Stand: 15.09.2020 15:02 Uhr

Holocaust relativiert: Pastor verlässt Gemeinde

Ein Kreuz ragt vor bewölktem Himmel in die Höhe. © Picture Alliance Foto: Lino Mirgeler
Weil er den Holocasut relativierte, muss der Alfelder Pator nun seine Gemeinde verlassen. (Themenbild)

Nach umstrittenen Äußerungen zum Holocaust muss ein evangelischer Pastor die Kirchengemeinde St. Nicolai in Alfeld (Landkreis Hildesheim) verlassen. Der Geistliche hatte in einer unveröffentlichten Andacht für die "Alfelder Zeitung" und die "Leine-Deister-Zeitung" den Holocaust mit Verweis auf andere Völkermorde relativiert. Die Zeitungen hatten den Text nach Rücksprache mit den Vorgesetzten des Pastors jedoch nicht veröffentlicht. Der Text sei "unerträglich", sagte die Alfelder Super-Intendentin Katharina Henking. Er relativiere "die Singularität des Holocaust mit dem Verweis auf etliche andere Völkermorde und die dezidierte Auflistung der Zahl der Ermordeten in anderen Ländern und unter totalitären Regimen". Beim "Wort zum Sonntag" habe ein Pastor das öffentliche Amt der Verkündigung inne und stehe in besonderer Verantwortung für die Gemeinde, betonte sie.

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Abschied nach 18 Jahren

Der Pastor soll am 27. September verabschiedet werden - nach 18 Jahren in der Gemeinde. Ab 1. November soll der 56-Jährige dann außerhalb des Sprengels Hildesheim-Göttingen eingesetzt werden.

Landeskirche: "Bis auf weiteres keine Gemeindepfarrstelle"

Der Mann werde bis auf weiteres keine Gemeindepfarrstelle übernehmen, hieß es von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die Kirche distanzierte sich "in aller Form" von dem Andachtstext. "Eine Formulierung, die auch nur den Anschein erweckt, dass sie den Holocaust relativiert, ist für uns in keiner Weise tragbar", sagte Sprecher Benjamin Simon-Hinkelmann. In der Verfassung der Landeskirche werde klargestellt, dass die Kirche um die Schuld gegenüber Jüdinnen und Juden wisse und eine besondere Verantwortung trage, jeder Form des Antisemitismus eindeutig entgegenzutreten.

Das Landeskirchenamt in Hannover hat eine dienstrechtliche Prüfung eingeleitet. Dabei geht es darum, inwieweit der Text auch eine Verletzung der Amtspflicht darstelle. Diese würde eine Disziplinarverfahren nach sich ziehen.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Hannover | 15.09.2020 | 17:00 Uhr

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