Stand: 20.04.2018 19:50 Uhr

"Göhrde-Morde": 400 Fundstücke sichergestellt

Wie viele Morde gehen auf das Konto von Kurt-Werner Wichmann? Die Polizei hält ihn für den "Göhrde-Mörder", der 1989 zwei Paare tötete. Im selben Jahr soll er die 41-jährige Birgit M. umgebracht haben. Verbindungen zu zahlreichen weiteren ungeklärten Morden werden geprüft. War der Mann, der sich 1993 das Leben nahm, ein Serientäter gigantischen Ausmaßes? Auf der Suche nach Antworten hat die Polizei mehr als zwei Wochen lang Wichmanns ehemaliges Haus und Grundstück in Adendorf nahe Lüneburg durchkämmt. Jetzt ist die Suche abgeschlossen - die aufwendige Auswertung beginnt.

400 Gegenstände sichergestellt

Die Ermittler haben regelrecht jeden Stein umgedreht, einen ganzen Hang abgetragen. Einer der Räume im Haus wurde entkernt und auf Blutspuren untersucht. "Wir sind einigermaßen sicher: Wenn hier noch beweiserhebliche Gegenstände zu finden waren, haben wir sie gefunden", sagte Lüneburgs Polizeipräsident Robert Kruse am Freitag.

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"Göhrde-Morde": Ermittler durchkämmen Grundstück

Ermittler der Polizei Lüneburg durchkämmen gemeinsam mit niederländischen Polizisten und unterstützt von Spürhunden aus Kroatien das Grundstück des vermeintlichen "Göhrde-Mörders". Bildergalerie

Wichmann könnte Dutzende Morde begangen haben

400 Gegenstände stellten die Ermittler sicher. Diese werden jetzt im Landeskriminalamt untersucht. Die Hoffnung der Beamten ist es, einen Hinweis zu finden, der Wichmann mit weiteren Morden in Verbindung bringt - mehr als zwei Dutzend kommen infrage. Ein "intensiver Bewertungsprozess" stehe bevor, sagte Kruse. Unter den sichergestellten Dingen könne sich etwas befinden, das mit einer vor 30 oder 40 Jahren begangenen Tat im Zusammenhang stehe, momentan aber noch nicht zugeordnet werden könne. Erste Ergebnisse könnten in ein bis zwei Wochen vorliegen, schätzt der Polizeipräsident.

"Angehörige sind auch Opfer"

An der Suchaktion waren mehr als 30 Beamte beteiligt. Zudem wurden spezielle Suchhunde aus Kroatien eingesetzt, die Verwesungsgeruch wahrnehmen können. Experten aus den Niederlanden suchten den Garten mit Metalldetektoren ab. Die Kosten der Aktion schätzt Kruse auf mehrere Hunderttausend Euro. Ein Aufwand, der sich lohne, sagte Jürgen Schubbert, Leiter der Ermittlungsgruppe "Göhrde": "Bei ungeklärten Tötungsdelikten und Vermisstenfällen sind viele Angehörige betroffen. Diese sind auch Opfer." Deshalb seien Maßnahmen wie die in Lüneburg auch dann noch wichtig, wenn der mutmaßliche Täter längst tot sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 20.04.2018 | 17:00 Uhr

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