Stand: 07.04.2019 17:00 Uhr  - Hallo Niedersachsen

IS-Familien: LKA fordert Standards bei Rückholung

von Angelika Henkel

Die Rückkehr von IS-Familien nach Deutschland soll nach einheitlichen Standards verlaufen. Das fordert der Präsident des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA) mit Blick auf die Kinder solcher Familien. "Jedes Kind muss standardisiert psychologisch begutachtet werden", sagte Behördenleiter Friedo de Vries dem NDR. "Wir müssen davon ausgehen, dass diese Kinder durch die Zeiten im Kriegsgebiet schwer traumatisiert sind und professionelle Hilfe brauchen." Außerdem fordert de Vries eine Prüfung, ob das Kindeswohl in solchen Familien gewährleistet ist. Seine Befürchtung: Eine Integration der Kinder in die Gesellschaft könnte durch radikalisierte Eltern verhindert werden. In die Wege leiten müssten so eine Prüfung die jeweiligen Gesundheitsämter.

IS-Familien: Wie mit Rückkehrern umgehen?

Hallo Niedersachsen -

LKA-Präsident de Vries hat sich im NDR dafür ausgesprochen, dass die Rückkehr von IS-Familien nach einheitlichen Standards abläuft. Insbesondere das Kindeswohl müsse geprüft werden.

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Fäden laufen bei Kompetenzstelle zusammen

Alle Rückkehrer würden intensiv vom LKA bewertet - hinsichtlich möglicher Strafverfahren, aber auch hinsichtlich möglicher Gefahren, die von ihnen ausgehen. Eine dritte wichtige Säule sei allerdings die Prävention, betonte de Vries im Interview mit dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. In Niedersachsen gehen das Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz einen für Sicherheitsbehörden außergewöhnlichen Weg. Die "Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen" (KIPNI) mit mehr als 20 Mitarbeitern in beiden Behörden bemüht sich um eine Vernetzung all jener, die mit islamistischen Familien in Kontakt kommen: Je nach Fall können das die örtliche Polizeidienststellen, Jugend- und Arbeitsämter, aber auch Schulen und Kindergärten sein.

Integration von Kindern in Schule und Kita

"Bei einer Frau, die mit ihren Kindern vom IS zurückkommt, werden wir versuchen, sie aus der islamistischen Szene herauszuholen", sagt Andreas Schwegel, Geschäftsführer der KIPNI beim Landeskriminalamt. "Bei den Kindern geht es darum, dass sie nicht nur im Umfeld der Mutter 'glucken', sondern dass sie in der Schule oder in Kindergärten die Chance haben, zu einem ganz normalen Leben zu finden."

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Austausch über konkrete Fälle

Das KIPNI-Team besteht aus Ausstiegshelfern und Psychologen, Islamwissenschaftlern und Ermittlern. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Konferenzen, bei denen es um den Austausch über konkrete Fälle geht: 120 solcher Besprechungen hat es seit der Gründung 2017 bereits gegeben. Ziel ist es, so viele Informationen wie rechtlich möglich mit Beteiligten vor Ort austauschen und gemeinsame Strategien entwickeln. Daniela Schlicht, auf Seiten des niedersächsischen Verfassungsschutzes für KIPNI verantwortlich, sagte dem NDR: "Es geht im Grunde um das komplette, soziale oder professionelle Umfeld, das Steine in den Weg legen kann, das aber auch gleichzeitig die Türen öffnen kann, um einen Neustart zu ermöglichen."

Genaue Zahl der Rückkehrer ist unklar

Wie viele Personen aus der Haft in Nordsyrien nach Niedersachsen kommen werden, das ist noch offen, sagt LKA-Chef de Vries. Er gehe von einer niedrigen Zahl im ein- bis zweistelligen Bereich aus. Nach Informationen des NDR hielten sich zuletzt mehr als 20 Männer und Frauen aus Niedersachsen in Syrien auf, die sich in den vergangenen Jahren dem IS angeschlossen hatten. Die Sicherheitsbehörden gehen von 26 Kindern aus. Justizministerin Barbara Havliza (CDU) sagte dem NDR, ob man wolle oder nicht, Deutschland sei zu einer Rücknahme deutscher Staatsbürger völkerrechtlich verpflichtet.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 07.04.2019 | 19:30 Uhr

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