Stand: 02.03.2018 14:15 Uhr

Polizei sucht weiter Mitwisser der Göhrde-Morde

Im Fall des mutmaßlichen Göhrde-Mörders Kurt-Werner Wichmann hat die Suche nach einem Mittäter noch keinen Erfolg gebracht. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, sei zwar ein Verdächtiger aus Wichmanns Umfeld im Visier, doch ein Abgleich seiner DNA habe bislang keinen Treffer erbracht. Der Betreffende mache zu einer möglichen Beteiligung auch keine Angaben. Der Polizeisprecher betonte, sechs Ermittler arbeiteten in Vollzeit an den Göhrde-Morden. Es gehe auch darum, ob Wichmann bis zu 24 weitere Taten begangen hat.

Mutmaßlicher Täter 1993 gestorben

Die Morde sind auch nach fast 30 Jahren noch immer nicht aufgeklärt. Im Sommer 1989 wurden im Staatsforst Göhrde, östlich von Lüneburg, kurz nacheinander zwei Paare wahrscheinlich von demselben Täter getötet. Mutmaßlich hat der Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann die Taten begangen. Das legen DNA-Spuren nahe, die im letzten Dezember untersucht wurden. Der Verdächtige kann nicht mehr befragt werden - er hat sich 1993 im Gefängnis selbst getötet.

Suche nach Mitwisser über "Aktenzeichen"

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Nach 30 Jahren sind die "Göhrde-Morde" noch immer nicht vollständig aufgeklärt.

Da der Verdächtige tot ist, wäre der Fall juristisch eigentlich abgeschlossen. Aber die Ermittler glauben, dass es Mittäter oder zumindest Mitwisser gibt. Deshalb waren die "Göhrde-Morde" am Mittwoch noch einmal Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Die Polizei in Lüneburg hat anschließend allerdings offenbar keine bedeutsamen Hinweise bekommen.

Polizei hofft auf Hinweise von Mitwisser

Die Beamten erhoffen sich vor allem Hinweise von möglichen Mitwissern. Im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen erläutert "Aktenzeichen"-Moderator Rudi Cerne: "Die Polizei hat eindeutige Hinweise darauf, dass Kurt Werner Wichmann einen Helfer gehabt haben muss. Die Ermittler hoffen deshalb, dass jemand sein Schweigen bricht. Denn häufig ist es für Mitwisser auch nach langer Zeit noch eine Last, dass sie mithelfen könnten, ein Verbrechen aufzuklären - es aber bisher nicht getan haben."

Gärtner für 24 weitere Taten verantwortlich?

Neben den "Göhrde-Morden" könnte Wichmann laut Polizei noch für weitere Verbrechen in Deutschland und dem angrenzenden Ausland verantwortlich sein. Diesen Verdacht hatten die Ermittler in der Vergangenheit schon geäußert, in der TV-Sendung nun aber erstmals konkretisiert: Sie gehen von 24 ungeklärten Taten - darunter vor allem Tötungsdelikte, aber auch Vermisstenfälle - aus, die laut aktuellem Ermittlungsstand in Verbindung mit Wichmann stehen. Analysten des Landeskriminalamts hätten die Fälle herausgefiltert, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg zu NDR 1 Niedersachsen. Die sechsköpfige Ermittlungsgruppe prüft noch zwei weitere Fälle, auf die andere Polizeidienststellen in Deutschland aufmerksam gemacht haben. Zudem erstellen die Ermittler zurzeit ein Bewegungsprofil des 1993 verstorbenen Friedhofsgärtners - im Lauf des Jahres soll es bundesweit in Polizeikreisen veröffentlicht werden.

Wurde auch Birgit M. vom "Göhrde-Mörder" getötet?

Neben den 24 Fällen und den "Göhrde-Morden" soll Wichmann auch für den Tod von Birgit M. verantwortlich sein: 28 Jahre galt die Frau aus dem Landkreis Lüneburg als vermisst. Im vergangenen Herbst fanden Ermittler dann ihre sterblichen Überreste unter einer Garage in Adendorf (Landkreis Lüneburg). Das Grundstück in Adendorf gehörte früher Kurt-Werner Wichmann. Ein weiteres Indiz sind Handschellen aus einem versteckten Raum im Haus von Wichmann, die erst 2016 analysiert wurden. Auf ihnen ist Blut von Birgit M. festgestellt worden. Eine Obduktion der sterblichen Überreste ergab im Januar, dass Birgit M. erschossen wurde.

Mittlerweile hat die Polizei Lüneburg auch eine Spezialstelle eingerichtet, die bundesweit andere Taten auf Bezüge zu den "Göhrde-Morden" untersucht.

Die Geschichte einer brutalen Mordserie

Weitere Informationen

Gutachten der MHH: Birgit M. wurde erschossen

Ein weiterer Schritt in Richtung Aufklärung: Die 1989 getötete Birgit M. ist erschossen worden. Das zeigt das Obduktionsgutachten. Täter war vermutlich der "Göhrde-Mörder". (19.01.2018) mehr

Wolfgang Sielaff: "Es ist eine Genugtuung"

Zu den Opfern des "Göhrde-Mörders" gehörte Birgit M., die Schwester des ehemaligen Hamburger LKA-Chefs, der privat ermittelte. Wolfgang Sielaff spricht über Hartnäckigkeit, Trauer und Erleichterung. (03.01.2018) mehr

"Göhrde-Mörder" für weitere Taten verantwortlich?

Es scheint sicher: Ein Gärtner, 1993 gestorben, hat vor 28 Jahren zwei Paare in der Göhrde ermordet. Auch Birgit M. soll er 1989 getötet haben - und vermutlich gibt es weitere Opfer. (29.12.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 02.03.2018 | 14:30 Uhr

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