Stand: 26.06.2020 07:53 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Abschlussbericht: "MSC Zoe" ist ins Rollen geraten

von Peter Becker
Ulf Kaspera (links), Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU), hält den Abschlussbericht zur Havarie der "MSC Zoe" in der Hand.

Eineinhalb Jahre nach der Havarie der "MSC Zoe" hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg ihren Abschlussbericht vorgestellt. Zu klären war, weshalb der Containerriese in der Nacht auf den 2. Januar 2019 nordwestlich von Borkum 342 Container verlor. Die Gutachter kommen zum Schluss, dass die "MSC Zoe" bei Böen bis Windstärke 10 und 6,5 Meter hohen Wellen ins Rollen gekommen war. "Die Wellenkräfte, die da gewirkt haben, haben dazu geführt, dass das Schiff ins Rollen geraten ist", bestätigte Ulf Kaspera, Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Der Unfallbericht zeige zudem auf, dass von bis zu 400 Meter langen Containerschiffen weiterhin Gefahr ausgeht.

"MSC Zoe": Alles richtig machen reicht nicht aus

Hallo Niedersachsen -

Vor knapp eineinhalb Jahr gingen bei der "MSC Zoe" 342 Container über Bord. Der Abschlussbericht der Havarie zeigt: Die bestehenden Vorschriften reichen für große Containerschiffe nicht aus.

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Stabilität der Schiffe erhöht Druck auf Ladung

Das Problem sei, dass die "MSC Zoe" mit knapp 400 Metern Länge zu den größten Containerschiffen der Welt zähle. "Diese Schiffe haben eine sehr hohe Stabilität, die sich bei Rollbewegungen sehr negativ auf die Ladung auswirkt", sagte Kaspera. Gerate das Schiff in Schräglage, könne es sich durch seine Stabilität sehr schnell aufrichten. Das habe aber den Effekt, dass dadurch "unheimliche Beschleunigungskräfte an der Ladung wirken".

Gefahr selbst beim Einhalten der Regeln

Im Fall der MSC Zoe hätten die Stahlverstrebungen - das sogenannte "Lasch-System" - nicht mehr gehalten, obwohl die Ladungssicherung den gesetzlichen Vorgaben entsprochen habe, betont der Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung. "Nach unseren Erkenntnissen, die wir international gewinnen konnten, nimmt diese Gefahr zu", sagte Kaspera. Dies müsse mit der Größe und Bauart der Schiffe erklärt werden. Die Gefahren bestünden unabhängig davon, ob ein Groß-Containerschiff in tiefem oder flachem Wasser fahre, heißt es im Abschlussbericht.

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Schiffssicherheit international unzureichend

Da die Regeln der Schiffssicherheit auf internationaler Ebene getroffen werden, bleibe dem Bundesverkehrsministerium nur die Möglichkeit, sich international für Verbesserungen bei der Schiffssicherheit einzusetzen. Bis es soweit ist, bleibe das Risiko bestehen, dass sich eine Havarie wie die der "MSC Zoe" beim nächsten schweren Sturm wiederhole.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 25.06.2020 | 10:30 Uhr

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