Ein Angeklagter in einem Mordfall sitzt neben seiner Anwältin. © picture alliance/dpa/Philipp Schulze Foto: Philipp Schulze

Lüneburg: Lebenslange Haft für Mord an schwangerer Frau

Stand: 21.04.2022 20:03 Uhr

Vor fünf Monaten ist eine schwangere Frau in Lüneburg mit Messerstichen getötet worden. Nun hat das Landgericht den Angeklagten zu lebenslanger Haft wegen Mordes und Schwangerschaftsabbruchs verurteilt.

Damit entspricht das Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe mit der Tat verhindern wollen, dass sein Lügengebäude zusammenbricht, so die Ankläger in ihrem Plädoyer. Er habe behauptet, dass er eine Arbeitsstelle habe und sich um seinen Aufenthaltstitel kümmern würde, so die Staatsanwaltschaft. Beides habe nicht gestimmt.

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Verteidigerin erkennt kein Mordmotiv bei Angeklagtem

Die Verteidigerin des Angeklagten hingegen hatte am letzten Prozesstag Zweifel geäußert. Die Polizei habe schlampig gearbeitet, sagte sie am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor Gericht. Die Ermittler hätten sich sehr schnell auf den Mann festgelegt und seien weiteren Spuren nicht nachgegangen. Sie hätten unter anderem argumentiert, dass das Handy des Angeklagten zur Tatzeit am Tatort war. Er habe zwar ausgesagt, dass er einen Spaziergang gemacht habe - er hätte das Handy aber genauso gut auch zu Hause lassen können, argumentierte die Verteidigerin. Außerdem stelle sich die Frage, weshalb nicht gegen den Ex-Mann der Frau ermittelt worden sei. Das Opfer habe vor ihm Angst gehabt, er galt als gewalttätig. Sein Alibi sei zudem keineswegs sicher, es beruhe lediglich auf Handy-Daten. Und auch der Nachbar sei nicht weiter behelligt worden, obwohl er Blut an den Händen gehabt habe. Auch das vermeintliche Motiv sei nicht überzeugend: Ein Streit, in dem es um den Aufenthaltstitel des Mannes aus Tunesien ging, sei unwahrscheinlich, da er Vater des werdenden Kindes gewesen sei und somit automatisch in Deutschland hätte bleiben dürfen.

Schnittverletzungen durch Wiederbelebung?

Der Angeklagte hat im Prozess bestritten, die Tat begangen zu haben. Über seine Verteidigerin sagte der 38-Jährige aus, dass er seine Lebensgefährtin im Oktober 2021 nach einem morgendlichen Ausflug in die Stadt tot in der gemeinsamen Wohnung gefunden habe. Schnittverletzungen an seiner Hand erklärte er damit, dass er versucht habe, das Opfer wiederzubeleben. Dabei habe er in ein Messer gegriffen, das auf dem Körper der Frau gelegen habe. "Das Schlafzimmer war voller Blut, ich habe versucht, sie wiederzubeleben", hieß es in der am Dienstag verlesenen Erklärung. "Dass sie tot sein soll, habe ich immer noch nicht verstanden." Fragen wollte der Angeklagte vor Gericht nicht beantworten.

Gutachter: "Keine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit"

Die Staatsanwaltschaft ging laut Anklage davon aus, dass der 38-Jährige seine zwei Jahre jüngere Lebensgefährtin nach einem Streit gewürgt und mit mehreren Messerstichen getötet hat. Sie habe sich verzweifelt gewehrt und schwere Verletzungen an den Händen davongetragen, sagte der Staatsanwalt. Ein psychiatrischer Gutachter konnte keine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit bei dem Angeklagten erkennen. Ein medizinisches Gutachten ergab, dass der Mann der Vater des ungeborenen Kindes war. Zudem gab es unter den Fingernägeln des Opfers keine weiteren DNA-Spuren außer denen des 38-Jährigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 21.04.2022 | 13:30 Uhr

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