Schülerlotsen Winsen (Luhe) regeln den Verkehr. © NDR Foto: Björn Ahrend

Vorbild Schülerlotse: 50 Jahre Verkehrshelfer in Winsen

Stand: 03.10.2021 14:05 Uhr

Seit 50 Jahren machen Schülerinnen und Schüler die Zebrastreifen vor der Johann-Peter-Eckermann-Realschule in Winsen an der Luhe sicher.

von Björn Ahrend

Egal ob Schnee, Sonne oder Regen - Hunderte Male hat Andre Britze morgens dafür gesorgt, dass Schülerinnen und Schüler sicher an der Johann-Peter-Eckermann-Realschule ankommen. Und zwar als Schülerlotse - oder wie es inzwischen offiziell heißt: als Verkehrshelfer. "Mir hat es immer Spaß gemacht. Man war ein bisschen Vorbild und konnte auch Lehrkräfte, die man nicht ganz so gern mochte, ein bisschen länger warten lassen, bevor sie weiterfahren konnten", erzählt der 17-Jährige.

Trauriger Gründungsanlass

Warnwesten und Kellen von Schülerlotsen Winsen (Luhe). © NDR Foto: Björn Ahrend
Mit Westen und Kellen ausgestattet sichern die Schülerinnen und Schüler den Schulweg.

Inzwischen macht Britze eine Ausbildung bei einer Bank. Dass er mal wieder an alter Wirkungsstätte vorbeischaut, hat einen Grund. Vor genau 50 Jahren wurde der Verkehrshelferdienst an der Realschule ins Leben gerufen. Damals aus traurigem Grund: Ende September 1971 wurde eine Schülerin an einem unbeschrankten Bahnübergang nur ein paar Meter von der Schule entfernt von einem Zug erfasst und getötet. "Das hat Lehrer, Schüler und Eltern so erschüttert, dass hier der Schülerlotsen-Dienst gegründet wurde. Wir sind ja ein Schulzentrum und jeden Morgen kommen hier knapp 2.000 Kinder und Jugendliche an - per Bus, Fahrrad und viele eben auch zu Fuß", berichtet Schulleiter Andreas Neises. Heutzutage ist die Schule die einzige im Landkreis Harburg, wo Schülerinnen und Schüler - und eben nicht Eltern oder Lehrer - morgens den Schulweg sichern.

"Ich fand es immer cool"

Schülerlotsen Winsen (Luhe) Archivbild © NDR Foto: Björn Ahrend
Eine Aufnahme aus der Schulchronik: Wann hier die Schülerlotsinnen und -lotsen fotografiert wurden, lässt sich nicht mehr genau zuordnen.

Darum kümmert sich an der Realschule in Winsen an der Luhe eine Gruppe von mehr als 50 Kindern, die sich jeden Morgen abwechseln. Den Bahnübergang müssen sie nicht mehr im Auge haben, der ist längst beschrankt. Dafür aber drei Zebrastreifen. Jedes Jahr nach den Sommerferien werden neue Schülerlotsen ausgebildet, vor allem Kinder, die in die siebte Klasse gekommen sind. So wie Pauline und Aleyna. "Ich bin früher auch immer hier über den Zebrastreifen gegangen und fand es immer cool, wenn die Verkehrshelfer die Autos gestoppt haben, damit alle sicher rüber kommen", erzählt Aleyna.

Neue Gefahrenquellen

Der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Polizeiinspektion Harburg, Dirk Poppinga, lobt das langjährige Engagement der Kinder und Jugendlichen. Und das sei auch weiter nötig, denn immer wieder würden neue Gefahrenquellen für die letzten Meter des Schulwegs auftauchen, sagt er. Damit meint er sowohl Eltern, die ihre Kinder im Auto bis möglichst nah ans Schultor bringen wollen, als auch Schulkinder, die sich auf dem Fahrrad vom Smartphone ablenken lassen oder auf der falschen Straßenseite fahren. "Da helfen uns die Schülerlotsen, die ihre Mitschüler darauf aufmerksam machen", sagt Poppinga. Und so gehen in Winsen an der Luhe alle davon aus, dass der Verkehrshelferdienst noch lange gebraucht werden wird.

Archiv
Ein alter Kran im Lüneburger Hafenviertel. © NDR Foto: Julius Matuschik
8 Min

Nachrichten aus dem Studio Lüneburg

Was in Ihrer Region wichtig ist, hören Sie in dem Mitschnitt der 15:00 Uhr Regional-Nachrichten auf NDR 1 Niedersachsen. 8 Min

Mehr Nachrichten aus der Region

Zeitungen werden in einer Druckerpresse gedruckt. © picture alliance / ZUMAPRESS.com | Nuccio Dinuzzo / Chicago Tribune

Kein Papier mehr - Zeitungen zum Teil mit weniger Seiten

Papier ist derzeit so knapp, dass einige Zeitungen dünnere Ausgaben drucken müssen. Auch Buchverlage sind besorgt. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen