Stand: 23.12.2014 16:26 Uhr

Kondolenzbuch für Jürgens im Lüneburger Rathaus

Nach dem plötzlichen Tod von Entertainer Udo Jürgens ist die Trauer auch in Lüneburg groß. Die Stadt legte im Rathaus für den Künstler, der als Kind zeitweise in der Hansestadt gewohnt hatte, ein Kondolenzbuch aus. Auch sein Freund, der Lüneburger Fotograf Hansi Hoffmann, erinnert sich an die gemeinsame Zeit mit dem Musiker. "Mensch Hansi, wir haben so viele Bäume ausgerissen, das werden wir jetzt nicht mehr können. Aber wir werden noch viele neue pflanzen." Das habe Udo Jürgens ihm noch im September am Telefon gesagt, erzählt Hoffmann, der viele Konzerttouren für ihn gemanagt hat. Nach dem Tod des Sängers ist sein enger Freund und Vertrauter tief erschüttert: "Ich hab' von Udos Sekretär Mucki Stammler erfahren, was passiert ist. Da konnte ich nicht weiterreden und musste auflegen. Ich habe gedacht, das darf nicht wahr sein. Das darf einfach nicht wahr sein." Jürgens war am Sonntag bei einem Spaziergang in der Schweiz einem Herzanfall erlegen.

Eine Liebeserklärung an Lüneburg

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Udo Jürgens und Hansi Hoffmann verband über 50 Jahre eine enge Freundschaft. Hier posieren sie im Jahr 1982 gemeinsam für ein Foto.

Jürgens hatte in seiner Jugend zu Kriegsende zeitweise in Lüneburg gewohnt und dort noch immer Verwandtschaft, die er regelmäßig besuchte. "Lüneburg war für Udo ein Stück Heimat", sagt Hoffmann. Er habe nicht nur mehrere Konzerte in der Lüneburger Nordlandhalle gespielt, sondern der Hansestadt sogar ein Lied gewidmet: "In Lüneburg war Volksfest" singt Jürgens: "Und in Lüneburg war Volksfest und 'ne schöne Rauferei zwischen Freunden und Verwandten und der Polizei". Das durchaus kritische Lied sei allerdings keinesfalls als Kritik an der Salzstadt zu verstehen, sagt Hoffmann: "Es ist eine Liebeserklärung an die Stadt!

"Irgendwie auch ein bisschen Lüneburger"

Das habe er bei einem Konzert in der Nordlandhalle auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) versichert: "Lieber Herr Mädge, ich liebe Lüneburg. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe die letzten Kriegstage und die Hungerzeit nach dem Krieg hier erlebt. Lüneburg ist eine Konstante für mich und mein Lied eine Liebeserklärung", so habe Jürgens es erklärt. Mädge erklärte am Montag, Udo Jürgens habe mit seinen Liedern und Texten Menschen über Generationen hinweg berührt: "Ich selbst hatte das Vergnügen, ihn bei einem seiner früheren Konzerte in Lüneburg kennzulernen und war beeindruckt von seiner Persönlichkeit. Er hatte eine ehrliche und herzliche Art. Für mich und ich denke auch für einige andere war Udo Jürgens irgendwie auch ein bisschen Lüneburger."  

Der Lieblingsplatz an der Theke - quatschen bis um vier Uhr nachts

Sein Lieblingsplatz sei an einer Lüneburger Theke gewesen, erzählt sein Freund Hansi Hoffmann. Dort haben sie oft gemeinsam gesessen, wenn Jürgens in der Stadt war. Dort haben sie bis tief in die Nacht gesessen und Gespräche geführt - und immer habe es Sauerfleisch und Bier gegeben. "Das war wie eine Pflichtübung: Immer wenn er in Lüneburg war, gab es Sauerfleisch und Bratkartoffeln. Und es waren immer ereignisreiche Tage", erinnert sich der Fotograf. 50 Jahre lang verband sie eine Freundschaft, die sie gemeinsam durch Europa, Japan, Südamerika und die USA geführt habe.

Enge Verbindung zur Familie  

Auch zu seiner Tante aus Barendorf bei Lüneburg habe er immer Kontakt gehalten, sagt Hoffmann. Jürgens habe sie immer besucht, wenn er in der Nähe auftrat: "Auch wenn er in Hamburg ein Konzert gegeben hat, kam er danach für einen Abstecher nach Lüneburg, um mit seiner Tante in der 'Kutscherstube' gemeinsam zu essen und lange Zeit zu quatschen."

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Die Tochter ist die neue Rose

Im Juli kam dann eine neue Verbindung zwischen Jürgens und der Stadt Lüneburg hinzu: Seine Tochter Jenny, zu der er stets ein enges Verhältnis hatte, übernahm die Hauptrolle der Jana Greve in der ARD-Telenovela "Rote Rosen". Nach Angaben von Dieter Zurstraßen, dem Sprechers der Fernsehserie, sei Jenny Jürgens bereits nach Zürich gereist, um bei ihrer Familie zu sein. Die ganze "Rote Rosen"-Familie sei wie vom Schock getroffen, viele Kollegen hätten Jenny Jürgens auch bereits ihr Beileid bekundet, sagte Zurstraßen NDR 1 Niedersachsen: "Sie ist eine tolle, starke Frau und will ihre innere Mitte nun im Kreis ihrer Familie suchen."

"Es fällt mir schwer zu glauben, dass mein Jürgen tot ist"

Neben Fotograf Hoffmann hat der plötzliche Tod des Sängers noch eine andere Wegbegleiterin aus Lüneburg erschüttert. "Es fällt mir schwer zu glauben, dass mein Jürgen tot ist", sagt Dora Vogel, damals Dora Paul. Die heute 84-Jährige passte als junges Mädchen auf Jürgens und seine Geschwister auf. "Sein älterer Bruder war wild und spielte im Dorf mit den anderen Kindern. Udo verbrachte viel Zeit für sich, mit der Mundharmonika", erinnert sie sich. Drei Jahre lebte sie an der Seite der Familie Bockelmann in Barendorf, Jürgens Geburtsname ist Jürgen Udo Bockelmann. "Dann hat der Vater die Familie nach Österreich geholt." Auch Dora sollte mit, doch ihre Mutter wollte das nicht. "Unter dem Abschied habe ich furchtbar gelitten", sagt die Lüneburgerin. Aus den Augen verloren sich die beiden dennoch nie - sie besuchte seine Konzerte und er kam zum Kaffee, wenn er in der Gegend war.  

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 22.12.2014 | 13:00 Uhr

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