Ein Wolf läuft auf einem Weg in einem Wald. © NABU/Kathleen Gerber Foto: Kathleen Gerber

Kuh-Riss: Wippingen sammelt Unterschriften für Wolf-Abschuss

Stand: 02.06.2021 15:47 Uhr

Nach dem Riss einer 800 Kilogramm schweren Kuh in Wippingen im Landkreis Emsland will die Kommune den Abschuss der Wölfe beantragen. Dafür sammelt der Bürgermeister nun Unterschriften.

Der Riss in dem kleinen Ort Wippingen ist nach wie vor Dorfgespräch. Weil zwei Wölfe immer wieder in unmittelbarer Nähe von Sportplatz und Wohnhäusern gesichtet werden, will die Kommune beim Landkreis Emsland den Abschuss der Tiere beantragen. Um dem mehr Gewicht zu verleihen, will Bürgermeister Hermann Gerdes (CDU) bei den Einwohnern Unterschriften für den Antrag sammeln.

Lies: Verhalten der Wölfe weiter beobachten

Auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) beschäftigen die Wölfe in Wippingen. In einem Gespräch mit Landrat Marc André Burgdorf (CDU) sei ein gemeinsames Vorgehen besprochen worden, sagte Lies dem NDR Niedersachsen. Um den Riss der trächtigen Kuh zu bewerten, fehlten noch Fakten. Das Verhalten der Wölfe in Ortsnähe solle weiter beobachtet werden, sagte Lies weiter.

Sichten der Wölfe reicht nicht für Abschuss

Olaf Lies zeigt Verständnis für die Sorgen der Menschen vor Ort. Es sei nicht natürlich, wenn sich Wölfe einem Sportplatz nähern, während dort trainiert wird, sagte Lies. Aber allein das Sichten der Tiere reiche nicht für einen Abschuss. Mit zunehmender Wolfspopulation steige die Zahl der Begegnungen. Man müsse die einzelnen Fälle einordnen: Es könne sich bei den Wölfen zum Beispiel um neugierige Jungtiere handeln. Um einen Überblick über die Nahbegegnungen zu bekommen, rät Lies zur Wolfs-App der Landesjägerschaft. Dort können Betroffene ihre Erfahrungen mit Wölfen dokumentieren. Sie fließen in das Wolfsmonitoring des Landes ein. Die Idee, Wölfe mit einem Chip zu versehen - also zu besendern -, um einen Überblick über die Standorte und das Verhalten der Tiere zu erhalten, bezeichnet der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Raoul Reding als Utopie. Die Tiere müssten dazu gefangen werden, die Sender hätten zudem nur eine begrenzte Akku-Laufzeit, so Reding. Außerdem sei der Nutzen gering, weil die Tiere am Tag weite Strecken zurücklegen könnten.

Mehr als ein Drittel der Wölfe lebt in Niedersachsen

Von bundesweit rund 130 Wolfsrudeln leben allein in Niedersachsen 36 - dazu gehören rund 350 Tiere. Das Land hat jetzt ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dort soll ermittelt werden, wie groß die Wolfspopulation sein muss, damit der Wolf nicht mehr gefährdet ist. Damit könnte eine Untergrenze benannt werden, ab der der Staat regulierend eingreifen könnte, so Lies. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 02.06.2021 | 06:30 Uhr

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