er zeigt sich "restlos frustriert und enttäuscht". Die Behörde habe eine einmalige Gelegenheit verpasst. Die Straße jetzt nochmal für Bauarbeiten zu sperren, sei den umliegenden Geschäften schwer zumutbar: "Das mache ich nicht nochmal mit."

Wie geht es weiter?

Auch die Straßenbaubehörde ist daran interessiert, die Lage zu entspannen. Dazu sei zuerst eine Verkehrszählung nötig, danach eine Machbarkeitsstudie. Eine neue Ampelanlage würde in zwei Jahren stehen und könnte die öffentliche Hand durchaus 300.000 bis 500.000 Euro kosten, sagt die Leiterin. All das dauert Anwohnerin Ulrike Niemeyer zu lange. Sie ist aufgebracht, weil ihr der wochenlange Baulärm unter dem Strich wenig gebracht hat.

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