Stand: 03.01.2019 17:50 Uhr

"MSC Zoe"-Havarie: Wichtigste Fragen und Antworten

Der Frachter "MSC Zoe" hat rund 270 Container verloren.

Wie konnte der Frachter "MSC Zoe" Hunderte Container verlieren? Wie sind die schweren Stahl-Boxen auf einem Schiff gesichert und wem gehört deren Inhalt, wenn er an Land gespült wird? NDR.de hat Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt. Am Dienstag hatte das Schiff auf dem Weg vom portugiesischen Sines nach Bremerhaven in stürmischer See rund 270 Container verloren. Von den meisten fehlt noch jede Spur. Wie das Havariekommando in Cuxhaven mitteilte, sollen drei von ihnen Gefahrgut geladen haben.

Wie werden Container an Bord gesichert?

Container werden an Bord untereinander verbunden und entweder am Schiffboden oder am Lukendeckel fixiert. Werden sie oben auf dem Deck gelagert, "dann werden sie über ihre vier Eckpunkte gesichert", sagt Dieter Becker, Schiffssachverständiger und Experte für Sicherheitsfragen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), NDR 1 Niedersachsen. Container können so übereinander und nebeneinander verriegelt werden. Unter Deck werden sie in Zellengerüste geschoben, die Container passen genau in die Struktur. Die Sicherung ist in internationalen Sicherheitsvorschriften geregelt. Ob die Standards auch eingehalten werden, wird nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder regelmäßig von nationalen Behörden kontrolliert. Technisch ist die Sicherung also geklärt, "aber ob die Leute in der richtigen Handhabung auch richtig geschult sind, das steht auf einem anderen Blatt", sagt Becker weiter.

Die "MSC Zoe" ist eines der größten Frachtschiffe der Welt. Stellt das ein besonderes Risiko bei dieser Witterung dar?

Eigentlich nicht, sagt Becker. So ein großes Containerschiff bewege sich bei Wind und Wellengang kaum. "Was da im Einzelnen passiert ist, kann ich aber nicht beurteilen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass das Schiff in der See getanzt hat", so Becker weiter. "Es gibt da Zentrifugal-Momente durch Seegang, aber es kann auch etwas anderes passiert sein, etwa dass der Frachter den Kurs gewechselt hat."

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Welche technischen Möglichkeiten gibt es bei der Container-Suche?

Die Suche nach über Bord gegangenen Containern kann vereinfacht werden, wenn die Stahl-Boxen etwa mit GPS-Technologie ausgestattet sind. Standard ist das aber nicht. Bei der jetzigen Suche werden unter anderem Hubschrauber, Schiffe und Sonar eingesetzt.

Wie viele Container gehen jährlich über Bord?

Jährlich gehen rund 10.000 Container weltweit über Bord, wie Hans-Werner Monsees, Leiter des Havariekommandos, sagt. Dass es in diesem Fall gleich rund 270 sind, könne man mit dem Domino-Effekt erklären. Laut dem Verband Deutscher Reeder passiert es eher selten, dass ein Schiff Hunderte Container verliert. "Es kommt sehr, sehr selten vor", sagt Uwe Schieder, Transportversicherungsexperte beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Wer trägt die Konsequenzen?

Für den Transport ist grundsätzlich die jeweilige Reederei verantwortlich. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder sind Reedereien für solche Fälle versichert. Schieder verweist darauf, dass es unterschiedliche Möglichkeiten der Absicherung gibt: Eine Waren-, eine Container- und eine Haftpflichtversicherung. Letztere kommt zum Zug, wenn Dritten Schäden zugefügt werden.

Darf man angespültes Strandgut behalten?

In Deutschland darf man das nicht - weltweit ist es aber unterschiedlich geregelt. In den Niederlanden ist es nicht strafbar, angespülte Waren mitzunehmen. Nur geschlossene Container dürfen nicht geöffnet werden. Wer hierzulande angespülte Gegenstände mitnimmt, riskiert eine Anzeige wegen Fundunterschlagung. Denn nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch müssen Fundsachen im Wert von mehr als zehn Euro dem Eigentümer oder der zuständigen Behörde gemeldet werden.

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Hallo Niedersachsen | 03.01.2019 | 19:30 Uhr

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