Stand: 14.04.2018 14:30 Uhr

Fall Niels Högel: Wer wusste was in Oldenburg?

Haben die Verantwortlichen im städtischen Klinikum Oldenburg bereits früher als bisher bekannt von der Mordserie des 2006 verurteilten Pflegers Niels Högel gewusst? Ein Bericht des "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe legt diesen Verdacht nahe. Demnach haben sich der Geschäftsführer, der Personalchef und die Pflegedienstleitung des Klinikums mit dem damaligen Stationsleiter und dem Chefarzt der kardiologischen Intensivstation bereits 2002 über konkrete Vorwürfe gegen Högel ausgetauscht, rund zweieinhalb Jahre, bevor die Morde aufflogen. Die Verantwortlichen hätten sich ausdrücklich dagegen entschieden, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, heißt es - und zwar wohl in Sorge um das Ansehen der Klinik. In einer Stellungnahme äußerte sich das Klinikum dazu und verwies darauf, dass es seit Jahren die Ermittler unterstützte und bekräftigte, dies auch weiterhin zu tun.

Geschäftsführer laut "Spiegel" sicher, dass H. mordet

Das Magazin zitiert in seinem Text aus Ermittlungsakten. In einem handschriftlichen Vermerk des Stationsleiters heißt es, allein aufgrund von Verdachtsmomenten und möglichen Zufällen dürften die Abteilung und das Klinikum "nicht gefährdet" werden. Als Högel 2002 auf Drängen der Klinikleitung das Krankenhaus verließ, habe auch der Betriebsrat mitdiskutiert. Laut "Spiegel" bestand schon der Verdacht, dass Högel viele Notfälle selbst herbeiführte. Der Betriebsrat wandte ein, es könne sich um ein Versehen handeln. Der Geschäftsführer soll geantwortet haben, er halte dies für nahezu ausgeschlossen. Im September 2002 wechselte der Krankenpfleger schließlich ins Klinikum Delmenhorst, wo er im Juni 2005 auf frischer Tat ertappt wurde, als er die Spritzenpumpe eines Patienten manipulierte.

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Klinikum: Verantwortliche haben sich falsch verhalten

In der Stellungnahme gab das Klinikum an, dass es die Aufklärung der Vorfälle vorbehaltlos unterstütze, unter anderem durch eigene Gutachten und die Übergabe von Unterlagen an die Ermittlungsbehörden. Bereits 2014 habe Geschäftsführer Dirk Tenzer mitgeteilt, "dass dem Klinikum seinerzeit Hinweise und Auffälligkeiten vorlagen und es auch Personen gab, die der Überzeugung waren, dass Niels H. Patienten schädige." Die damals Verantwortlichen hätten entschieden, die Ermittlungsbehörden nicht einzuschalten. Dieses Verhalten schätze Tenzer als falsch ein.

Neuer Prozess ab Herbst

Niels Högel ist bereits wegen Mordes verurteilt worden und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Er hatte Patienten Medikamente gespritzt, um sie dann wiederzubeleben. Dies gelang in vielen Fällen jedoch nicht. Weitere Ermittlungen hatten auch nach mehreren Gerichtsurteilen gegen Högel eine immer größere Zahl möglicher Opfer ergeben. Der neue Mammut-Prozess wegen Mordes in 97 Fällen soll Ende Oktober beginnen. Es sind auch zwei Oberärzte, der frühere Leiter der Intensivstation sowie eine stellvertretende Stationsleiterin des Klinikums Delmenhorst angeklagt. Ihnen wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen, weil sie laut Anklage Taten des Krankenpflegers hätten verhindern können.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 28.03.2018 | 18:00 Uhr

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