Walross sorgt auf den Ostfriesischen Inseln für Erstaunen

Stand: 15.09.2021 11:42 Uhr

Ein weit gereister Gast aus dem Norden: Das Walross, das seit einer Woche die Ostfriesischen Inseln besucht, ist eine echte Seltenheit in diesen Gefilden. Zuletzt war 1998 ein Walross dort unterwegs.

Eigentlich leben Walrosse in der Arktis - in großen Herden. Die nächsten Verwandten der atlantischen Unterart schwimmen zwischen Grönland, Spitzbergen und der Barentsee umher, wie die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer mitteilte. Dass es dort immer wärmer wird, mache auch den Walrossen zu schaffen. Das junge Weibchen hat sich nun also auf eine große Entdeckungstour in den Süden begeben. Offenbar hat es sich auch schon die dänische Nordseeküste angeschaut. Bei der Walross-Kuh, die im Februar dort aufgetaucht ist, könnte es sich um das gleiche Tier handeln. Unter anderem vor Schottland und Wales treibt sich auch ein Walross rum - "Wally" heißt das männliche Tier.

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Walross.
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Verletzungen behindern das Tier nicht

Seit gut einer Woche betreibt die Walross-Kuh nun Inselhopping in der Nordsee. Am vergangenen Dienstag entdeckte ein Angler das Tier in den frühen Morgenstunden auf Baltrum. Danach tauchte die Kuh zu Stippvisiten auf Wangerooge und Spiekeroog auf - Wangerooge gefiel ihr wohl am besten. Dort wurde sie am Dienstag erneut gesehen. Die Kuh scheint an der Haut verletzt zu sein. Allerdings behindert die Verletzung sie wohl nicht, sodass nicht eingegriffen werden muss.

Walrosse können bis zu 600 Meter tief tauchen

Meist lässt sich das wuchtige Tier von Frühaufstehern bewundern - in der Morgendämmerung. Mit der nächsten Flut geht es dann auf Beutezug, um nach Muscheln, Schnecken, Würmern und Krebsen zu suchen. Walrosse können ihre Beute auf dem Meeresgrund mit den Barthaaren ertasten. Dafür könnten sie eine dreiviertel Stunde lang und bis zu 600 Meter tief tauchen, so die Experten der Nationalparkverwaltung. Typisch für die Robbenart: Sie brauchen ausgiebige Ruhephasen an Land und bewegen sie sich dort eher schwerfällig. Walross-Kühe können bis zu drei Meter lang, 850 Kilogramm schwer und 50 Jahre alt werden.

Fluchtweg zum Wasser freihalten

Die atlantische Unterart des Walrosses gilt als "potenziell gefährdet". Vor rund 100 Jahren war sie durch intensive Bejagung fast ausgestorben. Jetzt wird der Bestand in dem Gebiet zwischen Grönland und der Karasee auf wenige Tausend Exemplare geschätzt. In Deutschland ist das Walross durch das Bundesnaturschutzgesetz als "besonders geschützt" eingestuft. Erste behördliche Ansprechpartnerin im niedersächsischen Wattenmeer ist daher die Nationalparkverwaltung. Wer ein Walross sieht, sollte deshalb schnell die Nationalpark-Ranger vor Ort kontaktieren, heißt es. Die könnten dann sicherstellen, dass das Tier seine Ruhe hat, alle Interessierten es trotzdem mit Abstand beobachten können - und vor allem der Fluchtweg ins Wasser freigehalten wird. Denn viele Menschen auf einem Haufen seien für Walrosse etwas recht Ungewohntes. In der Arktis kommt das schließlich selten vor.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.09.2021 | 15:00 Uhr

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