Stand: 18.12.2018 13:53 Uhr

"Gorch Fock": Werft lässt Vorwürfe untersuchen

Die Elsflether Werft hat sich am Morgen erstmals öffentlich zu den Korruptionsvorwürfen im Rahmen der Sanierung des Segelschulschiffes "Gorch Fock" geäußert. Das Unternehmen teilte mit, es gehe davon aus, dass das Schiff im bestehenden Zeit- und Budgetplan saniert werden könne. Man habe einen Aktionsplan beschlossen, dessen Ziel es vor allem sei, die Arbeiten an der "Gorch Fock" wie geplant abzuschließen.

Werft: Kein Zusammenhang von Vorteilsnahme und Kostensteigerungen

Gleichzeitig sollen den Angaben zufolge die Korruptionsvorwürfe durch Rechtanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater geprüft und zusätzliche Compliance-Maßnahmen eingeleitet werden. Eine erste Bestandsaufnahme habe ergeben, dass der Verdacht der Vorteilsnahme eines Mitarbeiters des Marinearsenals nicht im Zusammenhang mit den Kostensteigerungen bei der Sanierung stünde, heißt es wörtlich. Erklärt wird dies damit, dass die Zuständigkeit des Mitarbeiters, der für die Preisprüfung verantwortlich war, begrenzt gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat Ermittlungen aufgenommen, nachdem sich der Mitarbeiter selbst der Vorteilsnahme bezichtigt hatte. Er soll vergünstigte Darlehen erhalten haben.

Von der Leyen trifft den Inspekteur der Marine

Am Donnerstag treffen sich unter anderem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der Inspekteur der Marine Andreas Krause, um über die "Gorch Fock" zu sprechen. Es gehe darum, sich einen Überblick über den Stand der Sanierung zu verschaffen, sagte ein Ministeriumssprecher. Über die Zukunft des Schiffes solle dagegen nicht entschieden werden. Von der Leyen betonte am Dienstag den besonderen ideellen Wert der "Gorch Fock". Sie stehe für eine große Tradition in der Marine.

Landespolitiker fordern Erhalt des Schiffes

Auch mehrere niedersächsische Politiker haben sich für den Erhalt ausgesprochen. Siemtje Möller (SPD) sagte, die "Gorch Fock" sei das Aushängeschild der Marine und dürfe nicht außer Dienst gestellt werden. Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Henning Otte, ist für eine Fortsetzung der Sanierung. Schließlich seien auch viele Betriebe in Norddeutschland, daran beteiligt, dass Schiff zu reparieren. Allerdings müsse das Verteidigungsministerium sicherstellen, dass die Obergrenze von 135 Millionen Euro nicht überschritten werde.

Skepsis nur bei den Grünen

Lediglich die Verteidigungsexpertin der Grünen, Katja Keul, könnte sich angesichts der immer stärker ansteigenden Kosten vorstellen, das Schiff "im Museum zur Ruhe kommen zu lassen". Sie plädiert dafür, dass eine unabhängige Stelle prüfen sollte, welchen Stand die bereits erfolgten Arbeiten erreicht haben und welcher weitere Aufwand realistisch sei.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.12.2018 | 13:00 Uhr

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