Rätsel Plastikmüll: Forschungsschiff "Sonne" zurück in Emden

Stand: 05.01.2021 11:34 Uhr

Einen Monat lang war das Forschungsschiff "Sonne" auf den Spuren des Plastikmülls im Atlantik unterwegs. Nun ist das Schiff des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Emden eingetroffen.

Die Forscher haben untersucht, wie das Plastik von den Küsten ins Meer und von dort in die Tiefsee gelangt. Das sei immer noch ein Rätsel, so die Wissenschaftler. Denn nur ein Prozent könne man nachverfolgen, über den Verbleib der restlichen 99 Prozent wisse man nichts. Seit Dienstagnachmittag ist das Schiff zurück im Emder Hafen. Mit an Bord: Jede Menge Plastikmüll wie zum Beispiel Tüten, Kisten und Eimer, die in bis zu vier Kilometern Tiefe entdeckt wurden. Aber vor allem auch Mikro-Plastikteilchen. Viele seien von Tiefsee-Mikroorganismen besiedelt, die offenbar gelernt haben, mit oder sogar vom Kunststoff zu leben, so die Kieler Forscher. Mit Wasserschöpfern und speziellen Netzen wurden in den vergangenen Wochen an der Oberfläche und in bis zu 3.000 Metern Tiefe Proben entnommen. Außerdem hat eine Unterwasserkamera Aufnahmen vom Meeresboden gemacht.

Können Tiefsee-Organismen Plastik verdauen?

Die spannende Frage, die die Wissenschaftler nun beschäftigt, ist: Haben die Organismen der Tiefsee etwa ein spezielles Enzym entwickelt, das den Müll verdauen und damit vernichten kann? Das wollen die Geomar-Forscher jetzt genauer untersuchen und das Enzym im Labor nachzüchten. Wenn dies gelänge, könnte es eines Tages weltweit auf den Müllhalden eingesetzt werden, um den Plastikabfall zu reduzieren, hieß es. Die Idee sei, den Müll an Land zu bekämpfen, bevor er ins Meer kommt, sagte Expeditionsleiter Aaron Beck NDR 1 Niedersachsen. Der andere Weg - Plastik in großen Mengen aus dem Meer zu fischen - sei unmöglich, haben die Forscher bei ihrer Expedition festgestellt.

Unterwegs im nordatlantischen Müllstrudel

Die "Sonne" war südlich der Azoren unterwegs. Sieben Wissenschaftler vom Geomar waren dabei, dazu noch Auszubildende und weitere Forscher aus Portugal, Belgien und den Niederlanden. Von der Biskaya aus ging es entlang des sogenannten nordatlantischen Müllstrudels. Dort landen mit der Strömung große Mengen des Plastikmülls aus Europa und Nordamerika. Obwohl sich das Gebiet mehr als 1.000 Kilometer vom Festland entfernt befindet, ließen sich dort vermehrt Plastikteile nachweisen, sagte Beck.

Weitere Informationen
Eine Schleppvorrichtung schwimmt an der Wasseroberfläche. © Geomar

Geomar-Expedition: Auf den Spuren des Plastikmülls im Meer

Ein Team vom Geomar in Kiel startet mit dem Forschungsschiff "Sonne" zu einer fünfwöchigen Expedition ins Gebiet der Azoren. (03.12.2020) mehr

Stürmische Nordsee © dpa

Geomar-Projekt: Der Ozean als Klimaretter?

Kann der Ozean den Klimawandel eindämmen, indem er Kohlendioxid schluckt? Was muss dafür geschehen? (01.07.2020) mehr

Plastikmüll schwimmt im Meer. © NDR Foto: Lena Bodewein

Meeressterben: Überfischung und Mikroplastik

Unsichtbare Gefahren führen zu einer Art Multiorganversagen unserer Meere. (10.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.12.2020 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Mitarbeiter der Meyer Werft halten bei einer Demonstration Schilder mit der Aufschrift "Ich will nicht ausgetauscht werden!" © NDR Foto: Christina Gerlach

Hunderte protestieren gegen Stellenabbau bei Meyer Werft

Die Mitarbeiter sind verärgert: Werkvertragspartner würden weiter beschäftigt, während Stellen auf dem Spiel stünden. mehr

Ein Plakat der Polizei zu sehen, das vor falschen Polizisten warnt. Davor ein Telefonhörer. © dpa-Bildfunk/Martin Gerten/dpa Foto: Martin Gerten

Falscher Polizist erbeutet im Landkreis Diepholz 7.000 Euro

Eine 83-Jährige aus Barnstorf ist auf den Trick hereingefallen. Sie ließ sich Geld bei der Bank auszahlen. mehr

Ein Landwirt erntet Bio-Möhren auf einem Feld im Landkreis Hildesheim. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Landwirtschaft: Mehr Schweine, weniger Halter, größere Höfe

Niedersachsens Landwirtschaft konzentriert sich zunehmend auf Großbetriebe. Das zeigt die Landwirtschaftszählung 2020. mehr

Panoramasicht über das Deutsche Schifffahrtsmuseum. © Deutsches Schifffahrtsmuseum Foto: Deutsches Schifffahrtsmuseum

Trotz Corona: Schifffahrtsmuseum mit Besucherzahl zufrieden

Nach Angaben des Museums haben im vergangenen Jahr mehr als 53.300 Menschen das Haus in Bremerhaven besucht. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen