Stand: 11.11.2018 19:25 Uhr

Landesbischof predigt in England Versöhnung

Etwa 2.000 Gläubige haben am Sonntag im englischen Ripon den Worten des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister beim Gedenkgottesdienst zum Ende des Ersten Weltkrieges gelauscht. In seiner Predigt in der Riponer Kathedrale fand Meister versöhnende, aber auch mahnende Worte und rief Europa auf, sich noch stärker für den Frieden einzusetzen. "Nationalismus und Grenzziehung sind keine Instrumente für eine friedliche Zukunft", betonte der evangelisch-lutherische Landesbischof. Was vor einhundert Jahren passiert sei, dürfe nicht in Vergessenheit geraten. "Es gibt eine ganz starke Mahnung aus der Vergangenheit", so Meister.

Meister: "Mein Großvater zog mit Begeisterung in den Krieg"

Auch in seiner Familie habe der Erste Weltkrieg eine Rolle gespielt, sagte der Landesbischof in seiner Predigt. Sein Großvater sei als 17-Jähriger mit Begeisterung in den Krieg gezogen und später vom Giftgas schwer verletzt heimgekehrt. "Dieser Krieg bleibt auch in dritter und vierter Generation noch lebendig. Er lebt in unseren Erinnerungen und im Gedenken an die Opfer." Nicht zuletzt der Brexit in Großbritannien zeige, wie wichtig eine stabile, friedvolle, europäische Gemeinschaft sei. Denn überall in Europa mehrten sich nationalistische Stimmen. "Man befeuert Abgrenzung", kritisiert der Landesbischof.

Leeds und Hannover pflegen langjährige Partnerschaft

Der Versöhnungsreise von Meister nach England liegt eine langjährige Freundschaft mit dem Bischof von Leeds, Nick Baines, zugrunde. "Wir wollen unsere Verbindung stärken, jetzt wo in Europa vieles unsicher ist", sagte Baines vor dem Gedenkgottesdienst. "Der Brexit ist hier so oft Thema und wenn es nach den britischen Bischöfen geht, wäre es dazu nicht gekommen." Aufgabe der Kirchen sei es, auch weiterhin Brücken zu bauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Begleitet wurde die Reise des Bischofs vom Mädchenchor Hannover, der den Gottesdienst musikalisch mitgestaltete und bereits am Sonnabend ein Friedenskonzert gegeben hatte.

Videos
03:44
Kirche im NDR

"Tief berührt von Glaubenstreue und Hoffnung"

Kirche im NDR

Auf Reisen nach Indien und in den Libanon hat Bischof Meister Menschen getroffen, die trotz Armut und Zerstörung ihren Glauben nicht verlieren. Er sei beeindruckt von der Hoffnung. Video (03:44 min)

Meister: "Schuld anerkennen, Verletzungen wahrnehmen"

In Großbritannien gilt der Erste Weltkrieg noch heute als der "große Krieg". Meister sagte, schon seit Jahren gebe es eine intensive Partnerschaft zwischen Leeds und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Entstanden ist diese durch die sogenannte Meissen-Kommission, einer Gemeinschaftsorganisation der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Church of England. Dieser Kommission sitzt Meister gemeinsam mit Bischof Baines vor. Mithilfe dieser Organisation wollen die beiden Kirchen das Verständnis füreinander und die Verbundenheit miteinander stärken.

Zwei Machtblöcke spalten Europa

1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, nachdem Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau in Sarajevo ermordet worden waren. Es entstanden zwei Machtblöcke in Europa. Deutschlands Kaiser Wilhelm II. stellte sich auf die Seite Österreich-Ungarns. Bulgarien und das Osmanische Reich schlossen sich an. Den Mittelmächten standen Frankreich, das Vereinigte Königreich, Russland, Belgien, Italien, die USA und weitere Länder gegenüber. Der Krieg endete am 11. November 1918 mit dem Waffenstillstand von Compiègne. Die vier Kriegsjahre forderten 20 Millionen Todesopfer und ebenso viele Verletzte.

Weitere Informationen

Ralf Meister ist neuer Leitender Bischof der VELKD

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) hat einen neuen Leitenden Bischof: Der hannoversche Bischof Ralf Meister wurde am Freitag gewählt. (09.11.2018) mehr

Vom Kriegsrausch zum Massensterben

Am 1. August 1914 erklärt Deutschland Russland den Krieg. Der Erste Weltkrieg beginnt. Anfangs jubeln viele Deutsche - auch im Norden. Doch bald macht sich Ernüchterung breit. (09.02.2017) mehr

"Wie lange soll das Morden noch dauern?"

Briefe eines Hamburger Soldaten, Bilder von Kriegsgefangenen in Niedersachsen und eine Liebe in Mecklenburg: NDR.de hat im Internetportal zum Ersten Weltkrieg, Europeana, gestöbert. (17.02.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.11.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:59
Hallo Niedersachsen

Schneekanonen im Harz laufen auf Hochtouren

14.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:02
Hallo Niedersachsen

Nach Klinik-Aus: Bürger halten 200. Mahnwache ab

14.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:58
Hallo Niedersachsen

"Hand in Hand": Prominente am Spendentelefon

14.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen