Stand: 08.12.2017 10:01 Uhr

Gemeinderat entscheidet: Kein Glyphosat im Artland

Ganz Europa darf nach der Zustimmung von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) in einer EU-Länderabstimmung für fünf weitere Jahre Glyphosat in der Landwirtschaft einsetzen. Ganz Europa? Nein! Seit Donnerstagabend steht fest: Die Samtgemeinde Artland bei Osnabrück verbietet den Einsatz des umstrittenen Pflanzenschutzmittels auf Flächen, die von der Kommune verpachteten werden. Der Gemeinderat stimmte am Donnerstagabend mit klarer Mehrheit für einen entsprechenden Antrag der Grünen - 25 Stimmen für das Verbot, acht Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Betroffen sind etwa 60 Hektar intensiv genutzter Flächen, die an 15 Landwirte verpachtet sind. Nun muss in einem weiteren Schritt geklärt werden, ob das Glyphosat-Verbot nur für neue Pachtverträge ab 2018 gelten oder auch auf bestehende Verträge angewandt werden solle. Für private Ackerflächen - also solche, die nicht der Gemeinde gehören - hat das Verbot keine Auswirkung.

Ein Mann wird zu dem Thema interwiet.

Artland plant Verbot von Glyphosat

Hallo Niedersachsen -

Die Samtgemeinde Artland will den Einsatz von Glyphosat auf Ackerflächen verbieten. Betroffen wären davon 15 Bauern. Sie fürchten nun unter anderem finanzielle Einbußen.

3,8 bei 20 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Das "günstigste Mittel auf dem Markt"

In Niedersachsen darf Glyphosat ohnehin nur auf bestimmten Flächen benutzt werden. Und zwar auf solchen, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder für Gärten genutzt werden. Öffentliche Flächen oder Grünland, von dem es im Artland viel gibt, sind für den Einsatz des Mittels tabu. Die Landwirte fürchten nun finanzielle Einbußen. Denn: Glyphosat sei das günstigste Mittel auf dem Markt, sagen sie - darüber hinaus sei es auch das umweltverträglichste. Diese Meinung vertritt auch der Geschäftsführer des Osnabrücker Landvolks, Martin Andrees: So habe die Wissenschaft klargestellt, dass Glyphosat keine Probleme mache, wenn man es ordnungsgemäß einsetze. Darauf müsse man sich als Landwirt verlassen, sagt Andrees. Seiner Ansicht nach wäre das geplante Verbot des Mittels in Artland unkontrollierbar. Andrees: "Der Vorschlag der Grünen ist ein politischer Gag."

Umstrittener Stoff

Tatsächlich ist der Einsatz von Glyphosat vor allem in Europa umstritten. Das Pflanzenschutzmittel, das vom US-amerikanischen Konzern Monsanto entwickelt wurde, kommt seit 1974 weltweit zur Vernichtung von Unkraut und Gräsern in der Landwirtschaft zum Einsatz. Allein in Deutschland werden jährlich 5.000 Tonnen des Mittels auf 40 Prozent der Ackerflächen aufgebracht, wie eine Studie der Universität Gießen herausfand. Glyphosat steht im Verdacht, in Nahrungsmittel zu gelangen und Krebs auszulösen. Bewiesen ist das allerdings nicht. Auch mögliche Schäden für Tiere und Umwelt werden immer wieder debattiert. Laut Hersteller werde der Stoff lokal im Boden gebunden und sei daher ungefährlich. Doch ein Rostocker Forscher hat nun herausgefunden, dass das Mittel sich vielleicht doch viel weiter verteilen könnte.

Fünf weitere Jahre Glyphosat in der EU

Trotzdem hatte Deutschland im November bei einer Abstimmung der EU-Staaten der Verlängerung der Nutzungserlaubnis von Glyphosat für fünf Jahre zugestimmt. Maßgeblich war ein Alleingang von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, der sein Ja zum Einsatz gab. Bundeskanzlerin Merkel und auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) rügten Schmidts Vorstoß daraufhin. Hendricks hatte in Europa zuvor versucht, eine Zulassung des Mittels zu verhindern und fordert nun strenge Auflagen für dessen Gebrauch.

Kommentar

"Merkel steht ziemlich blamiert da"

Der Eklat um die Glyphosat-Abstimmung zeigt den zunehmenden Autoritätsverlust der Kanzlerin. Mit Blick auf die GroKo sollte die SPD ihn aber nicht zu hoch aufhängen, meint Katrin Brand. (28.11.2017) mehr

Landwirte: Ohne Glyphosat nicht konkurrenzfähig

Experten der EU haben am Donnerstag erneut über die weitere Zulassung von Glyphosat beraten - wieder ohne Ergebnis. Landwirt Hansen aus Maasbüll nutzt das Mittel und findet es ersatzlos. (09.11.2017) mehr

Agrarminister lehnen EU-Ökoverordnung ab

Die Landwirtschaftsminister der Länder fordern, die geplante EU-Ökoverordnung abzulehnen. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) sprach von "unsinnigen Regelungen". (29.09.2017) mehr

mit Video

Pestizide in zahlreichen Biersorten nachgewiesen

Das LAVES hat bei einer Untersuchung in 18 von 22 Biersorten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Verbraucherschutzminister Meyer spricht von einem "Gift-Cocktail". (22.09.2017) mehr

mit Audio

Die Suche nach Alternativen zum Glyphosat

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist in der EU stark umstritten. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Forscher suchen nach Alternativen im Pflanzenschutz. (14.07.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 07.12.2017 | 09:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:49

Winterwetter: Zäher Verkehr auf der A 2

11.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:11

Birigt Honé: Ministerin für Europa-Angelegenheiten

11.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:15

Tarifverhandlungen bei Volkswagen gestartet

11.12.2017 16:00 Uhr
NDR//Aktuell