Fachkräftemangel in Niedersachsen - das wollen die Parteien

Stand: 21.08.2022 09:34 Uhr

Personal fehlt, Stellen können nicht besetzt werden: Der Fachkräftemangel wird sich künftig noch weiter verstärken. Wie wollen die Parteien das Problem in den kommenden fünf Jahren angehen?

von Mandy Sarti

SPD

Jugendliche in der handwerklichen Berufsausbildung. © Fotolia.com Foto: industrieblick
Um für eine berufliche Laufbahn zu werben, will die SPD Schulen und Betriebe vernetzen. (Themenbild)

  • Um dem Fachkräftemangel zu entgegenzuwirken, halten die Sozialdemokraten es für nötig, dass der Arbeitsmarkt neu geordnet wird. Die Partei will deshalb einen Masterplan "Gute Arbeit" auf den Weg bringen. Laut Wahlprogramm sollen Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessert werden. Daneben braucht es nach Auffassung der SPD moderne Weiterbildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten. Auch flexible Arbeitszeitmodelle sollen mitgedacht werden.

  • Die SPD will die Tarifbindung in den nächsten Jahren weiter stärken.

  • Um bei Schülerinnen und Schülern nicht nur für die akademische, sondern auch für die berufliche Laufbahn zu werben, setzt die Partei auf Vernetzung von Schulen und Betrieben.

  • Die Sozialdemokraten wollen darüber hinaus ein Fachkräfteservicecenter etablieren. Das Center soll zentrale Anlaufstelle für die Unternehmen werden.

  • Die SPD setzt auch auf Arbeitsmarktzuwanderung durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Die Qualifizierung und Integration von Zugewanderten in Handwerksbetriebe soll weiter finanziell unterstützt werden.

  • Daneben steht das Programm "Weiterbildung in Niedersachsen" im Fokus. Damit soll kleinere und mittelständische Unternehmen dabei geholfen werden, ihr Personal sinnvoll zu qualifizieren, heißt es in dem Wahlprogramm. Die SPD will für den Transformationsprozess der Wirtschaft zudem eine Weiterbildungsstrategie auf den Weg bringen

  • Alle Lehrkräfte sollen nach A13 bezahlt werden. Die SPD setzt sich zudem für die Erleichterung des Quereinstiegs ein.

CDU

Eine Pflegefachkraft geht mit einer Bewohnerin durch das Seniorenheim "Mein Zuhause Nienburg". © picture alliance/dpa Foto: Sina Schuldt
Die CDU will ein eigenes Programm auf den Weg bringen, um Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen. (Themenbild)

  • Die Christdemokraten sehen in der Um- und Neuqualifizierung eine Lösungsmöglichkeit für den Fachkräftemangel. Deshalb wollen sie die betriebliche Weiter- und Fortbildung neu aufstellen: Konkret sollen Berufsschulen, Hochschulen und Erwachsenenbildung besser vernetzt werden. Zusätzlich will die CDU auf betriebliche Weiterbildung setzen - davon verspricht sie sich sichere Arbeitsplätze.

  • Von der Digitalisierung erhofft sich die CDU nicht nur den Zugriff auf unterschiedlichste Lehrmaterialien, sondern auch die Vernetzung der unterschiedlichsten Akteurinnen und Akteure der Weiterbildung.

  • Auch die CDU will die Fachkräftesicherung koordinieren. Sie plant die "Fachkräfteinitiative Niedersachsen", mit diesem Monitoring will die CDU den Bedarf frühzeitig erkennen und rechtzeitig Angebote schaffen.

  • Für die Pflege will die CDU ein eigenes Programm zur Gewinnung von neuen Fachkräften auf den Weg bringen. Konkret sollen in den kommenden fünf Jahren 5.000 Pflegekräfte gewonnen werden. Das Programm soll von der/dem neuen Pflegebeauftragten geleitet werden.

  • Die Christdemokraten wollen die Bedarfsplanung noch effizienter gestalten. Um trotz langer Studienzeit über zusätzliches Personal zu verfügen, setzt die CDU auf eine ressortübergreifende Bedarfsplanung. Zudem soll im Rahmen der Fachkräfteinitiative Niedersachsen auch ein Austausch von Mittelstand und Handwerk mit den ausbildenden Hochschulen stattfinden.

  • Auch der Zugang zu Hochschulstudiengängen ist für die CDU entscheidend. Sie will laut Wahlprogramm Meisterinnen und Meistern das Studium erleichtern.

  • Die Christdemokraten setzen sich zudem für eine gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften ein. Studien- und Berufsabschlüsse aus dem Ausland sollen leichter anerkannt werden.

