Eine Person bereitet eine Spritze mit Covid-19 Impfstoff vor. © picture alliance/dpa/Soeren Stache Foto: Soeren Stache

Impfskandal: Polizei Oldenburg richtet Soko "Vakzin" ein

Stand: 17.08.2021 15:39 Uhr

Im Fall des Impfskandals im Landkreis Friesland hat die Polizei am Dienstag die Ermittlungsgruppe "Vakzin" eingerichtet. Sie ist in Oldenburg angesiedelt.

Die Ermittlungsgruppe unterstützt die Polizei in Wilhelmshaven, wie die Polizeidirektion Oldenburg mitteilte. "Durch die in den vergangenen Wochen und Monaten gewonnenen Hinweise und Erkenntnisse haben sich Umfang und Komplexität der Ermittlungen deutlich erhöht", sagte Polizei-Vizepräsident Andreas Sagehorn.

Ermittelnde aus unterschiedlichen Fachbereichen

Acht Personen gehören den Angaben zufolge der Ermittlungsgruppe an: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei Wilhelmshaven/Friesland, die von Anfang an mit dem Fall betraut waren, außerdem Ermittelnde verschiedener Inspektionen und Fachbereiche wie dem Staatsschutz und dem Bereich der sogenannten Rohheitsdelikte wie etwa Körperverletzung. "Wir nehmen 360-Grad-Ermittlungen vor und schauen mit unseren Fachleuten in alle Richtungen, die relevant sind", so Leiter Andreas Hettwer.

Offenbar weit mehr als nur sechs Spritzen manipuliert

Eine Krankenschwester hatte angegeben, im April im Impfzentrum Friesland in Schortens versehentlich eine Ampulle mit Impfstoff zerbrochen zu haben. Um ihren Fehler zu vertuschen, habe sie die Impfstoffreste aus anderen Ampullen auf sechs Spritzen aufgezogen. Zunächst hatte es geheißen, sie habe den entsprechenden Personen ausschließlich Kochsalzlösung gespritzt. Zumindest aber befand sich offensichtlich nicht ausreichend Impfstoff in den Spritzen. Zeugenvernehmungen hatten gezeigt, dass in offenbar weit mehr als nur sechs Spritzen zu wenig Impfstoff war.

Unklar, wie viele Menschen betroffen sind

Die Polizei will eine "kritische Haltung zum Thema Impfungen" als Motiv der beschuldigten Krankenschwester nicht ausschließen. Sie soll in sozialen Medien entsprechende Einträge geteilt haben. Über ihren Anwalt hat sie ein solches Motiv zurückgewiesen. Die Krankenschwester widerspricht auch dem Vorwurf, mehr als sechs Spritzen manipuliert zu haben. Laut Polizei gibt es aber ernst zu nehmende Hinweise auf deutlich mehr Fälle. Der Landkreis Friesland hat bislang insgesamt 10.183 Menschen aufgefordert, sich erneut impfen zu lassen. Derzeit könne man nicht genau beziffern, wie viele Menschen betroffen sein könnten, sagte Polizei-Vizepräsident Sagehorn. "Wir müssen weiter Licht ins Dunkel bringen."

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 17.08.2021 | 15:00 Uhr

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