Stand: 21.06.2019 08:00 Uhr

Sensationsfund im Acker: Die Münze von Fredenbeck

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Das "SIS" und ein Sternchen auf der Rückseite verraten den Prägeort des sogenannten Multiplums: Sisak im heutigen Kroatien.

Da kann man schon ein bisschen durcheinander kommen. Constans, der jüngste Sohn von Kaiser Konstantin, herrschte mit seinen Brüdern Konstantin II. und Constantius II. über das römische Reich. Im vierten Jahrhundert kontrollierte er große Teile des Westreiches - darunter Britannien, Gallien und die iberische Halbinsel. Und: Auch in Fredenbeck (Landkreis Stade) hat der Caesar Spuren hinterlassen. Hobbyarchäologe Matthias Glüsing war im Dezember 2017 privat mit einer Sonde in Fredenbeck unterwegs - "mit Genehmigung der Kreisarchäologie", wie der Landkreis in einer Pressemitteilung versichert. Auf einem Acker stieß er auf eine Goldmünze, die das Konterfei von Constans ziert. Stilecht mit Diadem auf dem Kopf und in einen Harnisch gewandet. Eine archäologische Sensation!

Eine Goldmünze.

Hobby-Archäologe findet einzigartige Goldmünze

Hallo Niedersachsen -

Mehr als 1.600 Jahre schlummerte eine Goldmünze in der Erde, bis der Hobby-Archäologe Matthias Glüsing sie bei Stade entdeckt hat. Es handelt sich um eine ganz besondere Prägung.

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Ein Dankeschön in Münzform

Denn: Das neun Gramm schwere sogenannte Multiplum ist ein Unikat. "Fasst man die bisherigen Indizien zusammen, kann als ehemaliger Eigentümer ein Fürst oder König des sich in der Zeit herausbildenden sächsischen Großstammes vermutet werden", sagte der Kreisarchäologe Daniel Nösler. Bei Multipla handelt es sich um besonders kostbare Prägungen gängiger römischer Münzen, die nur zu besonderen Anlässen ausgegeben und durch die Kaiser im Rahmen feierlicher Zeremonien an herausgehobene Persönlichkeiten überreicht wurden - zum Beispiel für Heeresdienste oder eingehaltene Bündnisse.

Museum freut sich auf "Highlight"

Das Fundstück, das 342/343 in Siscia (heute Sisak/Kroatien) geprägt wurde, wurde am Freitag der Öffentlichkeit präsentiert. Anschließend soll es in einer Dauerausstellung des Schwedenspeichers in Stade gezeigt werden. Dort freut man sich schon auf das neue Prunkstück. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade, sagte: "Das Multiplum ist ein wirkliches Highlight für unsere erst kürzlich neu eröffnete Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte im Elbe-Weser-Dreieck."

"Fund macht man nur einmal im Leben"

Wie viel Geld der Finder für die Münze kassiert hat, ist unklar. "Darüber wollen wir Stillschweigen bewahren, um keine Begehrlichkeiten zu wecken", sagte Nösler NDR.de. Es handele sich um eine Summe im fünfstelligen Bereich. Aber warum hat es solange gedauert hat, bis der Landkreis mit dem Fund an die Öffentlichkeit gegangen ist? In Stade wollte man offenbar sichergehen, dass die Münze auch echt ist. "So einen Fund macht man nur einmal im Leben", so Nösler. Gutachter hätten das Geldstück unter die Lupe genommen. Dazu mussten noch Geldgeber aufgetrieben werden, damit das Multiplum auch in Stade ausgestellt werden kann. Das habe seine Zeit gedauert, so der Kreisarchäologe.

Goldfund von Dinklage: Frist läuft ab

Zeit ist ein gutes Stichwort: Etwa 170 Kilometer südwestlich von Stade, in Dinklage (Landkreis Vechta), waren im Juni 2016 sieben Plastikbehälter mit Bargeld und Goldmünzen auf einem Friedhof aufgetaucht. Der Gesamtwert des Fundes liegt bei etwa 500.000 Euro. Bald läuft die Frist für potenzielle Eigentümer ab: Bis zum 30. März 2020 müssten sie sich melden und nachweisen, dass ihnen der Fund gehört. Ansonsten, so Bürgermeister Frank Bittner (parteilos), falle alles dem Haushalt der Stadt zu. Was weiter passiere, sei noch nicht klar. "Wir wollen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen", sagte er. Die Finder und die Kirchengemeinde, auf deren Grund und Boden das Geld gefunden wurde, hätten keine Ansprüche angemeldet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 21.06.2019 | 08:30 Uhr

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