Journalisten stehen zu Prozessbeginn im Saal des Landgerichts Lüneburg. © Philipp Schulze/dpa Foto: Philipp Schulze

19-Jährige getötet: Angeklagter legt Geständnis ab

Stand: 24.06.2021 14:17 Uhr

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 19-Jährigen hat der gleichaltrige Angeklagte die Tat vor dem Landgericht Lüneburg eingeräumt. Er habe seine Ex-Freundin im Januar in ihrem Auto erstochen.

Sein Verteidiger verlas am zweiten Prozesstag am Donnerstag eine entsprechende Erklärung. Demnach habe ihm die 19-Jährige Vorwürfe gemacht, dass er unzuverlässig sei und sich nicht ausreichend um sie gekümmert habe. "Sie redete auf mich ein, es wurde immer verletzender", hieß es in der Aussage des jungen Mannes. Dann sei ihm schwarz vor Augen geworden. Bis heute sei ihm unbegreiflich, dass er die Kontrolle verloren habe. Ein Messer habe in der Ablage des Autos gelegen, er habe es aber nicht mitgebracht, hieß es weiter.

Vater der 19-Jährigen ist fassungslos

Die Tat tue ihm unendlich leid, so der Angeklagte laut der Erklärung. Er werde sie sich nie verzeihen können. Bei der Familie des Opfers, in der er oft zu Gast war, entschuldigte er sich aber nicht explizit. Der Vater der Getöteten beschrieb den Angeklagten als hilfsbereiten Menschen, er sei der erste Freund der Tochter gewesen. "Er war nett, zuvorkommend, bemüht in der Familie dazuzugehören", sagte der 55-Jährige. Über die Vorwürfe im Geständnis des Beschuldigten sei er erschrocken gewesen: "Das ist nicht meine Tochter", sagte er auf Nachfrage eines Psychiaters. Seine Tochter sei ein liebevoller, fröhlicher und auch rücksichtsvoller Mensch gewesen.

Opfer erlitt fast 40 Stichverletzungen

Der junge Mann ist wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft hatte er die bei dem Gespräch in ihrem Auto ausgesprochene Trennung nicht akzeptieren wollen und der jungen Frau aus Wut mehrere Stiche beigebracht. Ein Küchenmesser war wenig später in der Nähe des Tatorts auf einem Parkplatz gefunden worden. Ein Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg hatte am ersten Verhandlungstag detailliert die 40 Stichverletzungen am Körper der 19 Jahre alten Gymnasiastin aus Lüneburg geschildert.

Vater fand leblose Tochter im Auto

Nicht ins Bild gepasst hätten extrem tiefe Pulsaderschnitte, die nur wenig geblutet hätten. Dies spreche für eine postmortale Verletzung. Ein vorgetäuschter Suizidversuch sei nicht auszuschließen, sagte der Mediziner. Der Vater hatte seine Tochter, die kurz vor dem Abitur stand, Mitte Januar leblos und blutüberströmt im Auto auf einem privaten Parkplatz gefunden. Er hatte nach ihr gesucht, weil sie von ihrem Job in einem Lokal am Abend nicht nach Hause gekommen war. Die Jugendkammer hat für den Prozess zunächst 13 Verhandlungstage anberaumt.

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Lüneburg: Polizisten stehen in einer Straße nahe des Parkplatzes, auf dem eine Frauenleiche in einem Auto gefunden wurde. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Getötete Frau in Lüneburg: Mordverdacht gegen 19-Jährigen

Die Staatsanwaltschaft hat Antrag auf Haftbefehl gestellt. Der Tatverdächtige war am Dienstag festgenommen worden. (20.01.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 24.06.2021 | 15:00 Uhr

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