Wolfenbüttel: Vielversprechende Spuren nach Hackerangriff

Stand: 19.07.2021 16:54 Uhr

Nach dem Hackerangriff auf das Klinikum Wolfenbüttel geht die Suche nach den Tätern weiter. Es seien Spuren gefunden worden, die vielversprechend seien, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen mit.

Weitere Details wollte der Sprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Derweil laufen die Computersysteme nach Angaben des Wolfenbütteler Klinikums wieder zuverlässig. Nur beim Zugang zum Internet müsse noch nachjustiert werden, hieß es. Das soll im Laufe der Woche geschehen.

Wie konnte Schadsoftware auf Server gelangen?

Polizeibeamte hatten in der vergangenen Woche in dem Klinikum Spuren gesichert, wie der NDR in Niedersachsen von der Staatsanwaltschaft erfuhr. Es gehe darum, herauszufinden, wie die mögliche Schadsoftware auf die Klinik-Server gelangen konnte, hieß es. Durch den Cyberangriff waren in der Nacht zu Mittwoch Teile des IT-Systems der Klinik lahmgelegt worden. Als Mitarbeitenden dies auffiel, habe das Klinikum schnell und sehr professionell reagiert - und die Internetverbindung unterbrochen, so die Staatsanwaltschaft.

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Hacker fordern Bitcoin

Auf eine Zahlungsaufforderung der Hacker ging das Klinikum den Angaben zufolge nicht ein. Die Kriminellen hatten Bitcoin gefordert - welche Summe wollten weder Klinikum noch Behörden sagen. Die medizinische Versorgung der Patienten sei nicht gefährdet gewesen. Ob Daten verloren gegangen sind, ist derzeit nicht bekannt.

Pistorius spricht von "ernsthafter Gefahr"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete Cyberangriffe dieser Art als "aktuell eine der größten Bedrohungen" für die Gesellschaft. "Dieser weitere Angriff auf die sensible Infrastruktur eines Klinikums in Niedersachsen zeigt die Ernsthaftigkeit der Gefahr, die uns am Ende alle in irgendeiner Form treffen kann." Zwar sei die Lage in Wolfenbüttel jetzt auch dank des Einsatzes der Sicherheitsbehörden geklärt, aber es müsse alles für einen besseren Schutz getan werden - "ob im Krankenhaus, der Stadtverwaltung, der Industrie oder in einem Kraftwerk", sagte der Minister.

Hackerangriffe häufen sich

Die Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen nimmt nach Angaben eines Sprechers eine Häufung von Hackerangriffen wahr. Die Attacken betreffen demnach nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Unternehmen und Kommunen. Die Staatsanwaltschaft Göttingen rät deshalb sowohl Firmen als auch jedem privaten Internetnutzer dazu, immer wieder Backups zu erstellen sowie Firewalls und Virenscanner aktuell zu halten.

Städte- und Gemeindebund fordert "sichere Onlinewelten"

Angesichts der zunehmenden Angriffe fordert der Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek, bessere Sicherheitsvorkehrungen im Internet. Der Bund und auch die EU müssten "dafür sorgen, dass wir wichtige Dinge, wie Bank-,  Behörden- oder Gesundheitsdaten nur noch in sicher abgeschotteten Systemen bearbeiten, wo wir genau wissen, wer dort drin ist und was er dort darf". Es sei wichtig, dafür Zeit und Personal zu investieren und gleichzeitig auf manche Annehmlichkeit zu verzichten. "Sonst holt uns jegliche Vernachlässigung bei diesem Thema ein", fürchtet Bullerdiek, der auch IT-Experte des Spitzenverbandes der Städte und Gemeinden in Niedersachsen ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 19.07.2021 | 13:30 Uhr

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