Stand: 01.04.2019 09:57 Uhr

Ein Jahr danach: Der Fall "Chico" und die Justiz

Die Geschichte um "Chico" ist eigentlich vor fast genau einem Jahr zu Ende gegangen, am 16. April 2018, als der Staffordshire-Mischling eingeschläfert wurde. Aber so ganz beendet ist der Fall auch nicht ein Jahr nach dem Tod des Hundes, der am 3. April 2018 seinen Halter und dessen Mutter in einer Wohnung in Hannover getötet hatte. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat ein Verfahren in dem Fall nach München abgegeben, eines wurde eingestellt und eines läuft noch.

Hätte vorher reagiert werden müssen?

Das Verfahren, das noch nicht abgeschlossen ist, richtet sich gegen zwei Mitarbeiter der Stadt Hannover, genauer: des Veterinäramtes. Hannovers Stadtrat Axel von der Ohe sagte im April 2018 bei einer Pressekonferenz, dass seit dem Jahr 2011 "eindeutige Anhaltspunkte für gesteigerte Aggressivität des Hundes und mangelnde Eignung des Eigners" vorgelegen hätten. Die Anklagebehörde prüft, ob diese Mitarbeiter wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden - immer noch. Zeugen würden vernommen, Anwälte gehört. Das sagte Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft, NDR.de. "Es wird geprüft, ob nicht vorher schon hätte reagiert werden müssen. Ob der Hund hätte aus der Familie genommen werden müssen", so der Sprecher weiter.

Staatsanwaltschaft: "Auffassung hat sich bestätigt"

Wann diese Prüfung beendet sein könnte, dazu wollte er sich nicht äußern. Weiter ist die Staatsanwaltschaft dagegen im Fall der Anzeigen von mehreren Privatpersonen wegen der Einschläferung von "Chico". Geprüft wurde hier, ob ein Fall von Tierquälerei nach dem Tierschutzgesetz vorliegt. "Unsere Auffassung hat sich bestätigt", so Klinge: Ein Sachverständiger habe den Hund zuvor untersucht und war zu dem Urteil gekommen, dass er eine Gefahr darstelle.

Keine rechtswidrige Handlung von Stadtangestellten?

Der Hund hätte nie in eine andere Familie kommen können. Er hätte den Rest seines Lebens sozial völlig isoliert verbringen müssen, so das Ergebnis der Untersuchung. Weiterhin, so Klinge, habe die Staatsanwaltschaft keine rechtswidrige Handlung vonseiten der Stadtmitarbeiter feststellen können. Deshalb wurde das Verfahren eingestellt. "Das kann es doch auch nicht sein, dass wir auf der einen Seite wegen fahrlässiger Tötung ermitteln und auf der anderen Seite wegen Tierquälerei. In einem Fall", so Klinge.

Shitstorm und Mahnwache - wegen "Chico"

Bleibt Verfahren Nummer drei. Dazu ein kurzer Blick zurück: Die Ankündigung, dass der Hund eingeschläfert werden soll, sorgte für viel Aufregung in sozialen Netzwerken und im echten Leben. Eine Mahnwache wurde organisiert, dazu brach ein Shitstorm im Internet los. Ein Post der Tierrechts-Aktivisten von "Animal Peace" am 16. April 2018 auf Facebook lautete: "Chico wurde heute ermordet". Und etwas später: "Tod den Entscheidungsträgern! Wir fordern die Todesstrafe für die verantwortlichen unberechenbaren Mörder". Aufgezählt wurden die Stadt Hannover, die Tiermedizinische Hochschule, das Tierheim sowie das Landwirtschaftsministerium.

Fordern der Todesstrafe "nicht ausreichend"

Hier wurde geprüft, inwieweit diese Botschaften tatsächlich Aufforderung zu Straftaten darstellen. "Animal Peace" hat seinen Sitz in München, deshalb gab die Staatsanwaltschaft Hannover dieses Verfahren an die Kollegen in Bayern ab. Diese stellten das Verfahren ein, da sie keine Konkretisierung der Tat erkennen konnten. Wörtlich hieß es gegenüber NDR.de: "Den (...) Sachverhalten war insbesondere kein Androhen einer Straftat zu entnehmen, da die Beschuldigte nicht vorgegeben bzw. dargestellt hat, selbst auf eine etwaige Tötungshandlung Einfluss nehmen zu können. Das Fordern der Todesstrafe ist nicht ausreichend."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.04.2019 | 09:30 Uhr

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