Stand: 29.04.2019 07:03 Uhr

Virtual Reality: Das Leben aus Sicht einer Kuh

Im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem haben Forscher eine Brille entwickelt, die den Stall aus Sicht einer Kuh erlebbar macht.

Mensch im Kuhfell statt Wolf im Schafspelz heißt es jetzt in Echem im Landkreis Lüneburg. Projektleiter Benito Weise vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum hat dort zusammen mit weiteren Experten eine spezielle Brille entwickelt, mit der sich die visuelle Wahrnehmung einer Kuh auch als Mensch nachempfinden lässt. Denn die unterscheidet sich stark von dem, was man als Zweibeiner so gewohnt ist. Weil aber immer noch Menschen die Ställe für Tiere bauen und nicht umgekehrt, soll die Brille mithilfe von Virtual Reality nun ein besseres Verständnis der Tierbedürfnisse schaffen. Das Ziel: Stressfaktoren abbauen, Tierwohl verbessern.

Eine Kuh schaut neugierig in die Kamera.

Virtual Reality im Stall: Einmal Kuh sein

Hallo Niedersachsen -

Dass Kühe schlechter sehen als Menschen, wird im Umgang mit den Tieren oft vergessen. Forscher aus Echem haben eine Virtual-Reality-Brille entwickelt, mit der man das nachempfinden kann.

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Der Blick durch die Brille soll Augen der Halter nachhaltig öffnen

Die Sehkraft einer Kuh entspricht nur etwa 30 Prozent der eines Menschen, dafür liegt das Sichtfeld bei 330 Grad, Unterschiede zwischen Hell und Dunkel nehmen die Wiederkäuer wesentlich extremer wahr, ihre Augen brauchen länger, um sich neuen Lichtverhältnissen anzupassen. All das führt dazu, dass die Tiere einige Situationen als Stress wahrnehmen, die für den Menschen völlig unproblematisch erscheinen. Diese Erfahrung beschreibt auch Sarah Apelt, die gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert und dabei die Brille testet: "Das ist ein sehr unsicheres Gefühl", sagt sie. "Auch als ich gerade durch die Tür gegangen bin, war der Übergang von hell und dunkel im Kontrast sehr stark." Da müsse man erst einen Augenblick stehen bleiben und sich orientieren. Der Blick sei sehr ungewohnt. Zwar könne sie weit nach hinten gucken, aber der Rand sei sehr verschwommen. Auf genau diesen Effekt zielt Weise ab. "Das prägt sich ein. Wir hoffen eben dadurch zu erreichen, dass bestimmte, sehr stressige Situationen vermieden werden können."

Erkenntnis: Mehr Zeit für Ungewohntes einplanen

Der zweite Forschungsort ist der Klauenstand. Also der Ort, an dem ein Klauenpfleger die Füße der Tiere bearbeitet. Hier steht das Rind auf engem Raum ohne Artgenossen, in anderer Umgebung. Für das Tier eine neue Situation, auf die es sich erst einstellen muss. Projektleiter Weise sagt, dass sich aus den Untersuchungen vor allem Konsequenzen für das Zeitmanagement ergeben haben. "Wenn ich Ungewöhnliches vorhabe mit den Kühen, was nicht zu ihrem Tagesprogramm gehört, muss ich einfach mehr Zeit für solche Sachen einplanen." Dadurch könne der Stress für die Tiere wesentlich gemindert werden.

Brille könnte auch bei anderen Tieren zum Einsatz kommen

Stress können die Tiere auch beim Melken haben. Dort kommen je nach Betriebsgröße viele Tiere zusammen. Je nach Melkstand sehen die Rinder ihre Nachbartiere nicht, es ist hektisch und laut. Das merkt auch Brillen-Testerin Apelt, als sie sich in dem Bereich bewegt: "Das sind einfach sehr viele Eindrücke auf einmal." Die VR-Brille könnte nicht nur zu einer besseren Haltung von Rindern beitragen. Denkbar ist auch, sie für andere Tiere und ihre Halter einzusetzen - zum Beispiel Pferde oder Kamele. Vorerst wird die Brille aber für die Aus-und Fortbildung eingesetzt, später soll sie dann in Tierpraxen und größeren Betrieben für neue Perspektiven sorgen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 28.04.2019 | 19:30 Uhr

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