"Gorch Fock": Kaputter Motor wird in Wilhelmshaven repariert

Stand: 02.09.2021 20:48 Uhr

Nach den technischen Problemen an der "Gorch Fock" wird die Reparatur laut Lürssen Werft voraussichtlich einige Tage dauern. Die Probefahrt hatte wegen des defekten Ventils abgebrochen werden müssen.

Da das Ventil, das den Dieselmotor mit frischem Kühlwasser versorgt, auf See nicht ausgetauscht werden konnte, machte das Segelschulschiff bereits am Mittwochabend in Wilhelmshaven fest. Die Lürssen-Werft teilte mit, Werftprobefahrten dienten dazu, "die Technik und das notwendige Zusammenspiel einzelner Bordkomponenten unter realen Bedingungen zu testen". Auftretende Fehler würden lokalisiert und im Nachgang behoben. "Der Austausch des Ventils und die hiermit verbundenen notwendigen Anpassungen der Zuleitungen werden nach einer ersten Bestandsaufnahme voraussichtlich einige Tage in Anspruch nehmen", sagte ein Sprecher am Donnerstag. Bis zur offiziellen Rückgabe des Schiffs nach der Generalüberholung trage die Werft die Verantwortung, betonte ein Marinesprecher am Donnerstag in Rostock. Man gehe davon aus, dass es bei dem vereinbarten Rückgabetermin am 30. September bleibe.

Schlepper ziehen "Gorch Fock" nach Wilhelmshaven

Eigentlich sollte das Schiff erst heute Wilhelmshaven erreichen, um am dortigen Marine-Arsenal mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet zu werden. Kurz nach dem Verlassen des Werftkais in Lemwerder entdeckte die Crew am Mittwoch jedoch das defekte Ventil am Motor. Zwei Schlepper zogen das Segelschulschiff daraufhin über die Weser in Richtung Nordsee. Da sich der Schaden nicht beheben ließ, steuerten sie mit der "Gorch Fock" im Schlepptau Wilhelmshaven statt Helgoland an. Dort liegt das Schiff nun im Marinestützpunkt direkt hinter dem Einsatzgruppenversorger "Berlin".

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Die Gorch Fock unter vollen  Segeln im Jahr 1976 © dpa /  Picture Alliance Foto: Kurt Scholz

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Reparatur im Rahmen der Endausrüstung

Das defekte Bauteil soll nun im Rahmen der ohnehin geplanten Endausrüstung in Wilhelmshaven ausgetauscht werden, teilte ein Werftsprecher mit. Bis Ende September wird außerdem noch der Magnet-Kompass der "Gorch Fock" eingestellt und das Wiederaufrichten des Schiffes aus Schräglage getestet. Nach Angaben der Lürssen Werft soll die abgebrochene Probefahrt anschließend nachgeholt werden. Es müssten alle Aggregate überprüft werden, um mögliche Fehler festzustellen, sagte ein Sprecher. Am 30. September soll die Bundeswehr den Dreimaster offiziell zurückerhalten.

Mannschaft sammelt Eindrücke von "neuem" Schiff

Zuvor war die Stimmung an Bord noch euphorisch gewesen. "Wir freuen uns auf die erste Seefahrt im Rahmen der Werftprobefahrt und die ersten richtigen Eindrücke auf dem 'neuen' Schiff'", hatte Kapitän Nils Brandt laut Lürssen Werft gesagt. Für die "Gorch Fock" und ihre 160 Frauen und Männer starke Stammcrew ist es die erste Erprobungsfahrt nach fast sechs Jahren Generalüberholung. Eigentlich war die Probefahrt bereits für Ende März geplant. Grund für die fünfmonatige Verzögerung war nach Werftangaben die Corona-Pandemie.

Klage gegen Verwendung von Tropenholz

Die Arbeiten an dem Schiff hatten sich immer wieder verzögert. Fast sechs Jahre hat die Grundsanierung gedauert. Die Kosten stiegen in der Zeit von zehn Millionen auf 135 Millionen Euro. Aktuell klagen Umweltschützer gegen eine mutmaßlich illegale Verwendung von Tropenhölzern bei der Sanierung. Am 30. September wird die "Gorch Fock" offiziell an die Deutsche Marine übergeben. Von Wilhelmshaven geht es in Richtung Kiel und Dänemark für weitere technische Tests und Erprobungen. Am 4. Oktober schließlich soll die "Gorch Fock" in Kiel der Öffentlichkeit präsentiert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 02.09.2021 | 06:30 Uhr

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