Stand: 11.09.2017 17:22 Uhr

Weitere Raubkunst in Museen gefunden

Auf der Suche nach unrechtmäßig entzogenen Kulturgütern aus der NS-Zeit sind Forscher in weiteren südniedersächsischen Museen fündig geworden. Im Museum Osterode, dem Heimatmuseum Northeim, dem Museum Uslar und dem Städtischen Museum in Seesen am Harz seien verdächtige Objekte festgestellt worden, teilte das Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen am Montag in Osterode mit.

Was ist Provenienzforschung?

Provenienzforscher suchen nach der Herkunft von Kunstgegenständen. Bei der Holocaust-Konferenz in Washington 1998 hatte sich unter anderem Deutschland dazu verpflichtet zu klären, ob seine Museen von den Nazis beschlagnahmte Kunstgegenstände besitzen. Wenn ja, muss das Museum die Erben der ursprünglichen Eigentümer informieren.

Von den Nationalsozialisten zu Unrecht beschlagnahmt

Es handele sich bei diesen Funden etwa um von den Nationalsozialisten beschlagnahmte Bilder und Schriften von der KPD und der SPD, um Ankäufe in jüdischen und "arisierten" Kunsthandlungen sowie anderes, zu Unrecht erworbenes Sammlungsgut. Die Verdachtsfälle zeigten deutlich, dass nicht nur die großen Kunstsammlungen, sondern auch die kleineren Museen mit ihren alltagsgeschichtlichen Sammlungen am Erwerb unrechtmäßig entzogener Kulturgüter beteiligt gewesen seien, so die Forscher.

Erstes Projekt zur Provenienzforschung

Videos
05:29

Familie Rüdenberg erhält NS-Raubkunst zurück

27.06.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

In der NS-Zeit wurde die Unternehmerfamilie Rüdenberg nach und nach um ihr Vermögen gebracht. Um den Kindern die Flucht zu ermöglichen, verkaufen sie ihre Kunst zu Spottpreisen. Video (05:29 min)

Bereits 2016 hatte das Netzwerk in fünf südniedersächsischen Museen teils mit Erfolg nach sogenanntem NS-Raubgut gesucht. Diesem Check waren Museen in Alfeld, Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden und Clausthal-Zellerfeld unterzogen worden. Es handelte sich dabei um das landesweit erste Projekt zur Provenienzforschung. Im kommenden Jahr sollen die bisher ermittelten Objekte sowie die Sammlungen der betroffenen Museen nochmals eingehender überprüft werden. Ziel ist es den Angaben zufolge, die unrechtmäßig erworbenen Kulturgüter den Vorbesitzern oder ihren Erben zurückzugeben und nicht geklärte Fälle in einer Datenbank zu veröffentlichen. Das Netzwerk Provenienzforschung ist beim niedersächsischen Wissenschaftsministerium angesiedelt.

Weitere Informationen

Sprengel Museum: NS-Raubkunst zurückgegeben

Das Sprengel Museum in Hannover hat ein Gemälde des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff zurückgegeben. Bei "Marschlandschaft mit rotem Windrad" handelt es sich um NS-Raubkunst. (27.06.2017) mehr

Auf der Suche nach Raubkunst

Seit dem Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt treiben Museen Nachforschungen zu Raubkunst verdächtigen Werken voran. In Niedersachsen wird die Überprüfung noch lange Zeit dauern. (10.03.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.09.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:44

Schnee, Glätte und eine stürmische "Friederike"

17.01.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:48

Keine Gnade für Ex-SS-Mann Gröning

17.01.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
00:23

FDP: Kuhle neuer Generalsekretär in Niedersachsen?

17.01.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen