Stand: 18.09.2018 18:00 Uhr

Rennen um LNG-Terminal geht auf die Zielgerade

Von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) versprechen sich viele künftig eine größere Versorgungssicherheit für das Gasnetz in Deutschland. Das LNG wird stark heruntergekühlt und verliert so um das 600-Fache an Volumen. Dann kann es per Tanker, Lkw oder Bahn transportiert werden. Anschließend muss das LNG in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden, um es als Treibstoff verwenden oder in Gasnetze einspeisen zu können. US-Konzerne wollen ihr Flüssiggas gern nach Deutschland verkaufen, auch deshalb hat US-Präsident Donald Trump die vermeintliche deutsche Abhängigkeit von russischem Erdgas in der Vergangenheit immer wieder scharf kritisiert. Das Problem: Deutschland hat derzeit noch kein Terminal, an denen die riesigen Tanker anlegen können. Drei Hafenstädte bemühen sich derzeit darum: Wilhelmshaven und Stade in Niedersachsen sowie Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. Das Rennen ist offen - geht aber jetzt auf die Zielgerade.

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RWE als erster Kunde für Brunsbüttel

Sowohl in Stade als auch in Wilhelmshaven gibt es große Kavernen, die zu unterirdischen Gasspeichern ausgebaut werden könnten. Beide Städte haben Anschluss an das bundesweite Gasnetz. In Brunsbüttel dagegen fehlt solch ein Anschluss - ein 100-Millionen-Euro-Standortnachteil. Dafür hat Brunsbüttel aber auch einen Vorteil: Als einziger der drei Standorte ist der Ort mit der German LNG Terminal GmbH im Netzentwicklungsplan Gas der Bundesnetzagentur aufgenommen. Das private Konsortium will, wenn alle Genehmigungen vorliegen, 2020 mit dem Bau beginnen und zwei Jahre später den Betrieb aufnehmen. Kürzlich konnten die Brunsbütteler RWE als ersten Kunden gewinnen. Die Landesregierung in Kiel wirbt kräftig für das Projekt. "Für das Verschießen von Champagner-Korken ist es aber noch zu früh", sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

"Perfekte Infrastruktur für Tanker jeder Größenordnung"

Wilhelmshaven hat allerdings auch einen unbestreitbaren Standortvorteil. "Beispielsweise bietet Wilhelmshaven mit seinem Jade Weser Port als einziger deutscher Tiefseehafen die perfekte Infrastruktur, um LNG-Tanker jeder Größenklasse anzulanden", sagte Leif Erichsen, Sprecher des Energieunternehmens Uniper. Der Energiekonzern sieht daher klare Vorteile für den Standort. Zu guter Letzt Stade: Die Vorteile dort sind die Nähe zu Hamburg und Synergien mit dem lokalen Dow-Werk, das Abwärme für die Regasifizierung, also die Rückumwandlung des heruntergekühlten Gases, liefern könnte. Die Stadt hat mit dem US-Chemieriesen Dow bereits einen Investor an Bord, der offenbar kräftigen Rückenwind aus der Trump-Administration bekommt. US-Vize-Energieminister Dan Brouillette kann sich ein LNG-Terminal in Stade-Bützfleth sehr gut vorstellen. Das berichtet der Stader CDU-Abgeorndete Oliver Grundmann. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dagegen hält Brunsbüttel für den "idealen Standort", kann sich inzwischen aber auch mehrere Terminals in Deutschland vorstellen.

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Terminal bedeutet ein Investment von 500 Millionen Euro

Der Zuschlag für das Terminal würde für die konkurrierenden Standorte ein 500-Millionen-Euro-Investment bedeuten. LNG gilt auch als umweltfreundlicher Schiffstreibstoff der Zukunft. Auf der Papenburger Meyer Werft wurde jüngst auf dem Kreuzfahrtschiff-Neubau "AIDA Nova" der erste LNG-Antrieb der Welt in einem Kreuzfahrtschiff eingebaut. In Cuxhaven fährt bereits das Seebäderschiff MS Helgoland mit LNG - aber jeder Tropfen Treibstoff wird derzeit noch mit Tankwagen aus Rotterdam herangeschafft. Gibt es künftig mehr Abnehmer, dann steigt wohl auch der Umschlag an einem kommenden deutschen LNG-Importterminal.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 18.09.2018 | 12:00 Uhr

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