Stand: 20.09.2018 12:06 Uhr

Moorbrand wird Fall für die Justiz

Immer noch kämpfen Hunderte Feuerwehrleute bei Meppen gegen den Moorbrand auf dem Waffentestgelände WTD 91 der Bundeswehr. Und jetzt beschäftigt das Feuer auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet, wie Sprecher Alexander Retemeyer NDR 1 Niedersachsen sagte. Man stehe am Anfang der Untersuchungen. Zunächst müsse geklärt werden, wer für das Feuer verantwortlich sei - die Angehörigen der Bundeswehr, die die Rakete abgeschossen haben oder diejenigen, deren Aufgabe es war, einen Brand zu verhindern.

Straftatbestand noch offen

Auch der genaue Straftatbestand sei noch unklar, so Retemeyer. Bei Brandstiftung gehe es laut Gesetz immer um fremdes Eigentum. Das Schießgebiet im Emsland ist aber im Besitz der Bundeswehr. In Frage käme auch eine Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete. Dabei müsse allerdings ebenfalls noch geklärt werden, ob es sich beim Übungsplatz tatsächlich um eine Zone handelt, die unter besonderem Schutz stehe, so die Staatsanwaltschaft. Man wolle nun kurzfristig von der Bundeswehr Informationen bekommen. "Es kann sein, dass wir auf dem Gelände durchsuchen müssen, um festzustellen, wer an den Maßnahmen beteiligt war", sagte der Sprecher.

Verstärkung aus der Grafschaft Bentheim

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Die Einsatzkräfte pumpen große Mengen Wasser aus der Nordradde.

Unterdessen ist Verstärkung für die Einsatzkräfte eingetroffen. Gestern waren 120 Feuerwehrleute aus der Grafschaft Bentheim dazugekommen - insgesamt spricht die Bundeswehr am Donnerstagmittag von etwa 1.000 Einsatzkräften. Mit sogenannten Riegelstellungen und Waldschneisen soll ein weiteres Ausbreiten des Brandes verhindert werden, so die Bundeswehr. Das Wasser für die Brandbekämpfung pumpen die Feuerwehrleute aus der Ems und der Nordradde, einem Nebenfluss der Ems, ab, berichtet NDR 1 Niedersachsen. Insgesamt fließen 20.000 Liter pro Minute ins Moor. Wasserknappheit in den Gewässern drohe aber nicht, so der Landkreis Emsland.

Feuer auf acht Quadratkilometern

Der Brand hatte sich bis Mittwoch auf eine Fläche von acht Quadratkilometern ausgedehnt. Die Behörden rechnen mit einem langen Kampf gegen das Feuer. Zwar sei es gelungen, die Lage zu stabilisieren, der Brand schwele aber weiter, teilte die Bundeswehr mit. Am Mittwochabend war er sogar bis in die etwa 200 Kilometer entfernten Landkreise Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg in Schleswig-Holstein zu riechen, berichtete die dortige Leitstelle West. Heute wird der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Einsatzkräfte treffen und sich vor Ort ein Bild machen.

Zu Lande und aus der Luft gegen den Moorbrand

Munitionsreste im Moorgebiet?

Erschwert werden könnte die Brandbekämpfung durch Munitionsreste, die sich in dem Gebiet befinden könnten. Das Gelände wird nach Angaben des Umweltministeriums seit 1876 militärisch genutzt und gilt offiziell als blindgängergefährdet. Die Feuerwehr werde nur am Rande des Brandes eingesetzt - wegen der Munitionsreste könne das Moorgebiet nicht betreten werden, hieß es von der Bundeswehr. Die Gefahr für die Einsatzkräfte sei daher zwar niedrig, doch die Löscharbeiten werden sich dadurch vermutlich weiter verzögern.

Selbst aus 824 Kilometer Höhe ist der Moorbrand bei Meppen nicht zu übersehen - ganz im Gegenteil: Eine Aufnahme aus dem All zeigt die Rauchsäule ziemlich deutlich.
Strafanzeige gegen Bundeswehr

Das Feuer war Anfang September durch Raketentests der Streitkräfte ausgelöst worden. Die Bundeswehr und vor allem ihre Informationspolitik nach Ausbruch des Brandes geraten nun immer mehr in die Kritik. Der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat am Mittwoch Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Bundeswehr gestellt. Er sieht nach eigenen Angaben den Tatbestand der fahrlässigen Brandstiftung erfüllt. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte die Bundeswehr ebenfalls. "Wenn ich ehrlich sein soll: Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten", sagte er. "Das muss vielleicht einmal gründlich nachbereitet werden, wenn die aktuelle Situation geklärt ist."

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Bundeswehr beruhigt: Keine Gesundheitsgefährdung

Nach Angaben der Bundeswehr besteht durch den Qualm keine Gesundheitsgefährdung. Die Armee arbeite an der Aufklärung der Vorgänge: "Die Bundeswehr geht intern der Frage nach, ob in Meppen mit dem Munitionstest Vorschriften verletzt beziehungsweise gegebenenfalls Ermessenspielräume falsch genutzt wurden oder es eventuell Regelungslücken in den internen Brandschutzregeln gibt, die geschlossen werden müssen", sagte ein Sprecher der Bundeswehr am Mittwoch. Die Bundeswehr werde zudem die Kosten des Löscheinsatzes tragen. Eigentlich hätte die Bundeswehr-Feuerwehr mit einer Löschraupe das Feuer nach dem Test gleich löschen sollen, doch die Löschraupe fiel aus und ein Ersatzfahrzeug war gerade in der Werkstatt.

"Löschwasser dringt nicht tief genug ein"

Momentan gehen Experten davon aus, dass es noch ein bis zwei Wochen dauern wird, bis alle Glutnester auf dem Bundeswehrgelände in Meppen erstickt sind. Das Problem ist neben dem Wind, der die Glut immer wieder anfacht, der Boden. Torf isoliere und sei wasserabstoßend, sagte Hans-Joachim Gressmann, langjähriger Leiter der Braunschweiger Berufsfeuerwehr dem NDR. "Das Löschwasser dringt nicht tief genug ein, um alle Glutnester zu erreichen. Man kann nicht die ganze Moorfläche unter Wasser setzen", so Gressmann weiter.

Evakuierung aktuell kein Thema

Evakuierungen der angrenzenden Siedlungen würden derzeit nicht ins Auge gefasst, hieß es von der Bundeswehr. Das Land Niedersachsen hatte zuvor diesbezüglich Vorbereitungen getroffen, falls sich die Lage weiter zuspitzen sollte.

Karte: Moorbrand im Emsland - Bis hier hin riecht man es

Gigantische Mengen CO2 freigesetzt

Kritik an der Bundeswehr kommt auch vom Naturschutzbund (NABU) Emsland. Die Naturschützer kritisieren, dass die Bundeswehr auf dem Gelände der WTD 91 bei derart trockenen Bodenverhältnissen überhaupt Munition getestet hat. Die Naturschützer rechnen mit 500.000 bis 900.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, die bislang in die Luft gelangt sind - so viel, wie 50.000 Bundesbürger zusammen im Schnitt pro Jahr verursachen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 18.09.2018 | 19:30 Uhr

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