Grüne

Eine Erzieherin spielt in einer Kita mit einem Kind. © picture alliance/dpa/Swen Pförtner Foto: Swen Pförtner
Die Grünen wollen Erzieherinnen und Erzieher in der Ausbildung "armutsfest" bezahlen. (Themenbild)

  • Die Grünen stehen für die zügige Anerkennung von Studien- und Ausbildungsabschlüssen aus dem Ausland.

  • Daneben sehen sie vor allem in der dualen Berufsausbildung einen wichtigen Schritt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Allerdings sinkt der Anteil der Menschen, die sich für eine duale Berufsausbildung entscheiden. Die Grünen wollen deshalb den Stellenwert innerhalb der Gesellschaft verbessern. Dazu will die Partei die Ausbildung aufwerten - etwa mit dem 365-Euro-Ticket und Auszubildendenwohnheimen. Zudem will sie die Meisterausbildung gebührenfrei gestalten.

  • Angehende Erzieherinnen und Erzieher sollen eine "armutsfeste" Ausbildungsvergütung erhalten.

  • Das Schulgeld für Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger und medizinische Bademeisterinnen und Bademeister soll entfallen.

  • Die Grünen wollen 200 neue Medizinstudienplätze schaffen.

  • Um einen realistischen Überblick über den Fachkräftemangel in Schulen zu bekommen, setzen sich die Grünen für eine Lehrkräftebedarfsanalyse ein.

FDP

Ein Mann sieht auf einem Laptop einen Arzt. © fotolia Foto: Andrey Popov
Mithilfe von telemedizinischen Angeboten will die FDP gegen den Landarztmangel angehen. (Themenbild)

  • Einwanderung ist für die Liberalen ein Faktor, um den Arbeitsmarkt zu sichern. Sie fordern ein neues Einwanderungsgesetz mit einem Punktesystem. Der Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft müsse erleichtert werden, heißt es in dem Programm.

  • Die Liberalen setzen sich ebenfalls für die Anerkennung von Ausbildungs- und Studienabschlüssen ein.

  • Mithilfe von telemedizinische Angeboten und einer stärkeren Implementierung des Berufsbildes ins Studium will sie den Landarztmangel beheben.

  • Um dem Pflegenotstand zu begegnen, will die FDP die Arbeitsbedingungen verbessern: Verlässlichere Dienstpläne, regelmäßige Pausen und gesicherte Kinderbetreuung.

AfD

Eine Auszubildene schaut sich ein Stück Metall an. © dpa-Bildfunk Foto: Marcus Brandt
Einen Grund für den Fachkräftemangel sieht die AfD in der Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte ins Ausland. (Themenbild)

  • Die AfD ist nicht der Überzeugung, dass es einen generellen Fachkräftemangel gibt - sie sieht das Problem nur in einigen Bereichen. Als Grund führt die Partei unter anderem die Abwanderung "gut ausgebildeter" Arbeitskräfte ins EU-Ausland an.

  • Die AfD will das duale Ausbildungssystem stärken.

  • In der Pflege sollen die Rahmenbedingungen verbessert werden: Damit das gelingt, will sich die AfD dafür einsetzen, dass die Gehälter in bundeseinheitlichen Tarifen festgelegt werden.

  • Die AfD ist der Überzeugung, dass Fachkräfte aus dem Ausland den Fachkräftemangel nicht beheben. Sie ist zudem der Überzeugung, dass die Arbeit nur dann gelingen kann, wenn Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte Deutsch in Schrift und Sprache einwandfrei beherrschen.

Die Linke

  • Die Linke plant eine Einstellungsoffensive für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Therapeutinnen und Therapeuten sowie technisches Personal. Damit sollen landesweit mindestens 7.500 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden. Darüber hinaus sollen die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte angehoben werden. Eine konkrete Zahl lässt die Partei allerdings offen. Um den Fachkräftemangel im Rettungswesen nicht weiter zu verschärfen, soll eine unabhängige Fachkommission den Finanzbedarf festsetzen. So soll dafür gesorgt werden, dass Rettungsdienste überlastet und nicht ausreichend mit Geldern versorgt werden.

  • Auch in der Pflege soll die Situation verbessert werden: Die Linke will die Pflegeberufe mit einer tariflichen Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen aufwerten. Zudem sollen mehr Pflegekräfte eingestellt und ausgebildet werden.

  • Die Linke will die Ausbildung wieder beliebter machen: Deshalb setzt sie sich dafür ein, dass alle Auszubildenden nach dem Mindestlohn bezahlt werden. Praktikantinnen und Praktikanten sollen zudem eine Aufwandsentschädigung erhalten. Erzieherinnen und Erzieher sollen eine Ausbildungsvergütung erhalten.

 

So positionieren sich die Parteien zu weiteren Themen:

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 23.08.2022 | 19:30 Uhr

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