Stand: 16.06.2020 15:40 Uhr

Die Klebe-Lösung gegen Eichenprozessionsspinner

Ein Mann behandelt einen Baum mit einer Sprühflasche mit langem Aufsatz. © NDR Foto: Britta Nareyka
Jürgen Unger spritzt die zuckrige Lösung auf ein Eichenprozessionsspinner-Nest.

Was wurde nicht schon alles ausprobiert, um die Population des Eichenprozessionsspinners in Niedersachsen einzudämmen. Gift, Spezialsauger - teilweise wurden die Nester des Schmetterlings sogar einzeln per Hand eingesammelt. Aber so richtig geholfen hat das alles nicht. Nun soll ein neues Mittel die Wende bringen. Es heißt Catefix2020, kommt aus den Niederlanden und wird bereits im Raum Osnabrück eingesetzt. Rund 150 Anrufe erreichen Baumpfleger Jürgen Unger an manchen Tagen. Er weiß: Wegen der trockenen Wochen und dem fast ausgebliebenen Frost könnte die Population der Eichenprozessionsspinner noch höher sein als zuletzt.

"Biologisch abbaubar und nachhaltig"

Bei Catefix2020 handelt es sich nach Herstellerangaben um einen biologisch abbaubaren und nachhaltigen Stoff. Das Prinzip: Es wird in die Nester gespritzt und sickert ein. Wenn die Raupen anfangen, sich zu bewegen, verteilen sie das Mittel selbst im Nest und werden dadurch miteinander verklebt. Nach einiger Zeit entsteht ein massiver Klumpen aus Fixiermittel und Raupen. Die Raupen sterben und werden vollständig eingekapselt - so verspricht es zumindest der Produzent.

Bis zur Erblindung

Auch die gefährlichen Brennhaare der Tierchen sollen durch das Mittel fixiert werden. Dieser Teil der Eichenprozessionsspinner ist für den Menschen am unangenehmsten. Im Raupen-Stadium können die Härchen schwere allergische Reaktionen wie Hautquaddeln, Asthma und Augenreizungen auslösen. Sogar zeitweise Erblindungen können Folge des Kontaktes sein.

HAWK setzt auf Fressfeinde

Auch an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen wird zum Thema Eichenprozessionsspinner geforscht. Dort setzt man auf eine zweigleisige Lösung: Eine Bekämpfung der Nester mit heißem Schaum und heißem Wasser sowie einer Stärkung der natürlichen Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners - etwa Kohlmeisen, Raupenfliegen, Ameisen, Schlupfwespen und Puppenkäfer.

Kollateralschäden im Forst

Diese Arten seien, so die Göttinger Forscher, in den vergangenen Jahren stark dezimiert worden. Und zwar durch den Kampf mit chemischen Mitteln gegen den Eichenprozessionsspinner. "Die Maßnahmen haben rund 80 Prozent der Population abgetötet, aber dafür so gut wie alle seine natürlichen Feinde", sagte Prof. Dr. Wolfgang Rohe von der Fakultät Ressourcenmanagement. Auch die zuletzt immer milderen Winter kämen den Raupen zugute.

Nordhorns Eichen leiden

In den vergangenen Jahren war immer wieder der Osten Niedersachsens schwer von den Schädlingen betroffen - etwa die Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg, heißt es von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA). Doch auch im Westen sorgen die Raupen für Ärger. In Nordhorn etwa soll im vergangenen Jahr praktisch jede Eiche von der Raupe befallen gewesen sein. Braunschweig sagte im Juni letzten Jahres einen Marathon wegen der Tiere ab.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.06.2020 | 19:30 Uhr

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