Stand: 20.01.2020 19:00 Uhr

Preisverfall: Altpapier-Markt bricht ein

Ein Altpapierberg. © NDR
Altpapier bringt den Entsorgern viel weniger ein als noch vor einem Jahr. (Themenbild)

Altpapier ist für Entsorger in den vergangenen Jahren ein gutes Geschäft gewesen. Viel wurde exportiert in asiatische Staaten, allen voran China. Doch derzeit stagniert dort der Absatz. Die Folge ist ein wahrer Papierstau auf dem europäischen Markt - und damit einhergehend ein Verfall der Altpapierpreise, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Auch in Nordost-Niedersachsen macht das Abfallentsorgern zu schaffen.

60 statt 90 Euro pro Tonne

Noch vor einem Jahr bekamen die Entsorger rund 90 Euro pro Tonne Altpapier. Heute sind es je nach Qualität gerade einmal 60 Euro oder weniger. Oliver Schmitz, Geschäftsführer der Lüneburger Gesellschaft für Abfallwirtschaft, schätzt den Altpapiermarkt auch in den kommenden Monaten als kritisch ein: Man könne davon ausgehen, dass die Preise noch weiter sinken.

Gewerbekunden müssen erstmals zuzahlen

Auch Martin Bertram aus Honerdingen im Heidekreis schaut als Chef seines Entsorgungsunternehmens mit Sorgen auf die fallenden Preise: "Das hat weitreichende Folgen. Erstmalig in unserer Firmengeschichte müssen die Kunden für die Verwertung von Altpapier etwas zuzahlen." Betroffen seien Gewerbekunden. Auch der Entsorger Formata aus Wieren im Landkreis Uelzen berechnet seinen Gewerbekunden seit Kurzem Gebühren. Das Recycling von Altpapier ist das Hauptgeschäft der Firma. Chef Klaus-Dieter Ramacher hofft darum, dass sich die Situation am Weltmarkt so schnell wie möglich ändert. Aufgrund langjähriger Verträge könne seine Firma "dieses Jahr noch durchhalten", sagt Ramacher. "Aber für das nächste Jahr gibt es noch keine Prognosen, wie es weitergeht."

Feuerwehren und Schützenvereine verlieren Einnahmen

Im Süden des Heidekreises gebe es auch noch andere, die unter der Krise am Altpapiermarkt leiden, sagt Martin Bertram: Seit mehr als 30 Jahren habe seine Firma dort Papiersammlungen mit den Feuerwehren und Schützenvereinen unternommen. "Sie hatten etwas für ihre Vereinskasse dazu. Das war für beide eine schöne Sache. Aber das können wir dieses Jahr leider nicht mehr machen." Laut Bertram gehen den Vereinen bis zu 2.000 Euro verloren. In den meisten Fällen sei das Geld in die Jugendarbeit geflossen. Auch deswegen hofft er, dass sich das Altpapiergeschäft in den kommenden Monaten wieder erholt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 20.01.2020 | 17:00 Uhr

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