Stand: 20.09.2020 13:38 Uhr

Celle: Ermittlungen gegen 94-jährigen Ex-KZ-Wächter

Die Aufschrift "Oberlandesgericht Generalstaatsanwaltschaft Nds. Anwaltsgerichtshof" steht vor dem Eingang des Oberlandesgerichts. © dpa-Bildfunk Foto: Silas Stein/dpa
Die Generalstaatsanwaltschaft Celle beschäftigt sich mit dem Fall des früheren KZ-Wachmanns.

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hat die Ermittlungen gegen einen früheren KZ-Wachmann übernommen. Der Mann lebt in den USA und soll nach Deutschland abgeschoben werden. Dem 94-Jährigen Friedrich Karl B. wird vorgeworfen, in einem Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme bei Meppen (Landkreis Emsland) kurz vor Kriegsende 1945 Beihilfe zum Mord an Gefangenen geleistet zu haben.

Weiteres Vorgehen noch unklar

Das niedersächsische Justizministerium habe die Behörde mit dem Verfahren betraut, weil es in Celle besondere Erfahrung mit der Bearbeitung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen gebe, sagte ein Sprecher. Noch sei die Sichtung der Akten allerdings nicht abgeschlossen, erst dann werde über das weitere Vorgehen in Deutschland entschieden. Im Februar hatte ein US-Gericht die Abschiebung des Deutschen angeordnet.

70 tote Häftlinge bei Marsch nach Neuengamme

Nach Angaben des US-Justizministeriums soll der 94-Jährige die Vereinigten Staaten verlassen, weil er 1945 freiwillig als bewaffneter Gefängniswächter in einem Konzentrationslager gedient und damit das Vorgehen des Nazi-Regimes unterstützt habe. Der Deutsche habe die Häftlinge im März 1945 auch nach der Auflösung des Außenlagers während des Marsches nach Neuengamme bewacht. Dabei seien unter unmenschlichen Bedingungen rund 70 Häftlinge ums Leben gekommen, hieß es von den US-Behörden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.09.2020 | 10:00 Uhr

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