Stand: 08.07.2020 11:14 Uhr  - N-JOY

Tonbandgerät: "Ich will Sommer ohne Wolken"

von Daniel Sprenger

Tonbandgerät traten 2015 beim Hurricane Festival auf. Ihr Konzert stand beim Hurricane virtuell 2020 auf dem Programm. NDR.de übertrug in Zusammenarbeit mit ARTE vom 19. bis 21. Juni 2020 viele Konzerte im Videostream.

Festival-Bericht vom Hurricane-Auftritt 2015

Nachdem das Chaos mit den nicht richtig funktionierenden Bezahlchips an den Festivalbändchen endgültig behoben ist, steht am zweiten Tag des Hurricane Festivals 2015 in Scheeßel nur noch Musik im Vordergrund. Langes Schlangestehen und Warten ist vorbei. Wirklich? Nicht ganz, aber in diesem Fall wartet man nicht auf die Freischaltung des Chips, sondern auf die erste Band nach Öffnung des Geländes am Mittag.

Erster Song vom Tontechniker beim Soundcheck

Der erste Auftritt auf der Blue Stage verzögert sich nämlich: Statt um 12.30 Uhr spielen Tonbandgerät erst um 13.35 Uhr. Der Grund: Hoffmaestro, die eigentlich für einen späteren Zeitpunkt gebucht waren, stehen im Stau und schaffen es nicht zum Konzert. Also harren die Fans eine Stunde zusätzlich vor der Bühne aus - bekommen dafür aber schon beim Soundcheck einiges geboten. So besteht der Mikrofoncheck nicht nur aus monotonem "One, two, one two, Test, Test, Test"-Geplapper, sondern bereits aus einem Lied. Der Techniker stimmt zunächst auf der Gitarre einige Akkorde von Ronan Keatings "When You Say Nothing at All" an, da gibt es bereits den ersten Applaus. Völlig aus dem Häuschen sind die Fans, als der Techniker dann auch noch mehrere Strophen singt.

Akustik-Version zur Verkürzung der Wartezeit

Die gleiche Entspanntheit und Zugewandtheit zum Publikum legen dann auch Tonbandgerät an den Tag, als sie mit einer Akustik-Version von "Superman" bereits vor dem offiziellen Start erstmals vor das Publikum treten. Wer so lange warte, habe doch schon mal einen Song verdient, sagt Sänger Ole Specht. Als dann um Punkt 13.35 Uhr - schließlich ist man ja auf einem streng durchgetakteten Festival - gekommen ist, geht's dann so richtig los: Mit ihrem älteren Song "Halbmond" und "Der Fehler in mir" vom neuen Album "Wenn das Feuerwerk landet".

Songs aus neuem Album

"Wer war letztes Jahr schon da?", fragt Ole - und so manch einer reckt seinen Arm nach oben - ein guter Moment, auf das im Mai erschienene Album hinzuweisen und deutlich zu machen, dass in dem Jahr seit dem letzten Auftritt auf dem Hurricane so einige weitere festivalkompatible Songs neu ins Repertoire der Hamburger Band gekommen sind. Später gibt es etwa noch "Deine Tasche riecht nach Schwimmbad" - "Ich bin froh, diesen Song jetzt im Sommer spielen zu können", sagt Ole. Wobei Sommer? Immerhin regnet es am Sonnabend nicht in Scheeßel.

Unbändige Freude ist der Band anzumerken

Den Musikern, auch den beiden Poppensieker-Schwestern Sophia (an der Gitarre) und Isa (am Bass), ist die unbändige Freude, vor so vielen Menschen spielen zu können, in jeder Minute anzumerken. Da ist nichts gekünstelt, da wird eigentlich ständig bis über beide Backen gelacht und sich gefreut, dass das Publikum die Hände rhythmisch schwingt oder gemeinsam mit der Band die Refrains anstimmt. Die jungen Musiker erinnern sich noch lebhaft daran, wie sie auf der anderen Seite standen. "Das Hurricane ist das Festival, wo wir unsere Jugend verbracht und das erste Mal geknutscht haben", erinnert sich Ole. "Aber nicht miteinander", stellt er schnell klar. Und Champions im Flunkyball seien sie damals auch geworden.

"Wir wollen Sommer ohne Wolken"

Leider steht die Band nur eine gute halbe Stunde auf der Bühne, obwohl sie dank des Ausfalls von Hoffmaestro durchaus noch mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätte. Aber für die Songs "Alles geht" und "Hirngespinste" ist noch ausreichend Zeit. Ebenso wie für "Auf drei". "Wir wollen Sommer ohne Wolken", heißt eine Textzeile darin - das wollen die Festivalbesucher nach dem regnerischen ersten Abend mit dem Headliner Placebo auch. Und der Wunsch scheint erfüllt zu werden, am Nachmittag kommt die Sonne raus. Zeit die Jacken auszuziehen und die Sonnenbrillen aufzusetzen. Und zum Abschluss noch einmal bei "Irgendwie anders" mit Tonbandgerät und ihrem größten Hit, der sie bundesweit bekannt machte, abzurocken.

Schietwetter - aber ey: Zimtschnecken!

Und falls es doch mal wieder ungemütlicher werden sollte: Auf der Verpflegungsmeile, die 2015 erstmals auch mit vielen Foodtrucks bestückt ist, gibt es kulinarische Abhilfe. Ein Stand mit klebrigen Süßigkeiten wirbt wie folgt: "Schiet Wetter - aber ey: Zimtschnecken!"

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | 19.06.2020 | 14:00 Uhr