Diskussion um Böller: Lüneburgs OB gegen generelles Verbot

Stand: 20.11.2020 10:27 Uhr

Angesichts der anhaltend hohen Corona-Zahlen fordern Teile der Politik und die Polizeigewerkschaft ein generelles Böller-Verbot zu Silvester. Lüneburg Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) ist dagegen.

Auf NDR Info begründete Mädge diesen Standpunkt mit der fehlenden Durchsetzbarkeit eines solchen Verbots. "Man muss ja auch Verbote überwachen und das wird der Polizei und den Ordnungsdiensten nicht gelingen", sagte der SPD-Politiker im Interview.

Ulrich Mädge – Oberbürgermeister Lüneburg / Verhandlungsführer Arbeitgeberseite © Marlene Kukral Foto: Marlene Kukral
Lüneburgs Oberbürgermeister ist gegen ein generelles Böller-Verbot.

Mädge sprach sich dennoch für ein Teil-Verbot von Feuerwerkskörpern aus - und zwar in den Innenstädten und dort insbesondere auf Plätzen. Dort müsse man Böller verhindern, um Ansammlungen zu verhindern. "Unabhängig von Corona, haben wir das Problem, dass die Altstädte besonders geschützt werden müssen", sagte er auf NDR Info.

"In den Innenstädten werden wir es untersagen müssen"

Er selber würde als Oberbürgermeister in seiner Stadt kein zentrales Feuerwerk veranstalten. Auch diese Meinung habe er unabhängig von Corona. Mit Blick auf die Feinstaubentwicklung frage er sich jedes Jahr, wo die Eigenverantwortung auch der Menschen sei, die sonst immer ganz laut aufschreien, wenn Autos in die Stadt fahren - aber dann selbst Feuerwerkskörper an Silvester zündeten. "Also ich bin dafür, dass generell nicht geböllert wird, aber in den Innenstädten werden wir es untersagen müssen", sagte Mädge.

Aber wenn ein Einzelner Böller zünden würden, mit den geltenden Corona-Bestimmungen in diesem Jahr - dann werde man dies nicht verhindern können, weil man es nicht überwachen könne, so der SPD-Politiker.

Feuerwerk in Städten bedeute "Brandschutzgefahr"

Der Bürgermeister argumentierte vor allem mit der Brandschutzgefahr, die Böller in den Innenstädten bedeuten würden. "Wenn sie einmal dabei waren, welche Menschenansammlungen wir in den Innenstädten vor Corona hatten und was dort passiert - dann hat man Angst um seine Stadt und dass sie abbrennt", sagte Mädge. Er selbst sei "kein Freund" von Feuerwerkskörpern - er würde es nicht machen und auch allen Bekannten und seiner Familie empfehlen, es zu lassen. Aber wenn Menschen Feuerwerkskörper zünden wollen, dann sollen sie es machen.

Weitere Informationen
Silvesterfeuerwerk über der Altstadt von Stralsund. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Corona: Silvester-Feuerwerk verbieten, um Kliniken zu entlasten?

Die Polizeigewerkschaft spricht sich für ein Verbot aus, genau wie der SSW in Kiel - Innenminister Seehofer ist dagegen. mehr

Bloß: "Derjenige muss aber vor allem wissen, dass er damit Feinstaub erzeugt", sagte der SPD-Politiker. Und fügte hinzu: "Jeder ist für sein Tun verantwortlich, aber wir alle für diese eine Welt".

Er bezog sich im Zusammenhang damit auch auf die Fridays for Future-Bewegung und appellierte an die älteren Generationen. "Vielleicht muss man als Erwachsener auch ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen", sagte Lüneburgs OB.

Mädge erwartet Gesamtstrategie für den Winter

Mit Blick auf das nächste Treffen von Bund und Ländern, bei dem eine Gesamtstrategie für den Winter erwartet wird, äußerte sich Mädge auch: "Der Bund untersagt ja auch jetzt schon die Ansammlung auf öffentlichen Plätzen - das wird wahrscheinlich noch mal bekräftigt. Ich glaube aber nicht, dass man ein generelles Böller-Verbot aussprechen wird, denn das ist wie gesagt nicht händelbar." Dies sei genauso wie mit privaten Treffen - diese seien schon schwer genug für die Polizei zu kontrollieren. Von daher erwarte er vom Bund-Länder-Treffen nächste Woche keine Regelung zu den Silvester-Böllern in diesem Jahr.

Das Interview zum Nachhören
Ulrich Mädge – Oberbürgermeister Lüneburg / Verhandlungsführer Arbeitgeberseite © Marlene Kukral Foto: Marlene Kukral
4 Min

Mädge: "Ein Böller-Verbot kann nicht überwacht werden"

Zu laut, zu viel Feinstaub, zu viel Müll - und Corona: Diskutiert wird ein Böllerverbot zu Silvester. Lüneburgs OB Ulrich Mädge hält das für nicht durchsetzbar. 4 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 20.11.2020 | 08:55 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Die Gutachter René Werner und Nils Heidelberg schauen sich mit einem Messgerät den Schimmelbefall an einer Badezimmerwand an. © NDR Foto:  Torsten Oestermann

Stadtteil Kaltenmoor: Wo der Schimmel zur Untermiete wohnt

Viele Mieter in dem Lüneburger Stadtteil klagen über das Problem. Vom Vermieter Vonovia fühlen sie sich allein gelassen. mehr

Eine Hand zeigt auf einen Sticker auf dem für das Volksbegehren Artenschutz mit einer Biene und dem Slogan "Vielfalt schützen, Zukunft retten" geworben wird. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Volksbegehren Artenvielfalt nun endgültig erledigt

Sechs Wochen nach Beschluss des Naturschutz-Pakets "Niedersächsischer Weg" ist die umstrittene NABU-Aktion vom Tisch. mehr

Das Industriegebiet Stade-Bützfleth vor den Toren Hamburgs liegt am seeschifftiefen Wasser und ist somit der ideale Standort für ein LNG-Terminal. © NORD-LUFTBILDER.de Foto: Martin Elsen

Geplantes LNG-Terminal: Stade macht Werbung in eigener Sache

Die Region macht sich für den Standort bei Wirtschaftsminister Althusmann stark. Wilhelmshaven ist aus dem Rennen. mehr

Jeanshosen © colourbox

Gericht: Miete für Modegeschäft trotz Lockdowns fällig

Die Betreiberin eines Ladens in Celle hatte das Geld einbehalten. Das Landgericht Lüneburg entschied für den Vermieter. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen