Die Virologin Melanie Brinkmann steht am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung HZI. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Virologin Brinkmann: Ohne Impfpflicht geht es nicht

Stand: 24.11.2021 18:24 Uhr

Die Virologin Melanie Brinkmann aus Braunschweig hat sich für eine Impfpflicht zur Bewältigung der Corona-Pandemie ausgesprochen. Die 47-Jährige kritisierte zudem eine zögerliche Haltung der Politik.

Brinkmann sagte bei einer Online-Veranstaltung der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem in Braunschweig am Dienstag: "Ich glaube nicht, dass wir da anders rauskommen." Ein Standpunkt, den sie zuvor nicht vertreten hat. Aktuell gebe es eine "furchterregende Dynamik. Die Inzidenzen werden noch weiter steigen", so die Virologin, die zum Beraterstab der deutsche Bundesregierung gehört. Man müsse den Menschen in der Corona-Pandemie mehr niedrigschwellige Angebote für das Impfen machen und mehr Druck auf diejenigen ausüben, die sich nicht impfen lassen möchten. "Wer ins Restaurant gehen möchte, muss eben geimpft sein."

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Brinkmann wiederholte ihre Kritik an der Politik. Die Länder handelten trotz der Verabredungen auf den Ministerpräsidentenkonferenz nicht einheitlich. Es werde zu sehr gezögert mit Entscheidungen. "Das zermürbt alle", so Brinkmann. Man habe es unter anderem versäumt, früh und aktiv eine Impfkampagne zu bewerben und Bürgerinnen und Bürger direkt anzuschreiben. Als Beispiel für eine gelungene Kampagne verwies sie auf Länder wie Portugal, Spanien und Italien. Dort seien die Impfquoten sehr hoch - "und Deutschland dümpelt hinterher".

Brinkmann fordert harte Kontaktbeschränkungen

Um die aggressivere Delta-Variante in den Griff zu bekommen, müssten mehr als 90 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Außerdem empfahl Brinkmann, die privaten Kontakte stark einzuschränken. Modellrechnungen hätten gezeigt, dass in den nördlichen Bundesländern wie Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die aktuell im Vergleich niedrigere Inzidenzwerte haben, eine Kontaktreduzierung um bis zu 25 Prozent nötig sei. In Ländern mit Höchstinzidenzen wie in Sachsen und Bayern müssten es um die 65 Prozent sein. "Es wäre vernünftig, früh und hart zu bremsen", sagte die Professorin der Technischen Universität Braunschweig.

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Seit Mittwoch gilt in Niedersachsen 2G, kommende Woche drohen weitere Verschärfungen. Derweil steigt das Impftempo im Land langsam. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben sich am Dienstag landesweit 60.000 Menschen (40.000 am Dienstag vor einer Woche) impfen lassen. Davon seien laut niedersächsischem Gesundheitsministerium mehr als 43.000 sogenannte Boosterimpfungen gewesen. Die Zahl der Erstimpfungen sei von 5.000 in der Vorwoche auf 7.000 gestiegen.

Impf-Appell von Steinmeier in Hannover

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte am Mittwoch an Bürgerinnen und Bürger, sich impfen zu lassen. Bei seiner Eröffnungsrede zum 13. Deutschen Seniorentag in Hannover sagte Steinmeier, der per Video aus Berlin zugeschaltet war: "Wenn Appelle nicht helfen, sollte niemand die Politik anklagen, wenn sie schärfere Maßnahmen ergreift." Die pandemische Lage sei für ihn unerträglich. "Voraussichtlich noch in dieser Woche werden wir mehr als 100.000 Opfer der Pandemie zu beklagen haben", so der Bundespräsident. Die Zahlen stünden für unendliches Leid, Trauer und Schmerz, denn hinter jedem Todesopfer stehe ein Schicksal.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 24.11.2021 | 12:30 Uhr

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