Schweinestall zu voll - Landwirt aus Emsbüren zeigt sich an

Stand: 13.10.2020 14:38 Uhr

Niedersachsens Schweinebauern stecken in der Corona-Krise fest. Viele werden ihre Schweine nicht los. Ferkel drängen in volle Ställe. Ein Landwirt aus dem Landkreis Emsland hat sich selbst angezeigt.

Wenn es kommt, dann heftig: Corona auf Schlachthöfen, Afrikanische Schweinepest, sinkende Preise - den Schweinebauern setzen gleich mehrere Krisen heftig zu. Denn langsam aber sicher wird der Platz in den Ställen eng. Norbert Hüsing aus Emsbüren hat sich daher wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz beim Landkreis Emsland selbst angezeigt. In seinen Ferkelbuchten drängen sich schon jetzt bis zu 70 Tiere - mehr als das Doppelte des Erlaubten. In zwei Wochen wird es dann noch enger, wenn Hüsings Sauen 1.500 Ferkel werfen.

Interessengemeinschaft: Schlachthofschließung unverhältnismäßig

Hüsing steht mit seinem Problem nicht allein. "Die Situation auf den Betrieben ist extrem: Die Mastschweine wachsen einfach weiter", sagt Stefan Lüken aus Lorup, der sich bei der Initiative Land schafft Verbindung engagiert, dem NDR in Niedersachsen. Dazu kämen die Ferkel, die täglich abgenommen werden müssten. Der nächste Schritt seien Nottötungen wegen Platzmangels. "Alles, was an Schlachthofschließung durchgeführt wird, was aus unserer Sicht unverhältnismäßig ist, wird auf dem Rücken der landwirtschaftlichen Betriebe ausgetragen", kritisiert Torsten Staack von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland Corona-Maßnahmen bei Weidemark in Sögel und Vion in Emstek. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte dem NDR: "Wir müssen unsere Schlachtbetriebe langsam zur Volllast hochfahren."

Landkreis Emsland sieht keine Tierschutzverstöße

Ein Landwirt steht im Schweinestall. © NDR
Schweinelandwirt Norbert Hüsing hat sich selbst beim Landkreis Emsland angezeigt.

Hüsing belastet die Situation sehr. "Ja, das ist ein tierschutzrechtliches Problem. Und das ist auch mental für mich nicht mehr in Ordnung", sagte Hüsing dem NDR in Niedersachsen. Die Verwaltung sei bei seiner Selbstanzeige keine Hilfe gewesen. "Der Landkreis hat das Gespräch angenommen und mich gebeten, in den nächsten Tagen zurück zu rufen. Die konnten mir nichts dazu sagen", so der Landwirt. Auf Nachfrage des NDR teilte eine Sprecherin mit, dass man keine Kenntnis von Tierschutzverstößen habe.

Notschlachtung "ethisch nicht tolerierbar"

Hüsing versucht zu retten, was zu retten ist. "Wir füttern mit Wasserschläuchen und Schalen extra, damit die Tiere einigermaßen versorgt sind." Seine Ferkel will er umquartieren. "Ich habe befreundete Landwirte mit Kartoffelhalle. Vielleicht kann man da noch was machen." Das müsse aber der Landkreis genehmigen - und für den gibt es offenbar bis dato das Problem noch nicht. Zweite Option: Notschlachtungen. "Ich könnte tragende Sauen schlachten", sagt Hüsing. "Aber das ist ethisch für mich nicht tolerierbar."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 13.10.2020 | 17:00 Uhr

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